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New York : Netflix am Broadway

„The Irishman“ hatte am 24. Oktober Premiere. Bald wird der Kinofilm auch auf Netflix zu sehen sein. Bild: AP

Der Videodienst hat immer mehr neue Konkurrenten wie Apple und Disney. Er setzt zunehmend auf prestigeträchtige Filme, um sich vom Wettbewerb abzuheben. Und zeigt sie in besonderen Theatern.

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          Am vergangenen Freitag hat Apple seinen Frontalangriff auf Netflix offiziell gestartet. Der Elektronikkonzern machte seine Videoplattform „Apple TV+“ verfügbar, das jüngste aus einer wachsenden Zahl von Dienstleistungsangeboten, zu denen auch Apple Music oder Apple Pay gehören.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Ähnlich wie es Netflix und andere Wettbewerber wie Amazons „Prime Video“ tun, hat auch Apple exklusive Inhalte für seinen neuen Dienst produzieren lassen. Anders als diese Wettbewerber konzentriert sich Apple sogar vollständig darauf und hat zumindest vorerst keine Bibliothek von älteren Fernsehshows und Filmen anderer Hollywood-Studios. Dafür lockt das Unternehmen, das sich sonst nicht gerade als Billiganbieter versteht, mit einem vergleichsweise niedrigen Preis. Apple TV+ kostet 4,99 Euro im Monat. Das Standard-Abonnement von Netflix liegt bei 11,99 Euro.

          Scorsese-Produktion

          Der Freitag war aber auch für Netflix ein wichtiges Datum. Das Unternehmen brachte den Gangster-Film „The Irishman“ heraus, eine seiner bislang aufwendigsten und prestigeträchtigsten Produktionen. Es ist das jüngste Werk des Regisseurs Martin Scorsese und soll mehr als 150 Millionen Dollar gekostet haben. Es ist aber nicht sofort für Netflix-Abonnenten abrufbar, das wird erst vom 27. November möglich sein.

          In der Zwischenzeit gibt es „The Irishman“ im Kino zu sehen wie traditionelle Filme auch. Und dafür hat sich Netflix einige besondere Orte ausgewählt. In New York wird der Film unter anderem im Belasco Theatre zu sein, einem mehr als 100 Jahre alten Broadway-Theater mit rund 1.000 Sitzen, in dem sonst Musicals und Theaterstücke aufgeführt werden. In dem Haus war noch nie ein Kinofilm zu sehen.

          Und „The Irishman“ ist nicht der einzige Titel, für den Netflix eine traditionsreiche Ausstrahlungsstätte gewählt hat. Der Beziehungsfilm „Marriage Story“ mit Scarlett Johansson und Adam Driver wird von diesem Mittwoch an im Paris Theatre gezeigt, einer am Central Park gelegenen Institution in der New Yorker Kinoszene, die bis vor kurzem noch dem Untergang geweiht schien.

          Das Paris ist das letzte verbliebene Kino in der Metropole mit einer einzigen Leinwand. Es wurde 1948 in Anwesenheit von Marlene Dietrich eröffnet und zeigte vor allem Prestigefilme. Zum Schock vieler New Yorker schloss es im August dieses Jahres, nachdem sein Mietvertrag nicht verlängert wurde. Netflix haucht dem Paris nun neues Leben ein, und das womöglich nicht nur vorübergehend. Wie die „New York Times“ schreibt, versucht das Unternehmen, einen langjährigen Mietvertrag für das Haus auszuhandeln, um dort seine Produktionen zu zeigen.

          Eigene Inhalte auf Netflix

          Netflix hat vor einigen Jahren damit angefangen, seinen Dienst neben Fremdinhalten auch mit eigenen und exklusiven Titeln zu bestücken. Das waren zunächst vor allem Fernsehshows wie „House of Cards“. Zunehmend bringt das Unternehmen aber auch eigene Filme heraus, und das hat reichlich Konfliktpotential geschaffen, vor allem mit den Betreibern von Kinos.

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