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Neue Kliniken für Zocker : Großbritanniens Kampf gegen die Spielsucht

Zocker auf der Gamescom in Köln Bild: Reuters

In London wird das erste staatliche Gesundheitszentrum eröffnet, das sich auf die Therapie von Online-Spielesüchtigen spezialisiert. Der Direktor der Behörde macht den Spieleanbietern unterdessen schwere Vorwürfe.

          4 Min.

          Mit einem ungewöhnlich deutlichen Angriff hat der staatliche britische Gesundheitsdienst NHS kommerzielle Internet-Spieleanbieter ins Visier genommen. Die Unternehmen „machen Kasse“, während immer jugendlichere Nutzer in eine Sucht abrutschten, kritisiert Simon Stevens, der Direktor des National Health Service. Das staatliche Gesundheitswesen müsse dann jene auffangen, deren Leben ruiniert würden, sagte Stevens der Zeitung „Daily Telegraph“. Schon früher hat Stevens gefordert, dass die Anbieter der Spiele und Social-Media-Plattformen eine Abgabe oder Steuer namens „Mental Health Levy“ entrichten sollten, um die sozialen Kosten exzessiver Onlineaktivitäten zu finanzieren. „Die Spiele- und Internet-Firmen haben eine Verantwortung für ihre Nutzer wie für ihre Aktionäre und sollten alles unternehmen, obsessives oder schädliches Verhalten zu verhindern statt noch damit Kasse zu machen“, sagte Stevens.

          Philip Plickert
          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Nächsten Monat wird in London das erste NHS-Zentrum eröffnet, das auf die Therapie von Online-Spielesüchtigen spezialisiert ist. In dem Centre for Internet and Gaming Disorders sollen vor allem junge Spieler im Alter zwischen 13 und 25 Jahren behandelt werden, die Verhaltensstörungen aufwiesen, welche mit exzessivem Onlinespielen oder Social-Media-Nutzung zusammenhängen. Die Behandlung und Beratung wird sowohl persönlich vor Ort als auch per Skype-Videogespräch möglich sein. Zudem werden vierzehn kleinere Kliniken Behandlungen von Spielsucht im ganzen Land anbieten. Fachleute berichten von Fällen, in denen junge Leute bis zu zwölf Stunden oder mehr am Tag oder in der Nacht mit Computerspielen zubringen und sozial isoliert seien. NHS-Direktor Stevens erinnerte daran, dass einige Länder wie Südkorea inzwischen für Nutzer unter 16 Jahren ein Verbot von Onlinespielen nach Mitternacht erlassen haben, um die Jugendlichen zu schützen. In Asien ist intensives Onlinespielen besonders stark verbreitet.

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