https://www.faz.net/-gqe-9eh8j

Online-Bezahldienst : Nintendos neue Gelddruckmaschine

  • -Aktualisiert am

Nintendo will am Mittwoch seinen Online-Bezahldienst „Nintendo Switch Online“ starten. Viele Kunden sehen ihn skeptisch. Bild: dpa

Der japanische Videospielkonzern nimmt seinen Kunden für das Online-Spielen auf der Switch-Konsole ab Mittwoch Geld ab. Die Konkurrenten machen das bereits seit Jahren – ob Nintendo an ihren Erfolg heranreichen kann, ist aber fraglich.

          4 Min.

          Eine Runde im Rennspiel „Mario Kart 8 Deluxe“ gegen Gegner in aller Welt düsen, den Tennisschläger in „Mario Tennis Aces“ gegen reale Gegner schwingen oder andere Internet-Spieler im Arcade-Shooter „Splatoon 2“ mit bunter Farbe bespritzen. All das soll nach dem Plan des Videospielunternehmens Nintendo für Spieler der neuesten Konsole „Nintendo Switch“ ab Mittwoch Geld kosten.

          Denn der japanische Videospielkonzern will Mario, Luigi und Co. künftig hinter eine Bezahlschranke verbannen. Wer bestimmte Spiele auf Nintendos neuester Konsole online mit Freunden zocken will, muss in die Tasche greifen: 20 Euro pro Jahr und Spieler verlangt Nintendo ab diesem Mittwoch für diese Möglichkeit – die zuvor kostenlos war.

          Das treibt Nintendos Kunden auf die Barrikaden: Das Ankündigungsvideo zum Online-Bezahldienst erhielt auf Youtube fast 20.000 negative Bewertungen, in den Kommentaren machten die Nintendo-Kunden ihrem Ärger Luft: „Herzlichen Glückwunsch an jeden, der 300 Dollar für unsere neue Konsole ausgegeben hat. Sie können uns jetzt dafür bezahlen, Ihre eigene Internetverbindung zu nutzen“, schreibt ein Kommentator. Einige Spiele, die ausschließlich online laufen, wie der Shooter „Fortnite“ werden zwar auch weiterhin online kostenlos spielbar bleiben, der Großteil der Nintendo-Spiele wandert aber online hinter die Bezahlschranke.

          Goldgrube Online-Gebühren

          Warum also bringt Nintendo seine eigene Kundschaft mit dem Online-Bezahldienst so gegen sich auf? Die Antwort: Weil er eine Goldgrube wird. Mit dem Abonnement-Modell für das Online-Spielen schafft Nintendo eine wahre Gelddruckmaschine. Denn grundsätzlich verdienen Videospielfirmen nur an den Verkaufserlösen der von ihnen veröffentlichten Spiele – und tragen somit ein großes finanzielles Risiko: Wenn ihr neuester Spieleblockbuster floppt, bedeutet das oft hohe Verluste für Nintendo und Co.

          Deshalb kommt eine zusätzliche Geldquelle gelegen. Denn all diejenigen, die ihre Spiele mit Freunden zocken wollen, kommen um den Dienst nicht herum und spülen Monat für Monat dem Konzern frisches Geld in die Kasse. Wie viel Geld das sein könnte, lässt sich gut an den Konkurrenten Nintendos ablesen. Denn Microsoft und Sony haben bereits seit Jahren für ihre Konsolen X-Box One und Playstation 4 entsprechende Online-Bezahlmodelle eingerichtet – und verdienen mächtig.

          Nach Angaben des deutschen Verbands der Spielebranche, Game, wuchs der Umsatz mit Gebühren von Online-Netzwerken in Deutschland von 2016 auf 2017 um knapp 60 Prozent auf rund 180 Millionen Euro. Das entspricht fast 20 Prozent des Gesamtumsatzes mit Videospielen in Deutschland. In Zukunft wird der Umsatz wohl noch weiter ansteigen. Durch die Online-Gebühr ist ein komplett neuer Markt für Videospiel-Unternehmen entstanden.

          Wirtschaftlich gesehen ist es also kein Wunder, dass nun auch Nintendo etwas von diesem Geldsegen abbekommen möchte. Doch bieten die Konkurrenten mit ihrem Online-Service deutlich mehr Zusatzinhalte an, als Nintendo bisher angekündigt hat: Sowohl Microsoft als auch Sony stellen ihren Kunden alle paar Wochen ein mehr oder weniger aktuelles Spiel kostenlos zur Verfügung, das nach zwei Wochen gegen ein neues Spiel getauscht wird. So können Nutzer im Jahr 26 Spieletitel ausprobieren.

          Weitere Themen

          Black Box

          Microsoft Xbox Series X : Black Box

          Die neue Spielekonsole von Microsoft wiegt stolze viereinhalb Kilo. Mit ihrem schlichten Design kommt sie gegen den Rivalen aus dem Hause Sony wohl nicht an. Was leistet die Xbox Series X?

          Mehr Sonderzüge für Weihnachten

          Schutz vor Corona : Mehr Sonderzüge für Weihnachten

          Die Bahn rechnet in diesem Jahr mit 60 Prozent weniger Reisenden an Weihnachten als in normalen Jahren. Trotzdem sollen über die Feiertage zusätzliche Sonderzüge fahren.

          Topmeldungen

          Krise der Nationalelf : Löw und der heiße Brei

          Der Fußball-Nationalelf fehlt nicht die Feinarbeit, sondern ein Fundament. Doch an Kernfragen traut sich der Bundestrainer nicht heran – oder er findet die Antworten nicht.
          Die fragliche Außenstelle des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (Bamf) in Bremen

          Anklage wegen Asylbescheiden : Was vom Bamf-Skandal übrig blieb

          Vor zweieinhalb Jahren sorgte die Bremer Asylbehörde für Aufregung: Dort sollen positive Bescheide ohne korrekte Prüfung bewilligt worden sein. Doch strafrechtlich ist von den Vorwürfen wenig übrig geblieben.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.