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Lange Lieferzeiten : Nicht alle Onlinehändler profitieren von der Corona-Krise

Schlingert in der Corona-Krise: Onlinehandelsriese Amazon Bild: Reuters

Wenn alle zu Hause sitzen und mit der Außenwelt nur noch über das Internet in Kontakt stehen, schlägt die Stunde der Internetplattformen, könnte man meinen. Doch die Realität ist nicht so einfach.

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          Wer dieser Tage auf Homeoffice umstellen muss und realisiert, dass ihm dafür noch ein Netzwerkkabel, ein Drucker oder ein Adapter fehlt, dem bleibt nur die Bestellung im Internet. Denn wie alle anderen Nicht-Lebensmittel-Geschäfte in Deutschland haben Elektronikmärkte seit mehr als einer Woche geschlossen.

          Bastian Benrath
          Redakteur in der Wirtschaft.
          Roland Lindner
          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          „Wir registrieren in unseren Online-Shops eine verstärkte Nachfrage nach Artikeln für das Homeoffice. Dabei handelt es sich um Notebooks, Bildschirme, Kabel und Drucker“, sagt ein Sprecher der Elekronikmärkte Media Markt und Saturn. Ceconomy, der Mutterkonzern der beiden Ketten, versucht, über seine Online-Kanäle den Umsatzverlust der geschlossenen Märkte zu kompensieren – was ihm angesichts seiner zusätzlichen Personal- und Mietkosten kaum gelingen wird. Die reinen Online-Händler, die ihr Geschäftsmodell nur auf Versandhandel ausgerichtet haben, dürfte die Situation hingegen freuen – sollte man meinen. Doch die Realität ist nicht so einfach.

          Ein Beispiel dafür liefert ausgerechnet der Onlinehandelsriese Amazon, der sonst meist für seinen großen Maßstab bekannt ist. Weil mehr Menschen online einkaufen, sind dort zur Zeit einige stark nachgefragte Produkte nicht vorrätig. Darunter sind zum Beispiel Haushalts- und Körperpflegeprodukte, Lebensmittel, Babyartikel und Haustierbedarf.

          Deshalb zieht Amazon diese Warengruppen noch bis zum 5. April im Wareneingang vor. „Dadurch können wir diese Produkte schneller annehmen, auffüllen und an Kunden versenden“, sagt ein Sprecher. Die Kehrseite dessen ist, dass alle Produkte, die nicht zu diesen stark nachgefragten Kategorien gehören, teils wesentlich langsamer geliefert werden.

          Elektronik und Bücher kommen erst Ende April

          Das trifft unter anderem die eingangs erwähnten Elektronikartikel fürs Homeoffice. Ein Adapter für einen Laptop beispielsweise, der sonst in Amazons Premium-Programm Prime innerhalb von zwei Tagen angekommen wäre, sollte selbst unter den Vorzugskonditionen erst Ende April geliefert werden, wie ein Betroffener der F.A.Z. berichtet. Das hätte eine Lieferzeit von mehr als fünf Wochen ergeben. Der Betroffene hat die Bestellung storniert.

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          Auch in den Vereinigten Staaten beschert die Corona-Krise Amazon einerseits eine gewaltige Nachfrage, sie ist für ihn aber auch eine immense logistische Herausforderung. Obwohl der Konzern über ein riesiges Netz an Logistikzentren verfügt, kommt er mit der Belieferung kaum nach. Für viele Bücher verspricht Amazon im Moment zum Beispiel erst eine Lieferung am 22. April.

          Es ist unklar, ob der Engpass bei Amazon nur bis zum 5. April, wenn das Vorziehen der besonders nachgefragten Warengruppen offiziell enden soll, oder noch länger andauern wird. Das Unternehmen versucht jedenfalls, zumindest seine personellen Kapazitäten aufzustocken, um mit der Nachfrage Schritt halten zu können. In der vergangenen Woche kündigte es an, 100.000 neue Stellen in den Vereinigten Staaten zu schaffen, insbesondere in seinen Distributionszentren und bei seinen Lieferdiensten. Außerdem sollen die Mindestlöhne in Amerika und auch in einigen europäischen Ländern angehoben werden.

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