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Kritik an Google-Dienst : Neuer Werbeboykott auf Youtube

Wichtige Werbekunden ziehen sich abermals von Youtube zurück. Bild: dpa

Ein Blogger klagt, die Videoplattform unternehme zu wenig gegen Pädophile. Dabei sind die Videos selbst nicht das größte Problem.

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          Die zum Internetkonzern Google gehörende Videoseite Youtube sieht sich abermals einem Boykott von Anzeigenkunden gegenüber. Unternehmen wie der Lebensmittelhersteller Nestlé oder der Videospielespezialist Epic Games („Fortnite“) schalten vorläufig keine Werbung auf Youtube mehr und reagieren damit auf Vorwürfe, die Seite habe einem „Softcore-Pädophilenring“ das Handwerk erleichtert.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Diese Anschuldigungen machte der Blogger Matt Watson in einem Eintrag auf der Online-Plattform Reddit sowie in einem Youtube-Video, das mittlerweile fast zwei Millionen mal angesehen worden ist. Watson wies darauf hin, dass neben Youtube-Videos mit Kindern oft sexualisierte Kommentare auftauchen.

          Die Videos an sich scheinen oft auf den ersten Blick harmlos und zeigen zum Beispiel junge Mädchen bei Gymnastikübungen. Aber in den Kommentarbereichen wurden schlüpfrige Bemerkungen gemacht. Beispielsweise wurde gefragt, ob die Mädchen Unterwäsche tragen, und es wurden zweideutige Emoji hinterlassen. Oft wurden auch genaue Zeitpunkte in den Videos identifiziert, die als sexuell aufreizend interpretiert werden könnten, also zum Beispiel wenn nackte Beine von Mädchen zu sehen waren.

          Wie Blogger Matt Watson weiter sagte, empfiehlt der Algorithmus von Youtube Nutzern, die solche Videos ansehen, vergleichbare Inhalte auf der Seite. Die Plattform helfe Pädophilen zudem, miteinander Kontakt aufzunehmen und in den Kommentarbereichen Links zu Kinderpornographie zu hinterlassen.

          Youtube teilte mit, auf die Hinweise auf fragwürdige Inhalte umgehend reagiert zu haben. So seien Tausende von Kommentaren gelöscht worden, und in vielen Videos sei die Kommentarfunktion deaktiviert worden. Illegale Kommentare seien den Behörden gemeldet worden. Youtube habe zudem eine Reihe von Konten ganz deaktiviert.

          Viele der fragwürdigen Videos waren mit Anzeigen versehen, nach Angaben von Youtube lagen die damit verbundenen Einnahmen aber bei weniger als 8000 Dollar. Der Boykott einiger Anzeigenkunden hat das Unternehmen aber offenbar alarmiert. Nach einem Bericht des „Wall Street Journal“ organisierte Google am Mittwoch eine Telefonkonferenz mit Werbekunden. Dabei seien neue Restriktionen für Youtube in Aussicht gestellt worden.

          Google sah sich vor rund zwei Jahren schon einmal einem größeren Werbeboykott gegenüber. Dazu kam es, nachdem Anzeigen neben antisemitischen und anderen extremistischen Inhalten aufgetaucht waren. Der Boykott war aber offenbar nur vorübergehend, und Google hat gesagt, er habe im Geschäft von Youtube keine größeren Spuren hinterlassen.

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