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Satellitenboom : Das Internet zieht in den Weltraum

  • Aktualisiert am

Das computergenerierte Bild der European Space Agency (ESA) zeigt Weltraummüll früherer Weltraummissionen, der neben intakten Satelliten um die Erde kreist. Bild: dpa

Youtube und Netflix verstärken den Bedarf an Bandbreite. Deswegen sollen Satelliten ins All geschossen werden. Die Raumfahrt erhofft sich gute Geschäfte: Bis 2040 könnte sie ihre Umsätze auf eine Billion Dollar verdreifachen.

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          Das rasante Wachstum des globalen Datenverkehrs wird nach Einschätzung der Raumfahrtindustrie einen Weltraum-Boom zur Folge haben. Fachleute erwarten, dass die Übertragung von Internet, Telefon und sonstigen Daten zum Teil in erdnahe Umlaufbahnen verlegt wird. Von den riesigen Satellitenkonstellationen, die meist von amerikanischen Unternehmen geplant werden, erhoffen sich europäische und deutsche Unternehmen gute Geschäfte.

          „Das Space-Geschäft wird gewaltig wachsen. Das sagen nicht nur die Weltraum-, sondern auch die Finanzleute“, sagt Bulent Altan. Er ist der Vorstand bei Mynaric, einem auf Laserkommunikation in All und Luftfahrt spezialisierten Start-up im oberbayerischen Gilching. Die amerikanische Investmentbank Morgan Stanley schätzt, dass die Raumfahrtbranche ihre Umsätze auf der ganzen Welt bis 2040 auf eine Billion Dollar verdreifachen könnte. „Die bedeutendsten kurz- und mittelfristigen Chancen könnten sich bei Breitband-Zugang zum Internet über Satellit bieten“, heißt es in einer kürzlich veröffentlichten Studie.

          „Die bisherige Bandbreite reicht nicht mehr aus“, sagt Carsten Borowy, Manager beim Satellitenhersteller OHB in Bremen. Daher komme die Idee, die ungefähr 300 geostationären Satelliten durch Konstellationen kleinerer erdnaher Satelliten zu ergänzen. „Das ist ein Innovationsschub in der Raumfahrt, den wir sehr positiv sehen.“

          10.000 Satelliten von Elon Musk

          Eine Konstellation ist eine Gruppe von Satelliten, die alle demselben Zweck dienen. Erdnahe Satelliten umkreisen die Erde in einer Höhe von weniger als 2000 Kilometern. Das Unternehmen SpaceX des Elektroautoherstellers Elon Musk will mehr als 10.000 Satelliten in die Umlaufbahn schießen. Airbus ist an dem Projekt OneWeb beteiligt, das eine Konstellation von knapp 2000 Satelliten plant. Amazon und Facebook arbeiten an eigenen Projekten, daneben gibt es weitere Vorhaben.

          „In der Vergangenheit war Satellitenkommunikation TV-Broadcast“, sagt Borowy, der bei OHB die Zukunftsprogramme für Telekomsatelliten leitet. „Ein Satellit überträgt eine Sendung zu einer bestimmten Zeit an mehrere Millionen Haushalte. Mit dem Voranschreiten der Digitalisierung und den Streaming-Diensten reicht das nicht mehr.“ Youtube, Netflix, Maxdome und Co. tragen dazu bei, dass der Bedarf an Bandbreite gewaltig wächst: Auf der ganzen Welt brauche man Millionen Kanäle und nicht mehr nur 300, so Borowy.

          Das Spektrum bei den Telekomsatelliten ändere sich hin zu internetbasierten Diensten. Das sieht auch Mynaric-Vorstand Altan so: „Raumfahrtunternehmen werden zu Telekomfirmen, denn der Großteil dieser Satellitenkonstellationen ist für die Datenübertragung gedacht.“ Der Raumfahrtingenieur war früher bei SpaceX in führender Position an der Raketenentwicklung beteiligt.

          Europa ist führend bei Erdbeobachtung

          Mynaric hofft mit der Datenübertragung per Laserstrahl auf glänzende Geschäfte, denn diese ist schneller als Funk und bietet größere Übertragungskapazitäten. Erdnahe Satelliten sind kleiner, leichter und billiger als geostationäre. Airbus und OneWeb weihten vergangene Woche eine Satellitenfabrik in Florida ein. In der ersten Phase will OneWeb 650 Satelliten ins All schießen.

          Der erste Raketenstart mit etwa 30 Satelliten ist für Jahresende geplant, wie ein Airbus-Sprecher in Toulouse sagt. Danach sollen alle drei Wochen je 30 weitere Satelliten folgen. „Nach den Telekom-Satelliten wird es eine neue Welle der Erdbeobachtungssatelliten geben“, prophezeit Mynaric-Vorstand Altan. „Denn die sind ohne Telekom-Satelliten nicht denkbar, weil sie auf die Datenübertragung angewiesen sind.“

          In Zukunft mache das eine Echtzeit-Beobachtung der Erde möglich, meint der Raumfahrtingenieur – für die Landwirtschaft, aber auch, wenn es um Abholzung, die Überfischung auf den Weltmeeren, Gletscherschmelze oder Waldbrände gehe. „Wenn Sie einen Waldbrand haben, macht es einen Unterschied, ob dieser eine Stunde früher oder später entdeckt wird.“ In Sachen Erdbeobachtung ist Europa nach Angaben von OHB-Manager Borowy in Führung: „Wir haben in Europa mit Kopernikus weltweit die leistungsfähigste Satellitenflotte für die Erdbeobachtung.“ Kopernikus ist ein in der Öffentlichkeit wenig bekanntes EU-Projekt.

          Beobachtungssatelliten übertragen mittlerweile eine Vielzahl von Messdaten: etwa den Chlorophyll-Gehalt der Ozeane, der für die Sauerstoffbildung bedeutsam ist. Dafür würden sich extrem kleine Satelliten verwenden lassen, die nur ein paar Dutzend Kilogramm wiegen, so Borowy. Noch sind Konstellationen mit tausenden Satelliten Zukunftsmusik. „Der Aufbau einer Satellitenkonstellation ist sehr teuer, das kostet mehrere Milliarden Dollar“, sagt Borowy. Das Risiko sei extrem hoch. „Europa hängt zwar hinterher, wenn es ums große Ganze geht, aber wir haben in Europa sehr innovative Ideen“, sagt Borowy dazu.

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