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Nixdorf Computer : Die gefallene Computermacht Deutschland

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Das neue Computerunternehmen war mit umgerechnet rund 6,5 Milliarden Euro Umsatz die Nummer zwei in Europa und die Nummer sechs in der Welt, hinter IBM und DEC in Amerika, Fujitsu und NEC in Japan sowie der ebenfalls amerikanischen Unisys. Aber das reichte nicht, insbesondere haperte es mit der Präsenz in den Vereinigten Staaten. Acht Jahre nach der Gründung wurde das Unternehmen zerschlagen, die wichtige PC-Sparte ging später an Fujitsu, die Bankautomaten an die amerikanische Diebold.

Das Ende von Nixdorf war Teil eines Sturmes, der seit Jahrzehnten in der Informatikbranche tobt und mehrere europäische Unternehmen hinweggefegt hat. Die Paderborner litten in der zweiten Hälfte der achtziger Jahre unter den Wettbewerbsvorteilen, welche die Wechselkursentwicklung den Konkurrenten aus Amerika bescherte. Hinzu kam eine Nixdorf-Tradition, die der ehemalige Vorstandsvorsitzende Luft rückblickend so beschreibt: "Die vergleichsweise üppige Vorratshaltung aufgrund der Produktionsstrukturen erwies sich in einem hoch innovativen Markt und tendenziell sinkenden Preisen als große Hypothek." Große Fertigungspuffer statt "Just-in-time"-Produktion – das war in diesem schnelllebigen Markt brandgefährlich.

Wirtschaft ist ein lebender Organismus: Wachsen und Vergehen liegen nahe beieinander

Entscheidend waren jedoch zwei große Entwicklungsstränge. "In den achtziger Jahren entwickelten sich Hard- und Software zu getrennten Märkten mit unterschiedlichen Geschäftsmodellen", sagt Luft. Das Unternehmen hatte die Wucht dieser Entwicklung ebenso zu spät erkannt wie den Siegeszug der Personal Computer. Zu lange hallte in Paderborn das Diktum von Heinz Nixdorf nach: "Wir bauen keine Mopeds."

Nixdorfs Satz weist auf ein allgemeines Problem hin, das den Niedergang beschleunigte: die jahrelange, scheinbar gottgegebene Erfolgssträhne. In der Einschätzung von Lufts Vorstandskollegen Sven Kado gerietNixdorf in eine Falle. Zum Zeitpunkt des Todes des Gründers stand das Unternehmen so gut da, dass man glaubte, in derselben Weise weitermachen zu können, nur in größerem Maßstab.

Heute fällt Kado ein schonungsloses Urteil über die Unternehmenskultur, die er damals mitverantwortete: "Arroganz führt zu Ignoranz, und danach kommt nur noch wenig. In keinem Fall unternehmerischer Erfolg." Weltwirtschaftsforumsgründer Schwab pflichtet nicht in Worten, aber in der Sache bei. Technische Erfolge bieten Chancen für unternehmerische Erfolge, können aber auch die Auslöser für den Untergang sein, sagt er. Die Überzeugung "uns kann keiner was" sei ein Ruhekissen – und die vielleicht größte Gefahr.

Der Name Nixdorf lebt in den Geldausgabeautomaten des Konzerns Diebold Nixdorf weiter. Wirtschaft ist ein lebender Organismus, Wachsen und Vergehen liegen nahe beieinander. Was mit dem Modewort Disruption bezeichnet wird, hat selbst der langjährige Weltmarktführer IBM erfahren müssen. Ende des Jahres 2004 verkaufte der Computerriese seine PC-Sparte an das chinesische Unternehmen Lenovo.

Dessen Unternehmensgründer Liu Chuanzhi hatte erst nach der Kulturrevolution Ende der siebziger Jahre sein Studium der Informatik fortsetzen können. In diesen Tagen versucht sich IBM durch den sündhaft teuren Erwerb von Red Hat im Cloudcomputing-Geschäft fest zu verankern. Einen großen Umbruch erlebte auch Deutschland. Im November 1988, als der Problemfall Nixdorf nicht mehr zu leugnen war, ging das Softwarehaus SAP an die Börse. Heute ist es dort das bei weitem wertvollste Unternehmen Deutschlands.

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