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Übernahmeschlacht : Prosus und Takeaway pokern um Lieferdienst Just Eat

  • -Aktualisiert am

Einfach essen? Just-Eat-Aufkleber an einer Restauranttür in London Bild: AFP

Im Wettrennen um die Gründung des größten Essens-Lieferdiensts der Welt liefern sich Takeaway und Prosus einen Bieterwettstreit. Nun versucht der südafrikanische Herausforderer den entscheidenden Schritt.

          3 Min.

          Das Übernahmegefecht um den britischen Online-Essenslieferdienst Just Eat kommt in Schwung. Am Montag sandte der Internetkonzern Prosus den Just-Eat-Aktionären sein Angebot zu. Demnach bieten die Südafrikaner – Prosus ist eine Abspaltung des in Kapstadt ansässigen Internetkonzerns Naspers – weiterhin 4,9 Milliarden Pfund (5,7 Milliarden Euro) in bar oder 710 Pence je Aktie. Sie senkten jedoch die erforderliche Zustimmungsquote der Aktionäre von 90 auf 75 Prozent.

          Claudia Bröll

          Freie Autorin für die Wirtschaft in Südafrika.

          Die Just-Eat-Aktionäre hatten offenkundig auf eine Verbesserung des Angebots gesetzt. Der Aktienkurs war Ende Oktober, als Prosus erstmals seine Übernahmeabsicht bekanntgegeben hatte, abrupt gestiegen. Noch am Freitag kostete die Aktie 738 Pence.

          Mit Spannung wird nun der nächste Schachzug des niederländischen Rivalen Takeaway.com erwartet, der in Deutschland mit seiner Marke Lieferando ein Quasi-Monopol hält. Dessen Zusammenschluss mit Just Eat zur größten Lieferplattform außerhalb Chinas galt schon fast als besiegelt, als Prosus die Pläne durchkreuzte.

          Takeaways Kurs bröckelt

          Am Montag blieb dieser aber zunächst aus. Takeaways Vorstandschef Jitse Groen teilte lediglich mit, er könne „vollkommen verstehen, dass die derzeitigen Barwerte sowohl von unserem wie auch von dem Konkurrenzangebot nicht besonders ansprechend für die Aktionäre von Just Eat“ seien.

          Damit bezog er sich darauf, dass der Aktienkurs seines Unternehmens seit dem Angebot abgebröckelt ist. Da Takeaway die Just-Eat-Aktionäre in eigenen Aktien auszahlen will, ist das Angebot deshalb statt 731 Pence am Anfang rechnerisch nur noch 609 Pence wert. „Wir sind dennoch der Ansicht, dass das vereinbarte Fusionsverhältnis zwischen Just Eat und Takeaway.com angemessen ist“, sagte Groen weiter.

          Beide Unternehmen warben am Montag für ihre Angebote. Von Takeaway hieß es, das Prosus-Angebot, welches den Aktionären Bargeld statt Aktien anbiete, möge zwar zunächst attraktiver wirken, einen langfristigen Wert erziele man aber nur durch die Zusammenführung des Geschäfts beider Unternehmen. Die Bezahlung in Aktien sei sinnvoll, weil der Kreis der Aktionäre von Just Eat und Takeaway sich zu einem großen Teil überschneide. Deshalb hätten die Anteilseigner ein Interesse daran, im Bereich der Lieferdienste investiert zu bleiben.

          Prosus-Finanzchef Basil Sgourdos sagte hingegen, Just Eat habe in der Vergangenheit nicht genügend investiert, um kapitalstarke Konkurrenten wie Uber Eats zurückzuhalten. Sein Unternehmen habe die finanziellen Mittel sowie die Erfahrung, um die Chancen in diesem Markt zu realisieren. Das Unternehmen wolle die Übernahme nutzen, um zur Nummer eins unter den Essenslieferdiensten auf der Welt aufzusteigen.

          Man habe ein „attraktives und faires Angebot“ unterbreitet, sagte Sgourdos. Seit 2016 habe Prosus rund 2,8 Milliarden Dollar in dem Geschäftszweig investiert. „Lieferplattformen werden die Essensgewohnheiten der Menschen fundamental ändern“, sagte der Finanzchef. „Irgendwann werden Lieferungen genau so viel kosten wie die Zutaten zum Selbstkochen.“ Am Just-Eat-Management prallte die Charme-Offensive von Prosus offensichtlich ab. Das Angebot unterschätze den Wert des Unternehmens, hieß es.

          Drückt Prosus mittelbar Takeaways Kurs?

          Kritik am Vorgehen der Südafrikaner kam in der Zwischenzeit aber auch von anderer Seite. Die Investitionsgesellschaft Cat Rock Capital hatte der deutschen Delivery Hero, an der wiederum Prosus beteiligt ist, vorgeworfen, Takeaway-Aktien im großen Umfang verkauft und damit zu deren Kursrutsch beigetragen zu haben. Auch in Takeaway-Kreisen ist diese Lesart zu hören. Beide Unternehmen weisen die Vorwürfe zurück. Man habe den Verkauf geplant, als man noch nichts von Takeaways Angebot wusste.

          Die Prosus-Muttergesellschaft Naspers ist der am Marktwert gemessen mit Abstand größte börsennotierte Konzern in Afrika. Das einst konservative Medienhaus verdankt den Aufstieg vor allem einem frühzeitigen Einstieg beim chinesischen Tech-Konzern Tencent. Heute ist Naspers ein Internetkonzern mit Beteiligungen rund um den Erdball. Im September hatte er sein internationales Geschäft unter dem Namen Prosus an die Börse in Amsterdam gebracht, auch um die Expansion außerhalb Südafrikas voranzutreiben.

          Das Augenmerk von Naspers- und Prosus-Chef Bob van Dijk liegt auf drei Geschäftsbereichen: Essenslieferdienste, Online-Bezahlsysteme und Online-Anzeigen. Am Montag gab Prosus außerdem bekannt, bis zu 400 Millionen Dollar in den Berliner Online-Auto-Marktplatz Frontier Car Group investieren zu wollen. Seine Anzeigensparte des Konzerns, die OLX Group, wäre dann Hauptanteilseigner.

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