https://www.faz.net/-gqe-9r0xo

Private Krankenversicherer : 100 Millionen Euro für Gesundheits-Start-ups

  • -Aktualisiert am

Die Digitalisierung des Gesundheitswesens erhält in Deutschland mehr Geld. Bild: dpa

Die private Krankenversicherung greift tief in die Kasse und investiert in digitale Gesundheits-Start-ups. Und was machen die gesetzlichen Kassen?

          2 Min.

          Mitte Juli hat das Bundeskabinett das Digitale-Versorgungs-Gesetz verabschiedet. Damit soll den gesetzlichen Krankenkassen unter anderem erlaubt werden, bis zu zwei Prozent ihrer Finanzreserven in Investmentfonds anzulegen, die wiederum in Start-ups für die digitale Versorgung investieren. Eines der Ziele dabei ist, dass die Kassen frühzeitig von neuen technischen Entwicklungen am Markt erfahren.

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Doch noch bevor der Bundestag sich überhaupt mit der Vorlage befasst hat, machen die privaten Krankenversicherungen Nägel mit Köpfen. Sie kündigte am Dienstag an, bis zu 100 Millionen Euro in solche Investmentfonds einzuzahlen. Für die privaten Unternehmen, die rund ein Zehntel der Bundesbürger gegen Krankheitsrisiken absichern, gelten die scharfen Begrenzungen des Sozialgesetzbuches nicht.

          Der von den Privatversicherungen aufgelegte Venture-Capital-Fonds hört auf den bezeichnenden Namen „heal capital“. Das – grob übersetzt – „Gesundheits-Kapital“ werde von den Berliner Digital-Health-Investoren „Heartbeat Labs“ und „Flying Health“ gemanagt, die ihrerseits einen einstelligen Millionenbetrag einzahlten, erklärte der Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV). Beide Anbieter sind für ihre gute Vernetzung in der digitalen Gesundheits-Start-up-Szene bekannt.

          „Motor für Innovationen“

          Mit der Kooperation wolle man Start-up-Unternehmen fördern, die digitale Innovationen für die Gesundheitsversorgung entwickeln, erläuterte die PKV. Die beteiligten Unternehmen – es blieb offen, wie viele der 49 Verbandsmitglieder das sind – würden „ein Zielvolumen von 100 Millionen Euro zur Verfügung stellen, um mit diesem Gründer-Kapital gezielt die Qualität der medizinischen Versorgung in Deutschland und die Digitalisierung des Gesundheitswesens voranzutreiben“. Konkret soll es um digitale Gesundheitsanwendungen, Telemedizin, digitale Prävention und Digitalisierung der Pflege gehen.

          Ralf Kantak, der Vorsitzende des PKV-Verbands, sieht in den neugegründeten Fonds einen Beleg dafür, „dass die Private Krankenversicherung als Motor für Innovationen im deutschen Gesundheitssystem wirkt, auch durch eine zukunftsweisende Anlageform“. Man wolle damit zu einer besseren Versorgung in Deutschland beitragen. Markus Müschenich, Managing Partner bei Flying Health, ließ sich mit der Bemerkung zitieren, mit dem PKV-Fonds „treiben wir die digitale Transformation des deutschen Gesundheitswesens voran und sorgen dafür, dass digitale Innovationen schneller in der Versorgung ankommen.“

          Heartbeat Labs hat nach eigenen Angaben seit 2017 sechs Unternehmen gegründet sowie in neun Digital-Health-Unternehmen investiert. Flying Health wiederum entwickelt seit 2012 durch gezielte Partnerschaften mit teils großen Spielern in der Gesundheitswirtschaft, darunter Krankenkassen, digitale Versorgungsmodelle.

          Die Barmer machte den Anfang

          Den Anfang beim Digital-Health-Investment machte allerdings eine gesetzliche Krankenkasse. Die Barmer Ersatzkasse hatte gegen viele Widerstände ein Modellprojekt durchgesetzt und im Jahre 2016 für die Dauer von zehn Jahren die Investition von bis zu 15 Millionen Euro in den Venture-Capital-Fonds Earlybird angekündigt. Aktuell hat der Fonds ein Volumen von 28 Millionen Euro, wovon die Barmer knapp 5 Millionen gezeichnet hat.

          Der Fonds ist an 5 Digital-Unternehmen beteiligt. Da das Kapital der Krankenkasse aus Beitragsgeldern stammt, ist es durch Bürgschaften besonders gegen Ausfallrisiken abgesichert. Im Gegenzug ist die Verzinsung des Kapitals nach einem Verkauf der Beteiligungsunternehmen aber auch auf zwei Prozent gedeckelt.

          Genau dieses Modell stand auch Pate für den Gesetzentwurf, mit dem sich der Bundestag im September erstmals befassen will. Stimmt er erwartungsgemäß zu, können auch anderen gesetzlichen Kassen ab dem nächsten Jahr in solche einen Venture-Capital-Fonds für digitales „Gesundheitskapital“ investieren.

          Weitere Themen

          Viel Lärm um Tesla Video-Seite öffnen

          Protest in Grünheide : Viel Lärm um Tesla

          Der Autobauer und das Land Brandenburg haben sich auf den Kauf der Landfläche geeinigt, auf der der Konzern seine Fabrik für Elektroautos errichten will. Ein Gutachten soll nun den Kaufpreis ermitteln. Gegner des Vorhabens fordern mehr Transparenz und fürchten Umweltschäden.

          Topmeldungen

          Gelände getroffen: Die amerikanische Botschaft am Fluss von Tigris in Bagdad, Irak.

          Irak : Rakete trifft amerikanische Botschaft in Bagdad

          Es ist nicht der erste Raketenangriff auf amerikanische Ziele in Irak: Doch nun hat eine Rakete das Gelände der amerikanischen Botschaft in Bagdad direkt getroffen. Mindestens drei Menschen sollen verletzt worden sein.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.