https://www.faz.net/-gqe-a5m85

Europäisches Projekt : Noch mehr Unternehmen wollen in die Cloud-Initiative Gaia-X

  • Aktualisiert am

Europa will mit einem eigenen Rechenzentren-Netzwerk punkten. Bild: dpa

Europa möchte großen Anbietern wie Amazon und Microsoft mehr entgegensetzen. Ein Ansatz des deutschen Wirtschaftsministers bekommt immer mehr Zulauf.

          2 Min.

          Immer mehr Unternehmen wollen sich am Aufbau der europäischen Cloud- und Dateninfrastruktur Gaia-X beteiligen. Neben den 22 Gründungsunternehmen aus Deutschland und Frankreich haben nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums „weit mehr als 100 weitere Unternehmen“ ihr Interesse bekundet, „Mitglied der ersten Stunde“ der in Gründung befindlichen Gaia-X-Organisation zu werden.

          Bei dem im Oktober 2019 vorgestellten Projekt geht es darum, in Europa nicht alternativlos auf die großen IT-Konzerne aus den Vereinigten Staaten und China angewiesen zu sein. Dafür soll ein Konzept erarbeitet werden, mit dem neue und bestehende Angebote über Open-Source-Anwendungen und offene Standards miteinander vernetzt werden.

          Gaia-X strebt aber nicht an, selbst einen „Hyperscaler“ nach dem Vorbild von Google, Amazon oder Microsoft zu schaffen. Vielmehr will Gaia-X den Cloud-Riesen mit einer Vernetzung von vielen kleineren Anbietern aus Europa entgegentreten. Der Betrieb dynamisch verteilter Systeme wie einer Cloud-Umgebung ist allerdings gerade für kleinere Anbieter und die IT-Abteilungen in mittelständischen Unternehmen nur schwer zu meistern.

          Ein Problem ist der Cloud Act

          Während der Entwicklung von Gaia-X setzten die Initiatoren nicht von Anfang an auf eine umfangreiche und allumfassende Lösung, betonte das Wirtschaftsministerium am Mittwoch zum Auftakt eines zweitägigen virtuellen Gaia-X-Treffens. Vielmehr wolle man im kommenden Jahr mit einem „Minimum Viable Product“ („minimal funktionsfähiges Produkt“) an den Start gehen: Dies sei der Ausgangspunkt für Prototypen, den Test kritischer Funktionalitäten und weitere Entwicklungen.

          „Das Verfahren zur Zertifizierung, ob Dienste Gaia-X-konform sind, braucht noch etwas Zeit“, sagte Boris Otto, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Software- und Systemtechnik (ISST), dem „Tagesspiegel Background Digitalisierung und KI“. „Wir werden Mitte nächsten Jahres die ersten zertifizierten Gaia-X-Anwendungen sehen.“

          Die auf Gaia-X basierenden Anwendungen sollen es erlauben, Daten untereinander branchen- und länderübergreifend sicher auszutauschen. Außerdem sollen Cloud-Lösungen möglich gemacht werden, die dem europäischen Recht entsprechen. Gegen Dienste aus den Vereinigten Staaten wie Microsoft Azure, Google Cloud und Amazon AWS gibt es insbesondere nach dem Urteil des EuGH („Schrems II“) Vorbehalte, weil diese sowohl der Europäischen Datenschutzgrundverordnung als auch dem amerikanischen Cloud Act entsprechen müssen. Dies ist selbst mit individuellen Rahmenverträgen nach Einschätzung von Datenschützern kaum möglich.

          Vor diesem Hintergrund sind Konzerne wie Amazon, Google, IBM und Microsoft selbst in der Gaia-X-Initiative aktiv. Dies widerspricht der Vorgabe aus der Politik nicht: So hatte Minister Altmaier mehrfach erklärt, dass auch Tech-Konzerne aus Amerika Angebote entwickeln sollten, die mit den Richtlinien von Gaia-X konform sind.

          Der Industrieverband BDI forderte, schnellstmöglich Angebote mit einem konkreten Mehrwert für Unternehmen zu schaffen. „Gaia-X muss der europäische Goldstandard in der Industrie werden“, sagte Iris Plöger, Mitglied der BDI-Hauptgeschäftsführung. Die Politik sollte stärker Forschungs- und Entwicklungsprojekte in wirtschaftlichen Anwendungsbereichen fördern. Bund, Länder und Kommunen müssten die Chance nutzen, mit Gaia-X die Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung voranzutreiben: „Deutschland liegt mit seinen digitalen Diensten auf einem inakzeptablen 21. Platz im Ranking der 27 EU-Staaten. Eine hohe Nachfrage aus dem öffentlichen Sektor würde Gaia-X die dringend notwendige Starthilfe geben.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Covid-Kontrolle in der nordostchinesischen Stadt Harbin.

          Ausländer verlassen China : Pekings strenge Covid-Politik stößt auf Zorn

          Pekings Null-Covid-Politik hat aus dem Land ein Gefängnis gemacht. Die in China lebenden Ausländer fliehen daher vor lauter Unmut in Scharen. Einheimische schaffen es jedoch nur mit großer Mühe, das Land derzeit zu verlassen.
          EVP-Fraktionschef Manfred Weber (Archivbild)

          Russland-Ukraine-Konflikt : Welchen Preis soll Putin zahlen?

          Mehrere EU-Politiker haben sich dafür ausgesprochen, Russland die Konsequenzen aufzuzeigen, sollte das Land in die Ukraine einmarschieren. EVP-Fraktionschef Manfred Weber sähe die Gaspipeline Nord Stream 2 in diesem Fall am Ende.

          Fangverbot in der Ostsee : Der junge Fischer und die großen Sorgen

          In der westlichen Ostsee dürfen Fischer bald fast keine Dorsche und Heringe mehr fangen. Nicht wenige sagen: Die dortigen Betriebe stehen vor dem Aus. Peter Dietze will sich seinem Schicksal nicht ergeben – er schippert Touristen und bietet Seebestattungen an.
          Dauert alles ziemlich lange: Bau einer Windkraftanlage in Altenbecken am 02.08.2013.

          Windkraftpläne der Ampel : Der Turbo für Großprojekte

          Die Ampel will den Bau von Windparks beschleunigen. Sie setzt vor allem auf eine Professionalisierung des Rechtsverfahrens. Dass dafür der Artenschutz zurückstehen muss, bereitet den Naturschutzverbänden aber kaum Sorgen.