https://www.faz.net/-gqe-9k96v
 

Russland-Kommentar : Der Preis der Freiheit

  • -Aktualisiert am

Kein Empfang: Ist es bald möglich, das russische Internet von ausländischen Servern abkapseln zu können? Bild: dpa

Seit Jahren verschärft die russische Regierung ihren Zugriff auf das Internet. Wie weit wird Putin gehen, um seine Macht zu sichern?

          3 Min.

          Der Übergang zwischen Großmut und Heldentum ist fließend. Auf jeden Fall schwang bei Telegram-Gründer Pawel Durow Stolz mit, als der selbsternannte Retter der russischen Freiheit im Internet im vergangenen Frühling mit einer Fotomontage von „Braveheart“ seinen Kampfeswillen bekräftigte. Ein im Blauton seiner Nachrichten-App Telegram geschminkter Mel Gibson ruft den Feinden zu: „Sie können uns unsere IP-Adressen nehmen, aber niemals unsere Freiheit.“ Gerichtet war diese Botschaft an die Behörden, die verzweifelt versuchten, Telegram zu sperren, nachdem ein Gericht die Nachrichten-App verboten hatte.

          Doch obwohl Durow die Behörden seit langem an der Nase herumführt und es Telegram den Nutzern weiterhin erlaubt, verschlüsselte Nachrichten zu verschicken, war es um die russische Freiheit im Internet schon besser bestellt. Seit Jahren zieht der Kreml die Maschen enger. Anders als in China gibt es in Russland zwar keine „Great Fire Wall“. Aber der Kreml braucht auch keine solche. Die Putin- Regierung hat sich ein vielfältiges Instrumentarium zurechtgelegt, das den Behörden nach Gutdünken Interventionen erlaubt. Eine Reihe Gesetze ermöglicht es ihnen, nach schwammigen Kriterien Inhalte zu blockieren: ob zum Schutz von Kindern, wegen Thematisierung homosexueller Lebensweisen, wegen Online-Piraterie oder Aufrufen zum Extremismus, wozu schon das Teilen kritischer Fotomontagen gezählt wird.

          Testen Sie unser Angebot.
          Jetzt weiterlesen.

          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+

          Hier ist Onkel Dagobert noch ein Bleichgesicht....

          Neue Donald-Duck-Edition : Das Ende von Bleichgesicht Dagobert

          Hört sich an wie nahes Donnergrollen: In der Taschenbuch-Edition der Donald-Duck-Comics von Carl Barks werden Indianer, Bleichgesichter und der liebe Gott gestrichen. Ein Gastbeitrag.
          Annalena Baerbock signiert am Donnerstag nach der Vorstellung ihres Buches ein Exemplar

          F.A.Z. Exklusiv : Baerbocks Pakt mit der Wirtschaft

          Die grüne Kanzlerkandidatin konkretisiert ihr Wirtschaftsprogramm. Ein zentraler Punkt sind Klimaschutzverträge, über die sie Ökologie und Ökonomie in Einklang bringen will. Ganz neu ist die Idee allerdings nicht.
          Problem gelöst durch Rainer Koch? Die Rücktritte aus der Ethikkommission sagen etwas anderes.

          DFB-Ethikrat aufgelöst : „Kapelle auf der Titanic“

          Der DFB sprengt seine gegen Interimspräsident Koch ermittelnde Ethikkommission – und löst Entsetzen aus unter den Betroffenen und Empörung in der Politik.