https://www.faz.net/-gqe-9qs4i

Nach Instagram-Tests : Auch auf Facebook könnten die Likes bald verschwinden

Sie hat es zuerst gemerkt: Social-Media-Analystin Jane Manchun Wong Bild: Twitter/wongjane

Weniger Wettbewerb zwischen den Nutzern, mehr Fokus auf die Inhalte – so begründet Instagram seine Tests, die Anzahl der Likes zu verstecken. Bisher sind die offenbar erfolgreich verlaufen, denn nun gibt es auch einen Facebook-Prototypen.

          2 Min.

          Der Facebook-Konzern hat den Likes den Kampf angesagt: In sieben Ländern können Nutzer in einem Pilotversuch auf Instagram nicht mehr sehen, wie viele Likes die Posts anderer Leute erhalten haben. Nun weitet der Konzern dieses Vorgehen aus. Wie er der Webseite Techcrunch bestätigte, hat er einen Prototypen für die Plattform Facebook entwickelt, in dem die Likes nicht mehr angezeigt werden. Noch wird der Test den Nutzern jedoch nicht angezeigt. Zuvor hatte die Social-Media-Analystin Jane Manchun Wong entsprechende Funktionen in ihrer Facebook-App entdeckt und auf ihrem Blog darüber berichtet.

          Gustav Theile

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Auch in Deutschland hatte es online kürzlich Aufregung gegeben, als einigen deutschen Instagram-Nutzern die Likes nicht mehr angezeigt wurden. Gegenüber der F.A.Z. teilte Instagram dann aber mit, dass es sich nur um ein Versehen gehandelt habe, das nach kurzer Zeit behoben worden sei.

          Der Schutz der Nutzer

          Der Facebook-Konzern begründet die Tests mit dem Schutz der Nutzer: Man wolle ihnen „helfen, sich auf ihre geteilten Fotos und Videos konzentrieren zu können – und nicht darauf, wie viele Likes sie bekommen“, sagte Tara Hopkins, Instagrams Cheflobbyistin in Europa, im Juli. Menschen sollten sich auf Instagram frei ausdrücken können.

          „Wir wollen nicht, dass sich die Nutzer zu sehr darauf fokussieren, miteinander zu konkurrieren“, hatte Instagram-Chef Adam Mosseri zuvor im Interview mit der F.A.Z. gesagt. Er wolle nicht, dass Instagram ein Wettbewerb sei. „Wenn die Menschen weniger Zeit auf Instagram verbringen, aber die Zeit viel mehr schätzen, in der sie sich dort aufhalten, könnte das ein guter Tausch für uns sein“, sagte Mosseri.

          Parallel zu dem Test untersuche der Konzern, ob die Nutzer sich durch die Änderungen anders verhielten und wie sich die versteckten Likes auf das Wohlbefinden der Nutzer auswirkten. Die Arbeit an dem Facebook-Prototypen dürfte nun ein Indiz dafür sein, dass der Konzern die bisherigen Ergebnisse auf Instagram positiv einschätzt.

          Als Facebook für die Likes kämpfte

          Einige Wissenschaftler sehen die Tests dagegen skeptisch. „Das wird nicht funktionieren“, sagte der Münsteraner Medien- und Marketingprofessor Thorsten Hennig-Thurau im Juli der F.A.Z. „Wir Nutzer brauchen Heuristiken, die uns schnell gute Entscheidungen ermöglichen. Einzelne Posts anschauen und dann ihre wahre Schönheit und Qualität bewerten, das ist uns viel zu aufwendig. Das ist kein Ersatz für eine simple Heuristik wie die Anzahl an Likes.“ Der Grund für die Tests sei stattdessen, dass der Facebook-Konzern unter großem gesellschaftlichen und politischen Druck stehe. „Die haben einfach Angst“, sagte Hennig-Thurau.

          Die Tests des Konzerns sind insofern brisant und stehen für eine Änderung der Haltung im Konzern, als Facebook noch 2016 für die Likes kämpfte. Der Wissenschaftler und Künstler Ben Grosser hatte schon 2012 einen „Demetricator“ für Facebook entwickelt und später auch entsprechende Add-ons für Instagram und Twitter veröffentlicht, die sämtliche Zahlen auf den Plattformen versteckten. Er habe damit den Fokus von den Zahlen auf die Inhalte verschieben wollen, erläutert Grosser.

          Im Juli 2016 habe Facebook dann bei Google eine Beschwerde gegen den Demetricator eingereicht, sagte er der F.A.Z. Google nahm das Programm daraufhin aus seinem Web Store für den Chrome-Browser. Mithilfe der Anwälte einer Nichtregierungsorganisation habe er sich dann gegen Facebook und Google gewehrt und den Demetricator einige Monate später wieder online bringen können. Jetzt sieht es ganz so aus, als würde Facebook seine Plattformen selbst von den Likes befreien.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Eine Frau telefoniert in einer Telefonzentrale für die Arzthotline 116117 des ärztlichen Bereitschaftsdienstes.

          Keine Impftermine möglich : Nette, aber hilflose Impfhotlines

          Die Impfstoffbeschaffung ist Bundessache, das Verabreichen aber die der Länder. In keinem von ihnen lässt sich ein Termin für eine Impfung vereinbaren. Die Länder halten den Bund für schuldig – und Pfizer.
          Das erste Interview nach seiner Wahl zum CDU-Vorsitzenden: Ministerpräsident Armin Laschet in der Düsseldorfer Staatskanzlei.

          Interview mit Armin Laschet : „Auch mit Friedrich Merz“

          Ein Gespräch mit dem neuen CDU-Vorsitzenden Armin Laschet über die Einbindung des unterlegenen Konkurrenten, die Kanzlerkandidatur, den Kampf gegen Corona, sein Verhältnis zu Russland, die Seidenstraße – und über Twitter.
          2:4-Niederlage bei Borussia Mönchengladbach: der nächste schwere Schlag für die Dortmunder.

          2:4 bei Mönchengladbach : Dortmund nun endgültig in der Krise

          Mönchengladbach zieht nach dem Sieg im wilden Borussen-Duell in der Tabelle an den Dortmundern vorbei. Der BVB kann seine Probleme in der Abwehr nicht abstellen und bangt nun um die Qualifikation für die Champions League.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.