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Soziales Netzwerk : Warum OnlyFans die Pornos verbannt

Nacktheit soll erlaubt bleiben: Künstlerin auf der Plattform OnlyFans Bild: picture alliance/STRF

Die Internetplattform OnlyFans ist für ihre pornograpischen Inhalte bekannt – doch trotz gut laufender Geschäfte wirft die Plattform diese nun raus. Das liegt vor allem am Geld.

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          OnlyFans verbannt von Oktober an pornographische Inhalte. Mit dem Verbot „sexuell-expliziter“ Aufnahmen will die britische Plattform „Forderungen von Bankpartnern und Zahlungsdienstleistern nachkommen“, teilte das Unternehmen mit. Die Creator können aber weiterhin „Inhalte veröffentlichen, die Nacktheit beinhalten“, sofern sie sich an die Regeln der Plattform halten. Wie genau diese aussehen, scheint bisher noch offen zu sein.

          Gustav Theile
          Wirtschaftskorrespondent in Stuttgart.

          Auf OnlyFans stellen Social-Media-Creator – darunter viele Sexarbeiter, Musiker und andere Influencer – Inhalte online, die Nutzer dann kostenpflichtig abonnieren können. Auch wenn einige populäre Musiker und Schauspieler wie etwa Bella Thorne und Cardi B Onlyfans-Konten betreiben und mit Vice sogar eine Nachrichtenseite auf der Plattform ist, ist diese vor allem für ihre pornographischen Inhalte bekannt. Sie hat laut eigenen Angaben 130 Millionen Nutzer, die sich die Inhalte von zwei Millionen Creatorn anschauen.

          Der Umsatz soll sich versechsfachen

          OnlyFans ist laut einem Bericht der Nachrichtenseite Axios auf der Suche nach Investoren und peilt dabei eine Bewertung von mehr als einer Milliarde Dollar an. Die Investoren zeigten sich aufgrund der pornographischen Inhalte bisher aber kaum interessiert, häufig verbieten ihnen Klauseln, in bestimmten Branchen Geschäfte zu machen.

          Dabei geht es dem Unternehmen laut einer internen Präsentation von Ende März, aus der Axios zitiert, prächtig. In der Pandemie stiegen die Nutzerzahlen stark an. Der gesamte Umsatz auf der Plattform soll von 2,2 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr (knapp 1,9 Milliarden Euro) in diesem Jahr auf 5,9 im laufenden und 12,5 Milliarden Dollar im kommenden Jahr steigen. Die Plattform behält ein Fünftel der Umsätze ein, entsprechend soll der Nettoumsatz des Unternehmens selbst sich von 375 Millionen im Jahr 2020 auf 2,5 Milliarden Dollar im Jahr 2022 mehr als versechsfachen.

          Schon in der vergangenen Woche veröffentlichte OnlyFans eine App, auf der Creator Inhalte hochladen können, die ohne Nacktheit auskommen. Künftig dürfte die Plattform noch stärker auf Musik-, Fitness- oder Koch-Inhalte setzen.

          Viele OnlyFans-Millionäre

          Für viele Creator ist die Plattform sehr einträglich. Dem Axios-Bericht zufolge verdienten Ende März mehr als 300 Creator mehr als eine Million Dollar und 16.000 Creator mehr als 50.000 Dollar im Jahr auf OnlyFans. Allerdings dürften diese Zahlen inzwischen rasch gestiegen sein: Bis Ende März dieses Jahres sollen 3,2 Milliarden Dollar ausgezahlt worden sein. Laut der aktuellen Axios-Mitteilung liegt dieser Wert inzwischen schon jenseits von 5 Milliarden Dollar.

          So kontrovers die Inhalte für Investoren sind, für Sexarbeiter und Pornodarsteller war die Plattform bisher eine wichtige Einnahmequelle, auf der sie die Inhalte selbstbestimmt vermarkten können. Diverse US-Medien zitieren enttäuschte OnlyFans-Pornodarsteller, die sich nun fragen, wie sie künftig Geld verdienen sollen, und meinen, dass es nun den Raum für einen neuen Anbieter gäbe. Pornographische Seiten wurden von Banken in der Vergangenheit häufig blockiert oder gemieden. Stattdessen werden viele Umsätze mit sexuell-expliziten Inhalten mit Kryptowährungen gemacht. Der Schritt von OnlyFans erinnert an den von Tumblr: Die Foto-Plattform verbannte im Jahr 2018 pornographische Inhalte und büßte daraufhin stark an Popularität ein.

          OnlyFans wurde im Jahr 2016 vom britischen Unternehmer Tim Stokely gegründet, der die Plattform bis heute führt. Haupteigentümer ist seit Oktober 2018 jedoch der US-Unternehmer Leonid Radvinsky, der durch die Beteiligung zum Milliardär wurde.

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