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Online-Shops für Unternehmen : Facebook will zur Einkaufsmeile werden

Mit Freunden schreiben und das besprochene Stück direkt via soziale Netzwerke shoppen? Beim Konzern Facebook ist das künftig möglich. Bild: dpa

Läden sollen die Möglichkeit bekommen, auf Facebook einfach und weitgehend kostenlos eigene Online-Shops einzurichten. Das könnte die Kräfteverhältnisse im Onlinehandel verschieben.

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          Facebook will Inhabern von Läden die Möglichkeit geben, Online-Shops innerhalb von Facebook anzulegen. Mit der neuen Funktion „Facebook Shops“ sollen sie in der Lage sein, mit wenigen Schritten einen individuell gestalteten Internetladen zu erstellen, wie der Konzern hinter dem größten sozialen Netzwerk der Welt am Dienstag mitteilte. Deutschland gehört zu den ersten Ländern, in denen die neue Funktion eingeführt wird. Seit Dienstagabend können hierzulande Shops eingerichtet werden.

          Bastian Benrath

          Redakteur in der Wirtschaft.

          „Dies ist der größte Schritt, den wir bislang getan haben, um in der Familie unserer Apps Handel zu ermöglichen“, sagte Facebook-Chef Mark Zuckerberg am Dienstagabend in einer Videokonferenz. Kunden sollen mit ihnen direkt auf Facebook Einkäufe tätigen und bezahlen können, hieß es. Zudem sollen die Shops auch aus Instagram und sogar einer Whatsapp-Unterhaltung heraus erreichbar sein. Das Einrichten und die Nutzung der Internetläden soll für die Betreiber grundsätzlich kostenlos sein, abgesehen von Gebühren für die Zahlungsabwicklung. Die Shops sollen gleichermaßen Kleinunternehmern und großen Konzernen zur Verfügung stehen.

          Facebook könnte sogar offline Daten sammeln

          Wenn Händler das neue Angebot annehmen, könnte Facebook mit seinen 2,6 Milliarden Mitgliedern in der Lage sein, die Gewichte im Onlinehandel deutlich zu verschieben. Die Plattform bekommt über die neue Funktion Daten über das Einkaufsverhalten seiner Nutzer. „Wir werden sehen, mit welchen Shops sie interagieren, an welchen Produkten sie interessiert sind, was sie kaufen und so weiter“, sagte Zuckerberg der Deutschen Presse-Agentur in einem Gespräch.

          So soll „Live Shopping“ aussehen

          Das gilt umso mehr, weil Facebook auch Möglichkeiten testen will, Treueprogramme verschiedener Anbieter mit dem Facebook-Konto eines Nutzers zu verknüpfen – dann könnte der Konzern sogar Daten über das Offline-Einkaufsverhalten seiner Nutzer sammeln. Zuckerberg ging weiter davon aus, dass Werbeanzeigen der Händler Facebooks Einnahmen erhöhen werden. „Unser Werbesystem funktioniert mit Auktionen, bei denen ein Unternehmen so viel bietet, wie ihm eine Anzeige wert ist. Wenn wir eine Anzeige wertvoller machen können, weil jemand, der sie anklickt, mit größerer Wahrscheinlichkeit etwas kauft, werden wir mehr Geld mit Werbung verdienen“, sagte er.

          Die Shops sollen den Händlern zudem die Möglichkeit geben, eigene Videostreams zur Vermarktung ihrer Produkte anzubieten. Die entsprechenden Artikel würden dann direkt unter dem Video angezeigt, hieß es von Facebook. Interessenten könnten sich das Produkt ansehen und es kaufen, ohne den Livestream verlassen zu müssen. Auf Facebook sei diese „Live Shopping“ genannte Funktion ebenfalls ab sofort verfügbar, auf Instagram werde sie zunächst mit Unternehmen in Amerika getestet, bevor sie für den Rest der Welt ausgerollt werde.

          Auch die Nutzung von Augmented Reality (AR) will Facebook in seinen Shops ermöglichen. So soll zum Beispiel Make-up auf dem Smartphone-Display virtuell auf ein Foto der Kundin projiziert werden – um zu sehen, ob zum Beispiel die Lippenstift-Farbe ihr steht. Auch Möbelstücke sollen so virtuell ins Zimmer eingeblendet werden können.

          Es ist kein Zufall, dass Facebook die neue Funktion während der Corona-Krise einführt: Zahlreiche, gerade inhabergeführte Läden stehen vor der Herausforderung, kurzfristig internetbasierte Vertriebswege zu erschließen. Online-Shops seien etwas, „woran ich schon länger interessiert war, aber als Covid-19 kam, wurde es wirklich kritisch und dringend“, sagte Zuckerberg. Viele kleinere Unternehmen – deren Werbeanzeigen wichtig für das Geschäft von Facebook sind – stünden vor dem Aus und suchten den Ausweg erstmals im Onlinegeschäft. Deswegen sei die Entwicklung von Facebook Shops „drastisch beschleunigt“ worden.

          Facebooks Aktienkurs legte nach der Ankündigung um knapp 3 Prozent zu. Einknicken tat hingegen der Kurs von Shopify – das kanadische Softwareunternehmen ist einer der führenden Anbieter von Online-Shops auf der Welt. Der Kurs erholte sich jedoch wieder, als Shopify-Chef Tobias Lütke in die Videokonferenz zu Zuckerberg dazugeschaltet wurde. Die beiden gaben bekannt, dass Shopify als Partner der Facebook Shops auftreten werde. Offenbar sollen Shopify-Kunden unterstützt von deren Software separat einen Facebook-Shop einrichten können. Wie das genau ablaufen soll und was die Konditionen sind, blieb aber zunächst unklar.

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