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Planet Labs : Den Klimawandel aus dem Weltraum bekämpfen

Äcker in der Ukraine Bild: Planet Labs PBC

Planet Labs fotografiert vom Orbit aus jeden Tag die Erde. Die Bilder könnten im Kampf gegen den Klimawandel helfen. Doch auch Geheimdienste zeigen Interesse.

          5 Min.

          Wer in den vergangenen Monaten die Nachrichten verfolgt hat, der hat vermutlich schon einmal ein Bild von Planet Labs gesehen, auch wenn er von diesem Unternehmen aus Kalifornien noch nie gehört hat.

          Alexander Wulfers
          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Luftaufnahmen des Stahlwerks in Mariupol gehören zum Beispiel dazu, vom nordkoreanischen Atomwaffentestgelände oder von den Auswirkungen der Hitzewelle in Paki­stan. Die Kalifornier betreiben ein Netzwerk von Satelliten, die mit hochauflösenden Kameras die Erde fotografieren – und zwar mehrmals täglich. Der britische Physiker Will Marshall, einer der Gründer, hat für seine Satellitenflotte große Pläne.

          Alle von den Vereinten Nationen definierten Entwicklungsziele seien mit tagesaktuellen Satellitenbildern leichter zu erreichen, glaubt er. Und auch im Kampf gegen den Klimawandel sollen Bilder aus dem Weltraum helfen. „Sie können nicht managen, was Sie nicht messen“, sagt Marshall. Es sei wichtig, die Erde in einer höheren Frequenz zu beobachten, als die Menschheit sie verändere. Nur einmal im Jahr neue Aufnahmen zu haben, das sei einfach zu langsam.

          Was macht einen Satelliten so teuer?

          Die Idee hinter Planet Labs entstand im Mekka der „Space Geeks“, der Weltall-Freaks, wie Marshall sich und seine Gleichgesinnten nennt: bei der amerikanischen Raumfahrtbehörde NASA. Dort hatte er nach seiner Promotion angeheuert. Heute spricht er in höchsten Tönen über die Forschung dort.

          Doch eine Sache habe ihm keine Ruhe gelassen. „Die Smartphones in unseren Taschen haben fast alles, was man für einen Satelliten braucht: Beschleunigungsmesser, Gyroskopen, GPS. Sie haben Funkgeräte zum Telefonieren und Kameras zum Aufnehmen von Bildern.“ Zu dem, was man für einen Satelliten benötige, gebe es 90 bis 95 Prozent Überschneidung. Daraus ergab sich für Marshall die Frage: „Dieses Handy hier kostet 500 Dollar, und ein Satellit kostet in der Regel 500 Millionen. Was machen die zusätzlichen sechs Nullen für uns?“

          Marshall meinte das ganz wörtlich. Er und seine NASA-Kollegen entschlossen sich zu einem Experiment. Sie schossen drei Handys („Google Nexus Ones, die konnten wir besser programmieren als iPhones“) ins All, ließen sie Bilder machen und zurück an die Erde schicken. „Und es hat funktioniert!“ Nicht jeder bei der NASA war davon begeistert, Marshall verlor fast seinen Job, erzählt er. 2010 gründete er mit zwei Kollegen sein eigenes Unternehmen und baute, ganz in Silicon-Valley-Manier, in einer Garage in Cupertino seinen ersten Satelliten.

          Satelliten so groß wie ein Schuhkarton

          Heute hat Planet Labs etwa 200 Satelliten im Orbit, die mehrmals täglich aus 400 Kilometer Höhe die gesamte Erde fotografieren. Ganz so günstig wie ein Smartphone sind die „Doves“ (Tauben) nicht geworden, etwas komplizierter ist die Technik dann schon. Zwischen 200 000 und 300 000 Dollar koste ein Satellit aus der aktuellen Flotte im Durchschnitt. Der Großteil davon geht für den Start drauf, bei dem Planet Labs mit Elon Musks Raumfahrtunternehmen SpaceX zusammenarbeitet.

          Und wo sind die restlichen Nullen geblieben? Ein Faktor ist die Größe. Eine „Dove“ ist nicht größer als ein Schuhkarton und wiegt ungefähr fünf Kilogramm. Etwas größer sind die „Skysat“-Modelle, die Planet Labs Google abgekauft hat. Dafür bieten deren Fotos aber auch eine höhere Auflösung von bis zu 50 Zentimetern je Pixel im Vergleich zu den drei bis fünf Metern der „Doves“. Im nächsten Jahr will Planet Labs eine neue „Pelican“-Flotte in die Erdumlaufbahn schießen, die bis zu 30 Bilder am Tag aufnehmen und die Auflösung noch einmal erhöhen soll, auf 30 Zentimeter je Pixel.

          Brand des Luftwaffenstützpunkts im ukrainischen Cherson
          Brand des Luftwaffenstützpunkts im ukrainischen Cherson : Bild: AP

          Einen wesentlichen Teil des Kostenunterschieds macht Marshall zufolge die Risikoaversion der NASA aus. Der gehe es um Wissenschaft, nicht um Kostenoptimierung. „Wenn Sie Hunderte Millionen für den Satelliten ausgeben, dann möchten Sie sichergehen, dass nichts schiefgeht. Dafür geben Sie dann noch mehr aus – anstatt einfach mehr Satelliten hochzuwerfen und Redundanz zu haben.“ Einfach mehr Satelliten hochwerfen, das ist Marshalls Ansatz. Die Ausfallquote der Planet-Labs-Flotte liege dennoch nur bei unter fünf Prozent. Viel zu niedrig, findet er. Das sei ein Zeichen, dass das Unternehmen nicht genug ins Risiko gehe. Der Preis könnte niedriger, die Leistung höher sein, wenn es die Technologie härter vorantriebe.

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