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IT-Hürden für Unternehmen : Fast alle wollen in die Cloud

Ein Server in Frankfurt am Main. Bild: Patrick Junker

Nur eines von 20 Unternehmen will mit seiner IT künftig nicht auf Cloud-Dienste setzen. Gleichzeitig nehmen aber die Probleme zu: Die Sicherheit ist dabei nicht einmal die größte Sorge.

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          Die IT-Welt denkt nur noch in Wolken. Das eigene Geschäft nicht mehr nur im eigenen Unternehmensnetzwerk zu verwalten, sondern über einen Internetdienst von überall darauf zugreifen zu können, erhöht die Flexibilität und hat sich deshalb als Wachstumstreiber erwiesen. Gerade während des Corona-Lockdowns profitierten – angesichts der sprunghaften Zunahme der Arbeit von Zuhause – die Unternehmen, die frühzeitig auf Cloud-Dienste umgestellt hatten.

          Bastian Benrath

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Inzwischen setzen mehr als drei Viertel der Unternehmen mit mehr als 20 Mitarbeitern in Deutschland cloudbasierte Software ein, wie aus dem diesjährigen „Cloud-Monitor“ der Wirtschaftsprüfung KPMG und des Digitalwirtschaftsverbands Bitkom hervorgeht, der der F.A.Z. vorab vorlag. Weitere 19 Prozent planen oder diskutieren den Cloud-Einsatz, nur 6 Prozent wollen auch künftig auf die Cloud verzichten. Die Datenwolke ist zu einem Massenprodukt geworden.

          „Die steigenden Zahlen derjenigen, die einen Cloud-Einsatz planen oder diskutieren, zeigen, dass die präsente Frage nicht mehr die ist, ob man Cloud-Dienste nutzen sollte, sondern wie“, sagt Peter Heidkamp, der als KPMG-Chefanalyst für Technologie die Studie betreut hat. Der einmal im Jahr erscheinende Cloud-Monitor ist eine der umfassendsten Befragungsstudien über die Cloud-Nutzung in Deutschland, für die diesjährige Ausgabe wurden die IT-Verantwortlichen oder Geschäftsführer von 555 repräsentativ ausgewählten deutschen Unternehmen befragt.

          Hürden auf dem Weg in die Cloud

          Mit der zunehmenden Verbreitung der Cloud-Technologie wurden in den vergangenen Jahren auch immer mehr unternehmensinterne und gesetzliche Regeln für ihre Nutzung eingeführt. Darunter fallen etwa die europäische Datenschutzgrundverordnung, aber auch zahlreiche Regularien etwa dazu, in welchem Land die Rechenzentren stehen müssen, in die Konzerne ihre Daten laden.

          Diese zusätzlichen Regeln führen inzwischen zu zunehmenden Schwierigkeiten bei der Umstellung auf Cloud-Computing. 41 Prozent der Unternehmen berichten von Problemen bei der Erfüllung ihrer Compliance-Vorgaben, wenn sie einen Cloud-Dienst in Betrieb nehmen wollen. Diese Problemquelle hat inzwischen Sicherheitsbedenken, die 38 Prozent als bremsend nennen, als größte Hürde auf dem Weg in die Cloud überholt.

          „Je mehr Unternehmen konkrete Wege in die Cloud beschreiben, desto klarer werden die offenen Fragen zu Compliance und Security“, sagt Heitkamp. „Hier sind konkrete Lösungen im europäischen regulatorischen Kontext gefragt.“ Auf der Sorgenliste der Unternehmen folgen hinter diesen beiden Hauptproblemen Schwierigkeiten beim Verknüpfen von Cloud-Diensten mit der bestehenden IT-Infrastruktur und die schwierige Suche nach IT-Fachkräften. Aber: Mehr als ein Drittel der befragten Unternehmen berichten auch von gar keinen Problemen bei der Umstellung auf Cloud-Software.

          Speziell bei der Bewältigung von Compliance-Problemen könnte zudem die kommende europäische Cloud-Infrastruktur Gaia-X helfen, die europäische Standards in Sachen Transparenz, Datenschutz und Kompatibilität verschiedener Anbieter festschreiben soll. Die beteiligten Unternehmen wollen bis Ende des Jahres ein europäisches Infrastruktur-Produkt auf den Markt bringen.

          Dass Sicherheitsbedenken bei der Cloud-Nutzung zumindest ein wenig in den Hintergrund rücken, könnte damit zusammenhängen, dass unternehmenseigene IT-Anwendungen häufig nicht sicherer, sondern eher unsicherer sind als Cloud-Programme. Das zeigt die Studie auch: 28 Prozent der befragten Unternehmen meldeten im zurückliegenden Jahr mindestens einen Sicherheitsvorfall in ihren eigenen Computersystemen. Von den Unternehmen, die Public-Cloud-Anwendungen nutzen, meldeten dort hingegen nur 22 Prozent einen Sicherheitsvorfall.

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