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Car- und Bikesharing in Paris : Rien ne va plus

Ein Elektroauto des Carsharing-Angebots Autolib steht am Straßenrand in Paris und tankt Strom. Bild: dpa

Digitale Leihangebote von Autos und Fahrrädern sollten den Pariser Stadtverkehr grüner machen. Nun geht nichts mehr.

          2 Min.

          Im Pariser Straßenverkehr waren sie vor allem als kleine Blechkisten aufgefallen. Die elektrischen „Blue Cars“ des französischen Unternehmers Vincent Bolloré, die in Wirklichkeit mattgrau sind, sollten in der Seine-Metropole die Verstopfung auf den Straßen und die Verschmutzung in der Luft mildern helfen.

          Christian Schubert
          Wirtschaftskorrespondent für Italien und Griechenland.

          2011 weihte der damalige sozialistische Bürgermeister Bertrand Delanoë das öffentliche Leihwagen-System namens „Autolib“ ein. Das Versprechen: Es werde eine „Revolution“ für die Lebensqualität der Pariser darstellen. Seine Nachfolgerin Anne Hidalgo hat nun den Stecker gezogen und dem Betreiber Bolloré den Vertrag gekündigt, denn er ist heillos überschuldet. Das Defizit wird bis zum Vertragsende im Jahr 2023 auf fast 293 Millionen Euro geschätzt.

          Laut Vertrag soll Bolloré 60 Millionen übernehmen, weshalb er nun einen Ausgleich von 233 Millionen Euro fordert. Kommt nicht in Frage, antwortete die Bürgermeisterin und bekam am Donnerstag dafür die Unterstützung einer Mehrheit der rund 100 Umlandkommunen, die mit ihr das Autolib-System eingeführt hatten. Die Streitparteien dürften sich bald vor Gericht wiedersehen.

          Eigentlich mögen die Pariser die Leihautos

          „Wir werden viel Geld bekommen“, gab sich Gilles Allix, Generaldirektor der Bolloré-Gruppe, siegessicher. Die Stadtverwaltung behauptet das Gegenteil und sucht einen neuen Betreiber. Den wird sie zum Leidwesen der Pariser nicht schnell finden können. Die 4000 Elektroautos, die einfach zu mieten waren und an 1100 Ladestationen am Straßenrand ihren Strom zapften, waren den Hauptstädtern anfangs ans Herz gewachsen.

          Ein Foto aus besseren Zeiten: Vincent Bolloré posiert im Jahr 2012 mit einem seiner Autolib-Wagen vor dem Eiffelturm.
          Ein Foto aus besseren Zeiten: Vincent Bolloré posiert im Jahr 2012 mit einem seiner Autolib-Wagen vor dem Eiffelturm. : Bild: AFP

          Doch mit der Zeit nahmen die Klagen zu: Im Inneren seien die Autos verschmutzt, etliche wurden Opfer von Vandalismus, und technische Pannen legten die Fahrzeuge immer wieder lahm, etwa wenn es regnete. Die Zahl der Abonnenten, zuletzt 154.000, ging zurück, zumal auch die Alternativen zunahmen.

          Durch eine Lockerung der Taxi-Regulierung sind heute mehr billigere Anbieter unterwegs, die keine klassischen Taxis sind, außerdem sind andere Leihangebote für Autos oder auch Motorroller entstanden. Bolloré verhandelte mit der Stadt, ob seine Autos etwa die Busspuren benutzen dürfen, doch er lief nach eigenen Angaben gegen eine Wand.

          Trotz der Kritik an Autolib sind viele Pariser über die Einstellung enttäuscht. 23 000 klickten im Internet eine Petition für die Weiterführung an. Der Stadtverwaltung werden schwere Vorwürfe gemacht, weil sie auf die finanziellen Engpässe und die Qualitätsverschlechterung nicht rasch genug reagiert habe.

          Auch das Fahrrad-Leihsystem steht vor dem Zusammenbruch

          Die Bürgermeisterin steht schon unter Druck, weil ein anderes öffentliches Leihsystem in der Krise steckt: Das Fahrradsystem Vélib, das einstige Vorbild von Autolib. Die Stadt wechselte im vergangenen Jahr nach einer Ausschreibung den Betreiber. Dies wurde zum Desaster, weil sich die Umrüstung aufgrund technischer Pannen und Streiks stark verspätete.

          Zwischen Oktober 2017 und März 2018 sollten alle 1200 Stationen umgebaut sein, doch heute fehlen immer noch 550. In den vergangenen Wochen wurden nur zwischen 5000 und 20 000 Vélib-Fahrten je Tag gezählt – beim Vorgänger waren es durchschnittlich mehr als 100 000 je Tag.

          Der Ausfall der Leihsysteme ist für Bürgermeisterin Hidalgo eine schwere Hypothek, denn sie hatte sich den grünen Stadtverkehr auf die Fahnen geschrieben. Politische Rivalen stehen schon in den Startlöchern, um im Jahr 2020 gegen sie anzutreten.

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