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Amerika gegen China : Neue Sanktionen könnten Huawei „tödlichen Schlag versetzen“

Was wird aus Huawei? Bild: AFP

Washington erhöht den Druck auf Chinas wichtigsten internationalen Tech-Konzern: Die amerikanische Regierung will mit einer neuen Regelung Huawei den Zugang zu jeglichen Chips aus internationaler Produktion kappen. Wann reagiert Peking?

  • Aktualisiert am
          3 Min.

          Die amerikanische Regierung verschärft die Sanktionen gegen Huawei, um dem chinesischen Konzern den Zugang zu jeglichen Chips aus internationaler Produktion zu kappen. Mit der am Montag bekanntgegebenen Regelung dürfen an Huawei grundsätzlich keine Chips mehr geliefert werden, die mit Hilfe amerikanischer Software entworfen oder mit amerikanischer Technik gefertigt wurden. Damit sind nun auch Produkte europäischer Halbleiter-Unternehmen wie NXP oder STMicroelectronics betroffen, wie ein ranghoher amerikanischer Regierungsbeamter betonte.

          Infolge einer vorherigen Verschärfung der Sanktionen im Mai galt die Regelung zunächst nur für von Huawei entwickelte Chips, die der Konzern bei Herstellern in Auftrag gibt. Jetzt wurde das Verbot auch auf eigene Produkte der Chipfirmen erweitert.

          „Dieser Schritt ist der jüngste und möglicherweise ernsthafteste Versuch der amerikanischen Regierung, dem Unternehmen die Möglichkeit zu nehmen, fortschrittliche Halbleiter für alle seine Geschäftsbereiche zu beschaffen“, heißt es in einer Einschätzung des Analyseunternehmens Eurasia Group: „Ein Worst-Case-Szenario, das immer wahrscheinlicher erscheint, könnte darauf hinauslaufen, dass Huawei fast gänzlich von der Versorgung mit Halbleitern abgeschnitten wird, was dem wichtigsten globalen Technologieunternehmen Chinas einen tödlichen Schlag versetzen würde.“

          Pompeo: „Diese Zeit ist jetzt abgelaufen“

          Die neue amerikanischen Maßnahmen „gefährden erheblich Huaweis Fähigkeit, weiterhin Smartphones und Basisstationen, die dessen Kernprodukte sind, herzustellen“, äußerte auch Dan Wang vom Analysehaus Gavekal Dragonomics gegenüber dem Sender CNBC.

          Fachleute halten nun für gut möglich, dass die chinesische Regierung in Reaktion darauf tatsächlich gegen das Geschäft amerikanischer Unternehmen in Fernost vorgeht. Bislang beließen es die Machthaber in Peking dabei, das amerikanische Vorgehen vor allem mit Worten zu verurteilen – erließen aber keine Beschränkungen etwa für den Handy-Hersteller Apple, für den China ein wichtiger Absatzmarkt ist.

          Kritik an der neuen Regelung äußerte derweil auch der Lobbyverband der amerikanischen Chip-Industrie. „Wir sind immer noch dabei, die Regel zu überprüfen, aber diese weitreichenden Beschränkungen für den Verkauf kommerzieller Chips werden erhebliche Störungen in der amerikanischen Halbleiterindustrie mit sich bringen“, sagte John Neuffer, Präsident der Semiconductor Industry Association: „Wir sind überrascht und besorgt über die plötzliche Abkehr der Regierung von ihrer früheren Unterstützung eines engeren Ansatzes, mit dem erklärte nationale Sicherheitsziele erreicht und gleichzeitig der Schaden für amerikanische Unternehmen begrenzt werden sollen.“

          Der Verband sei weiterhin der Auffassung, dass der Verkauf „nicht-sensibler, kommerzieller Produkte nach China die Halbleiterforschung und -innovation hier in den Vereinigten Staaten vorantreibt“. Dies sei für die wirtschaftliche Stärke und die nationale Sicherheit Amerikas „von entscheidender Bedeutung“.

          Trump: „Ich nenne sie Spy-wei“

          Huawei wiederum entwickelt selbst Prozessoren für seine Smartphones sowie Modem-Chips für die Verbindung zum Mobilfunk-Netz. Allerdings enthalten die Handys auch eine Vielzahl anderer Halbleiter wie diverse Sensoren oder NFC-Funkchips von NXP. Dabei werden in der Branche auf breiter Front Maschinen und Software aus den Vereinigten Staaten eingesetzt.

          Schon im Mai 2019 eingeführte und schrittweise verschärfte Sanktionen sehen vor, dass amerikanische Unternehmen Geschäftsbeziehungen mit Huawei nur mit einer speziellen Erlaubnis Washingtons unterhalten dürfen. Ein Regierungsbeamter machte am Montag unter Hinweis auf gesetzliche Vorgaben keine Angaben dazu, ob irgendwelchen Unternehmen schon eine solche Erlaubnis gewährt worden sei.

          Zugleich setzte die Regierung in Washington weitere Firmen aus dem Umfeld von Huawei auf eine schwarze Liste. Unter den 38 am Montag genannten Unternehmen sind Huawei Technologies Düsseldorf, Huawei Cloud Berlin und Huawei OpenLab München. Damit sind jetzt gut 150 Huawei-Unternehmungen von den Sanktionen betroffen. Die amerikanische Regierung befürchtet, dass Huawei sich über sein Firmen-Netzwerk über Umwege Zugriff auf amerikanische Technik verschaffen kann.

          Das Geschäft von Huawei wird schon von den Sanktionen beeinträchtigt. Da das Unternehmen neue Smartphone-Modelle nicht mehr mit vorinstallierten Google-Diensten ausliefern kann, leiden die Verkäufe außerhalb Chinas. Durch die starke Position im Heimatland wurde Huawei im vergangenen Quartal dennoch zur weltweiten Nummer eins in einem geschrumpften Smartphone-Markt.

          Zudem ließ das amerikanische Handelsministerium am Montag die Ausnahmeregelung auslaufen, die Huawei die Versorgung amerikanischer Mobilfunk-Anbieter erlaubte. Jetzt ist dem chinesischen Unternehmen nur noch erlaubt, für die Sicherheit bestehender Netzwerke zu sorgen. Bisher war auch die allgemeine Wartung der Netztechnik zugelassen.

          Die Vereinigten Staaten hätten Huaweis Kunden genug Zeit gegeben, sich umstellen, erklärte Außenminister Mike Pompeo. „Diese Zeit ist jetzt abgelaufen.“ In den Vereinigten Staaten hatten vor allem lokale Mobilfunk-Anbieter günstigere Huawei-Technik in ihre Netze gepackt.

          Präsident Donald Trump bekräftigte die Vorwürfe gegen Huawei am Montag. „Wir wollen ihre Ausrüstung in den Vereinigten Staaten nicht, weil sie uns ausspionieren“, sagte Trump im Sender Fox News. „Ich nenne sie Spy-wei.“ Der Konzern hat die Vorwürfe stets zurückgewiesen.

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