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Elektromobilität : Dieser Visionär ist der wahre Tesla

Der echte Erfinder Tesla ist in Vergessenheit geraten. Dabei hat er den Wechselstrommotor erfunden. Er starb arm, einer seiner Finanziers sank mit der Titanic. Heute wäre Nikola Tesla stolz auf sein Auto im All.

          5 Min.

          Ein Auto, das seinen Namen trägt, fliegt jetzt für Millionen Jahre durchs All. Es hätte ihm gefallen. Denn schon zu Lebzeiten war der Erfinder Nikola Tesla für besondere Ideen zu haben. Manche von ihnen erschienen damals, in den Jahren zwischen dem 19. und dem 20. Jahrhundert, verrückt. Andere waren genial. Tesla begegnete den wichtigsten Erfindern seiner Zeit; er zählte selbst zu ihnen, seine Arbeiten wurden gar von einem der Vorfahren des heutigen amerikanischen Präsidenten Donald Trump von Staats wegen begutachtet. Er experimentierte mit Gasentladungslampen, entwickelte den Tesla-Transformator zur Erzeugung von hochfrequentem Wechselstrom, ersann den ersten Radiosender, das Radar und die erste Fernsteuerung. Er wollte mit Hochfrequenzströmen die Atmosphäre zum Leuchten bringen. Fachleute sagen, dass man den Einfluss Teslas bis heute in Geräten sehen könne – von „intelligenten“ Lautsprechern wie Amazons Echo bis zu Raketenabschussdrohnen.

          Carsten Knop

          Chefredakteur digitale Produkte.

          Finanziert wurde er von schillernden und bis heute weltberühmten Milliardären wie John Pierpont Morgan und John Jacob Astor IV, der später mit der Titanic untergehen sollte. Tesla selbst konnte mit Geld nicht umgehen. Für das Unternehmen, das mit Elektroautos die Welt erobern will und dabei riesige Verluste auftürmt, hätte es deshalb keinen besseren Namensgeber geben können. Tesla, das heißt: Grandios scheitern, oder aber mehr als nur die Welt erobern. Das gilt für den amerikanischen Hersteller von Elektroautos, der von dem höchst selbstbewussten Milliardär Elon Musk geführt wird. Und das galt gleichermaßen für Nikola Tesla, der viele ganz phantastische Ideen hatte, nicht aber den Geschäftssinn seiner Zeitgenossen Thomas Alva Edison oder George Westinghouse. 

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          Deshalb ist der echte Tesla in der breiten Öffentlichkeit in Vergessenheit geraten – obwohl in der Physik sogar die Maßeinheit der magnetischen Flussdichte nach ihm benannt ist. Auch das weiß kaum jemand. In seiner Zeit hingegen war Nikola Tesla bekannt. Ein Bild von ihm war 1931 immerhin auf dem Titel des „Time“-Magazins zu finden. Doch vor fast genau 75 Jahren, im Januar 1943, ist der im heutigen Kroatien geborene Tesla verarmt in New York gestorben. Tesla brauchte zur Umsetzung seiner Ideen stets viel Geld. Auch sein Lebensstil war eher aufwendig, seine Hotelrechnung im Waldorf Astoria in New York hoch. Seine prominenten Geldgeber waren nicht immer geduldig. Mit Elon Musk und seinem Unternehmen Tesla sind sie es heute. 

          Zwischen Ehrgeiz und Größenwahn

          Gerade erst hat Tesla abermals einen stattlichen Verlust gemacht. Die Schwierigkeiten in der Produktion des neuen „Model 3“ sind nicht gelöst. Weitere Verzögerungen sind nicht auszuschließen. Musk ficht das nicht an: „Wenn wir einen Roadster zum Asteroidengürtel schicken können, können wir wahrscheinlich auch die Produktion des Model 3 lösen“, sagte er nur – und ein solcher Spruch hätte im Zweifel auch von Nikola Tesla kommen können. Tesla wird derzeit an der Börse mit rund 58 Milliarden Dollar bewertet und lässt damit manche deutlich größeren Autohersteller wie Ford hinter sich. Für den Namensgeber wäre das eine wahre Genugtuung. Auch Musks Ehrgeiz hätte zu ihm gepasst. Denn der geht davon aus, dass Tesla das Potential hat, in zehn Jahren eine Billion Dollar wert zu sein. Das Unternehmen wurde dabei gar nicht von Musk, sondern von den Unternehmensgründern Martin Eberhard und Marc Tarpenning nach Nikola Tesla benannt. Nach seinem Einstieg wurden Eberhard und Tarpenning von Musk schnell vor die Tür komplimentiert, was ganz ausgezeichnet zu den faszinierenden Abgründen passt, die sich um Unternehmen, Gründer und Namensgeber auftun. 

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