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Markku Mäkeläinen Bild: Utopia Music

Schweizer Musik-Fintech Utopia : „Wir wollen das Backend der Musikindustrie sein“

Utopia Music verspricht Datenlücken zu schließen und Musikkonsum besser zu erfassen. Das Schweizer Unternehmen mischt durch diverse Übernahmen aber auch auf anderen Gebieten mit. Nur selbst Musikrechte halten soll Utopia nie.

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          Die Antwort auf die Frage „Was ist fair?“ hängt gewöhnlich stark von der jeweiligen Perspektive ab. Sei es die Aufteilung der Einnahmen zwischen einem Interpreten und seinem Label, die Beteiligung von Songwritern am großen Streaming-Kuchen oder wie viel Dienste wie Spotify eigentlich für sich behalten sollen: Die eine Antwort gibt es nicht.

          Benjamin Fischer
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Markku Mäkeläinen hält sich bei solchen Themen lieber gleich ganz raus: „Fair ist für uns das, worauf sich zwei Parteien in der Musikindustrie geeinigt haben.“ Der Finne arbeitete zuletzt unter anderem für Facebook. Seit Januar 2021 führt er Utopia Music mit Hauptsitz im Kanton Zug. „Wir sind ein neutraler Akteur – wie die Schweiz eben“, sagt er lachend. Als solcher soll Utopia perspektivisch dann aber doch möglichst überall mitmischen im komplizierten Treiben der Musikvermarktung.

          „Fair Pay for Every Play“ hat sich das Un­ternehmen als Motto auf die Fahnen geschrieben. Fairness ergebe sich für Utopia demnach daraus, die Gelder einzuholen, die den Partnern aus der Industrie durch die Nutzung ihrer Werke auf welchen Kanälen auch immer zustünden, sagt Mäkeläinen: „Wir bilden ab, was wann und wo gespielt wurde und bringen diese Informationen mit den Rechte-Verhältnissen und den entsprechenden Eignern zusammen“. Die Erfassung ist die Grundvoraussetzung dafür, dass Zahlungen an die jeweiligen Rechteinhaber fließen können. Die Informationen über diese – an einem Song halten nicht selten deutlich mehr als 10 Par­teien Rechte – müssen hierfür natürlich sorgfältig hinterlegt werden.

          „Utopia wird nie selbst Rechte besitzen“

          Die Rechtewahrnehmung ist ein komplexes Feld, und Ungenauigkeiten können teuer werden – respektive dafür sorgen, dass beim betreffenden Rechteinhaber kein Geld ankommt. In den USA zahlten Mitte Februar vergangenen Jahres beispielsweise diverse Streamingdienste rund 424 Millionen Dollar an eine neu eingerichtete Verwertungsgesellschaft aus.

          Die stolze Summe setzte sich aus nicht zuordenbaren Tantiemen für Urheber zusammen. Auch das sogenannte Tracking von Musik in Radio, Fernsehen oder auf verschiedensten digitalen Plattformen ist eine wichtige Aufgabe. Zudem gebe es auf verschiedenen Märkten verschiedene gesetzliche Regelungen und jeweils lokale Verwertungsgesellschaften, sagt Roberto Neri, der das operative Geschäft der Schweizer verantwortet. Durch diese dezentrale Struktur komme Geld teils nur sehr verspätet bei den Rechteinhabern an. Utopia wolle helfen, Datenlücken zu schließen, um so für mehr Einnahmen für die Branche zu sorgen, die obendrein schneller gezahlt werden sollen: „Wir wollen das Backend der Musikindustrie sein“, fasst Neri zusammen.

          Großes Serviceportfolio durch Übernahmen

          Utopia sei kein Disruptor, unterstreicht, Mäkeläinen. „Unser Ziel ist es, für mehr Ef­fizienz und Genauigkeit zu sorgen, nicht die Funktionsweisen der Industrie zu verändern.“ So könnten die Industriepartner auch die neuen Vermarktungsmöglichkeiten im Gaming oder dem Metaverse besser für sich nutzen. Aktuell arbeitet das „Mu­sik-Fintech“ nach eigenen Angaben mit 1100 Verlagen und 1800 Labels zusammen. 2016 gegründet, repräsentiere man sechs Millionen Rechte, und zu den Kunden zählten auch die Majors genannten großen Drei der Branche, Universal, Sony und Warner Music, heißt es von Utopia.

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