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Patentanträge : Siemens holt sich den Titel im Erfinden zurück

Schutzhelme hängen im Siemens Werk für Dampfturbinen-Service in Nürnberg. Bild: dpa

Der deutsche Technologiekonzern verdrängt im Fotofinish Huawei von der Spitze der Patentantragsteller in Europa. Die Statistik zeigt: Deutschland sprüht vor Ideen.

          3 Min.

          Nach sieben Jahren hat es Siemens im Jahr 2018 wieder zum Europameister der Erfinder geschafft. Den Zahlen des Europäischen Patentamtes (EPA) über Patentanmeldungen im vergangenen Jahr zufolge ist das dem deutschen Technologiekonzern allerdings nur in einem sehr engen rennen mit Fotofinish gelungen. Der Kommunikationsanbieter Huawei ist dank eines Vorsprungs von gerade einmal acht Patentanträgen auf den zweiten Platz verwiesen worden. Glück gehabt, denn viel steuern lässt sich bei der hoheitlichen Organisation mit Sitz in München wenig. Damit ist es gelungen, den jahrelangen Vorstoß asiatischer Unternehmen in Sachen Innovationen und Patentschutz zumindest zu bremsen.

          Rüdiger Köhn
          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          Im Jahr 2017 waren die Verhältnisse noch umgekehrt: Da lag Siemens  auf Platz zwei, und Huawei erklomm erstmals die Spitze. Der Vorsprung des Netzwerkausrüsters und Smartphoneherstellers aus China war mit 2398 Anträgen damals gegenüber 2220 Anmeldungen von Siemens deutlich größer. Das Feld liegt 2018 unter den ersten vier der wichtigsten zehn Antragsteller sehr eng beieinander (siehe Grafik). Trotz des Wimpernschlagsiegs von Siemens bestätigt die jüngste Statistik ein weiteres Mal, dass die Asiaten unvermindert dominierend sind; nach Huawei folgen mit nur geringem Abstand die koreanischen Elektrokonzerne Samsung sowie LG. In den zurückliegenden Jahren fiel auf, dass sich der chinesische Konzern Huawei mit ungewöhnlich hohen Wachstumsraten an die Spitze der größten Patentanmelder in Europa systematisch vorgearbeitet hatte. Unter den besten Deutschen fanden sich vergangenes Jahr hinter Siemens und Bosch auf den ersten beiden Plätzen die Unternehmen BASF, Continental und Bayer auf den weiteren Plätzen.

          Huawei gehört zum Establishment

          Jedes Jahr wiederholt sich mit der Frage ein Ritual, wer in Europa am innovativsten ist, wofür  Patentanträge ein wichtiges Indiz sind. Die Antragsteller nutzen die Statistik auch gerne für ihr Image. Sie sehen in der Zahl einen Beleg dafür, wie innovativ und erfindungsreich sie sind. Dabei kann es zwischen beantragten und tatsächlich erteilten Patenten, denen eine mitunter jahrelange Prüfung vorausgeht, zu beachtlichen Unterschieden kommen. Im Jahr 2017 etwa standen LG und Bosch an der Spitze der Top Ten, während Huawei und Siemens im Mittelfeld lagen und mit Toyota und Panasonic plötzlich zwei Japaner unter den Besten waren.

          Die Prüfung des Patentschutzes kann unterschiedliche lange ausfallen und mitunter Jahre dauern, weshalb ein Jahresvergleich nur auf Basis der gestellten Anträge möglich ist. Dieser zeigt immer wieder Wechsel. Im Jahr 2016 etwa wurde Siemens-Konkurrent Philips zum zweiten mal hintereinander Nummer eins, damals aber schon gefolgt von Huawei. Unter den besten Zehn herrscht sonst aber Beständigkeit, gehören die großen koreanischen Konzerne und inzwischen nun auch die Chinesen zum Establishment.

          Bayern unangefochten an der Spitze

          Das Europäische Patentamt meldete für das vergangene Jahr einen Anstieg von 4,6 Prozent auf einen neuen Höchstwert von 174.317 Patentanmeldungen; dagegen wurden „nur“ 127.625 tatsächlich erteilt, was aber ein beträchtlicher Zuwachs von 21 Prozent ist. Geht man nach der EPA-Statistik, sprüht Deutschland geradezu vor Ideen und Innovationen. Es ist Treiber in Europa. Denn die Zuwachsrate ist mit 4,7 Prozent auf 26.734 Anträgen die stärkste unter den 38 Mitgliedstaaten der supranationalen, hoheitlichen Patentorganisation. Dies sei vor allem der Forschungsarbeit im Automobilbereich und in angrenzenden Gebieten wie Sensoren oder Messgeräte zurückzuführen. Das EPA registrierte etwa im Zusammenhang mit der Entwicklung von Elektrofahrzeugen einen Sprung von 71 Prozent, wobei eine absolute Zahl nicht genannt wird.

          Europäische Unternehmen hatten einen Anteil von unverändert 47 Prozent an den Anträgen. Die Vereinigten Staaten (plus 2,7 Prozent auf 43.612 Anträge) waren indes wie schon im Vorjahr das stärkste Land, gefolgt von Deutschland, Japan, Frankreich sowie China. Interessant dabei: Huawei hat fast ein Viertel aller aus China gestellten Anträge von 9400 bestritten. Während Deutschland an Dynamik gewann, hat sich die Zuwachsrate angemeldeter Patente aus Amerika halbiert; ebenso die aus China, die allerdings noch mit 8,8 Prozent beachtlich ausfiel. „Die Zunahme der Patentanmeldungen ist eine sehr positive Botschaft für die europäische Wirtschaft“, sagte EPO-Präsident António Campinos. „Die Zahlen belegen, dass sich Innovation in Europa auf ein konkurrenzfähiges und wirksames Patentsystem stützen kann.“

          Im Vergleich der aus den deutschen Bundesländern eingereichten Anträge nimmt Bayern die unangefochtene Führung ein, mit einem Wachstum von knapp 9 Prozent auf 8238 Patentanträge; knapp ein Drittel aller deutschen Anmeldungen stammen also aus dem Freistaat. Es folgen mit weitem Abstand  Nordrhein-Westfalen (plus 3,9 Prozent auf 5125) und Baden Württemberg (plus 2,2 Prozent auf 5082).

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