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Raumfahrtindustrie : Satellitenstau im Orbit

Luftnummer: Die Eroberung des Weltraums durch bayerisches Fluggerät ist für Ministerpräsident Markus Söder Eckstein seiner Strategie „Bavaria One“. Bild: dpa

Der Zukunftsmarkt in der Raumfahrt heißt „New Space“. Auch die deutschen Unternehmen Isar Aerospace und Rocket Factory Augsburg wollen Tausende Flugkörper ins All schießen.

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          Für Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) ist das Raumfahrtunternehmen Isar Aerospace zum wichtigen Baustein seines 2018 verkündeten Luft- und Raumfahrtprogramms „Bavaria One“ geworden, mit dem der Freistaat das Weltall erobern will. Somit hat er höchstselbst am Montag in Ottobrunn bei München an der Einweihung der Produktionshalle des Start-Ups teilgenommen. Dort wollen die Münchner die 27 Meter langen Trägerraketen fertigen, mit denen sie nach Möglichkeit schon 2021 kleine und mittelgroße Satelliten in eine erdnahe Umlaufbahn transportieren werden.

          Christian Müßgens
          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.
          Rüdiger Köhn
          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          Die Trägerrakete mit einer Nutzlast von bis zu 1200 Kilogramm soll einmal die Flugkörper in eine Höhe von 400 bis 1200 Kilometer befördern; in Umlaufbahnen, die in den nächsten Jahrzehnten mit riesigen Satellitenfeldern belegt werden sollen. Daniel Metzler, Josef Fleischmann und Markus Brandl gründeten als ehemalige Studenten der TU München das Start-Up im Jahr 2018. Risikokapitalgeber wie Airbus Venture, der Gründerfonds Unternehmertum Venture Capital aus dem Umfeld der TU München, Vito Venture Capital, Earlybird oder Bulent Altan, ehemals Spitzenmanager von Space X, dem amerikanischen Raumfahrtunternehmen des Tesla-Gründer Elon Musk, haben mehr als 15 Millionen Euro in das junge Unternehmen investiert.

          Isar Aerospace ist nicht das einzige deutsche Unternehmen, das mit kleinen Trägerraketen – genannt „Mini-Launcher“ – riesige Geschäftschancen wittert. Neben Hyimpulse aus Baden-Württemberg setzt auch die Rocket Factory Augsburg auf einen wachstumsträchtigen Zukunftsmarkt. Hinter Rocket Factory steht der Bremer Raumfahrtkonzern OHB.

          Sie alle wollen von einer sich abzeichnenden Hochkonjunktur von Projekten und neuen Technologien für den Weltraum profitieren. „New Space“ heißt der Zukunftsmarkt in der Raumfahrt, der im Volumen von zuletzt 360 Milliarden Dollar im Jahr um mehr als das Siebenfache auf bis zu 2,7 Billionen Dollar bis 2040 zulegen soll, wie der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) schätzt.

          Ein günstiger Weltraumzugang für Europa

          Das Wachstumspotential ist Folge der irdischen Digitalisierung, die gewaltige Datentransporte rund um den Globus erfordert. Die Satellitenfelder sollen die Menschen mit schnellem Internet noch in den entlegendsten Regionen verbinden. Autos sollen besser vernetzt und damit das autonome Fahren sicherer gemacht werden. Datenverschlüsselung und -aufbewahrung, vernetzte Industrie mit dem Internet der Dinge, intelligente Landwirtschaft (Smart Farming) oder die Überwachung von Luft- und Schienenverkehr lassen sich durch Satelliten effektiv und einfacher umsetzen.

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