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Russland, Ukraine, Balkan : Spotify startet in 13 neuen Ländern

Spotify-Chef Daniel Ek im Mai 2015 Bild: AFP

Die Spotify-Aktie steht auch wegen der teuren Podcast-Offensive derzeit gut da. Jetzt wagt der Musikstreaming-Marktführer seit mehr als einem Jahr wieder eine große Expansion. In den neuen Ländern ist er aber nicht allein.

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          Der schwedische Musik-Streamingdienst Spotify expandiert in 13 weitere Länder. Neben Russland sind das Albanien, Belarus, Bosnien-Herzegowina, Kroatien, Kasachstan, das Kosovo, Moldawien, Montenegro, Nordmazedonien, Serbien, Slowenien und die Ukraine. Spotify ist damit nun in 92 Märkten verfügbar. Ein Start in Russland war lange erwartet worden. Zudem hat das Unternehmen insbesondere Südkorea als womöglich nächstes Ziel weiterhin im Blick, wie Spotify-Chef Daniel Ek bei der Vorlage der Zahlen für das erste Quartal 2020 erklärte.

          Benjamin Fischer

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der Schritt markiert die erste Expansion seit dem Launch in Indien im Februar 2019. „Der heutige Launch eröffnet fast 250 Millionen Fans die Möglichkeit, neue Musik aus aller Welt auf Spotify zu entdecken und gibt Künstlern aus der Region die Chance, die zunehmend global vernetzte Hörerschaft zu erreichen“, ließ sich am Dienstagabend Gustav Gyllenhammar zitieren, der bei Spotify unter anderem für die Steigerung der Abonnenten-Zahl zuständig ist. In allen Ländern ist das Gratis und Premium-Angebot verfügbar sowie ein Katalog von 50 Millionen Songs, heißt es von Spotify.

          Der Schritt erfolgt auch vor dem Hintergrund, dass Fachleute eine Abschwächung des Streaming-Wachstums in den etablierten westlichen Märkten erwarten. Nicht zuletzt Russland birgt dagegen offenbar noch einiges an Potential. Mit 171,7 Millionen Dollar Umsatz war der russische Markt für Musikaufnahmen 2019 laut dem Branchenverband Ifpi zwar global gesehen nur die Nummer 17.

          Starke Konkurrenz in Russland

          Die Wachstumsrate betrug jedoch stolze 50,3 Prozent – vor allem durch Streaming-Abos. Physische Tonträger sind in Russland noch einmal deutlich unbedeutender als etwa im deutschen Markt, wo sie 2019 immerhin noch für gut 35 Prozent des Umsatzes sorgten. Mit mehr als 140 Millionen Einwohnern und nach den Daten des Ifpi 118 Millionen Internetnutzern liegt der Reiz für Spotify auf der Hand.

          In Form von Apple Music ist ein großer Konkurrent des schwedischen Marktführers in Russland indes schon länger verfügbar. Dazu kommt der Dienst des lokalen Internet-Riesen Yandex und jener des als „russisches Facebook“ bekannten Netzwerks VKontakte. Die Spotify-Premium-Version kostet in Russland gut 2 Euro (169 Rubel) im Monat und liegt damit im Rahmen der Wettbewerber. Im Gespräch ist auch eine Kooperation mit dem Mobilfunkanbieter MTS. Sich gegen die Konkurrenz durchzusetzen, wird freilich kein Selbstläufer.

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          Gerade die potentielle Macht lokaler Dienste unterstreicht keiner besser als Tencent Music. Auf den Dienst des chinesischen Internetriesen verfielen einer Auswertung des britischen Beratungsunternehmens Midia Research zufolge 11 Prozent an den globalen Musikstreaming-Abos im ersten Quartal dieses Jahres. Spotify als Nummer 1 auf der Welt kommt der Auswertung zufolge auf 32 Prozent, vor Apple (18 Prozent) und Amazon (14 Prozent)

          Teure Podcast-Offensive

          130 Million zahlende und insgesamt 286 Millionen aktive Nutzer weltweit vermeldete der schwedische Dienst Ende April. Apple Music steht bei rund 60 Millionen Abonnenten, wobei diese Zahlen aus dem Juni 2019 stammen. Ein Indiz dafür, dass sie heute deutlich besser aussehen könnten, ist das gleichwohl nicht, obwohl der Dienst in fast 170 Ländern verfügbar ist. Amazon hatte für seinen Streamingdienst derweil Anfang des Jahres ein Wachstum auf 55 Millionen Abonnenten vermeldet.

          Spotify Technology SA

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          Neben dem Kerngeschäft investiert Spotify seit einiger Zeit stark in Podcasts. Auf gut eine Million soll sich das Angebot mittlerweile belaufen. Im Gegensatz zum Musikbereich, wo Spotify Lizenzen von den Rechteinhabern erwerben muss und hierfür dem Vernehmen nach zwischen 65 und 70 Prozent seiner Einnahmen ausschüttet, liegt hier der Fokus darauf, Inhalte selbst zu produzieren oder zumindest exklusiv zu vermarkten.

          Das ist nicht nur mit Blick auf lukrative Werbe-Deals interessant, schließlich erfreuen sich Podcasts einer weiter zunehmenden Beliebtheit. Auch weil der Musik-Katalog so grundsätzlich bei der Konkurrenz ebenfalls zur Verfügung steht, hat das eine Bedeutung.

          Aktie auf Höhenflug

          Seine Podcast-Offensive lässt sich das schwedische Unternehmen einiges kosten. Dass Joe Rogan, einer der bekanntesten Podcaster Amerikas (“The Joe Rogan Experience“) fortan exklusiv auf Spotify sendet, wurde im Mai verkündet und soll dem Streamingdienst mehr als 100 Millionen Dollar wert sein. Auch Reality-Star Kim Kardashian bekommt einen eigenen Podcast auf dem Dienst. In Deutschland verfügt das Unternehmen etwa über die Exklusivrechte an bekannten Produktionen wie „Gemischtes Hack“ oder „Fest & Flauschig“.

          Zudem hat Spotify in der jüngsten Vergangenheit Podcast-Produzent Gimlet Media, die Plattform The Anchor und Sport-Podcast-Anbieter The Ringer übernommen. Erst Mitte Juni kam eine Vereinbarung mit DC Comics und Warner Bros über die Produktion von Podcasts mit den populären Comicfiguren Batman oder Superman hinzu. Bei den Anlegern kommen derlei Nachrichten gut an.

          Auch unter dem Eindruck, dass die Nutzungszahlen im Zuge der Coronakrise offenbar nicht nachhaltig gelitten haben, nachdem das Pendeln zur Arbeit wegfiel, stieg der Spotify-Aktienkurs seit Ende März von rund 128 Dollar auf zeitweise mehr als 270 Dollar. Gewinn hat Spotify freilich bislang nur in zwei Quartalen vermeldet. Das Wachstum dürfte weiter im Fokus stehen – auch in weiteren Märkten.

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