https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/digitec/n26-die-internetbank-expandiert-in-die-usa-16279644.html

Internetbank : N26 expandiert nach Amerika

Valentin Stalf gründete die Onlinebank N26 und ist heute ihr CEO. Bild: dpa

Die Internetbank werkelte lange daran, in die Vereinigten Staaten zu expandieren. Dem Unternehmen ist bewusst, welche Fallstricke auf dem amerikanischen Markt lauern.

          2 Min.

          Sie hatte es lange angekündigt und mit zahlreichen Problemen zu kämpfen, doch nun ist es soweit: Die Internetbank N26 expandiert nach Amerika. Das ist ein großer Schritt für die Berliner. Denn bisher sind die mehr als 3,5 Millionen Kunden lediglich in 24 europäischen Märkten vertreten. Amerika ist der erste Markt, den das Unternehmen außerhalb Europas ins Visier nimmt. Zwar ist es zunächst nur eine Beta-Phase – so heißt es, wenn das Produkt noch getestet wird und erst nach und nach geöffnet –, doch diese soll schon im nächsten Quartal abgeschlossen sein.

          Franz Nestler
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Man muss sich auf eine Warteliste setzen lassen und wir dann in Chargen freigeschalten. Für die Vereinigten Staaten als erstes Ziel außerhalb Europas habe man sich wegen des großen Interesses aus Übersee entschieden. Mehr als 100.000 Menschen sollen sich auf der Internetseite von N26 registriert haben. Diese werden jetzt informiert und kommen auf die Warteliste.

          Um den Markt zu erobern, wird man auf ein ähnliches Modell setzen wie am Anfang in Deutschland. N26 hat sich mit Axos eine Partnerbank gesucht, welche die gesamte Abwicklung im Hintergrund übernimmt. Whitelabeling nennt man so etwas, in Deutschland war Wirecard damals der N26-Partner. „Wir wollten so schnell wie möglich an den Start gehen“, sagt N26-Gründer und Chef Valentin Stalf dazu. Das sei in den Vereinigten Staaten aber auch weit verbreiteter als in Europa.

          Dabei sieht die App für die Vereinigten Staaten auf dem ersten Blick sehr ähnlich aus. Aber die Komplexität im Hintergrund ist deutlich höher: Es gibt eine andere Datenschutzumgebung, die Daten müssen von denen Europas getrennt, es läuft auf anderen Servern und man musste viel mit den lokalen Instituten zusammenarbeiten.

          Doch auch sonst warten in den Vereinigten Staaten einige Fallstricke auf N26. Besonders bei der riesigen Kartenindustrie müsse man eine eigene Idee entwickeln, sagt Stalf. „Unser Ansatz ist eine Art Girokonto mit einer Visa Debitkarte“, erklärt er. Es gebe den Trend zu einer besseren Kostenkontrolle, gerade unter jungen Menschen, und genau diesen wolle man bedienen. „Wir sehen dort eine Marktnische“, sagt Stalf.

          Eine Kreditkarte soll dann Anfang nächsten Jahres folgen. Ansonsten ist vieles ähnlich zu dem, wie es auch in Europa ist: Das Basiskonto ist kostenlos, die kostenpflichtigen Konten werden dann in den nächsten Monaten starten. Stalf schwebt dabei großes vor: „Obwohl der Fintech-Markt in den Vereinigten Staaten weiter fortgeschritten ist, hat noch niemand das Girokonto revolutioniert – das wollen wir machen“, sagt er betont selbstbewusst.

          Doch in den Vereinigten Staaten gab es auch zahlreiche Probleme. Heute arbeiten im New Yorker Büro bis zu 75 Mitarbeiter. Diese zu finden stellte sich aber als eine Herkulesaufgabe heraus. „Wir haben unterschätzt, wie schwierig es ist, die richtigen Talente zu bekommen“, sagt Stalf dazu. Man konkurriere mit Google und Facebook um die Mitarbeiter. „Das ist schwer, wenn man noch kein Produkt auf dem Markt hat“, so Stalf. Die Ziele für die Vereinigten Staaten sind gewohnt ehrgeizig: Schnell soll es mehr als eine Million Kunden geben und in den nächsten 5 bis 10 Jahren wünscht sich Stalf bereits bis zu 10 Millionen Kunden. Weltweit hat N26 noch mehr Ziele: Schon im Jahr 2020 soll etwa ein Start in Brasilien erfolgen.

          In Amerika wird sich N26 auch nicht Patzer wie zuletzt auf dem deutschen Heimatmarkt leisten können. Hier musste die deutsche Finanzaufsicht Bafin zuletzt tätig werden, um die Schließung von Schwachstellen anzuordnen. „Wir haben vor jedem Markt Respekt und nehmen die Vereinigten Staaten gemeinsam mit unserer Partnerbank sehr ernst“, sagt Stalf. Er verbindet auch eine Hoffnung mit dem neuen Markt: So schwappen Innovationen aus dem europäischen Markt in den amerikanischen über, und genau so könnten Innovationen aus Amerika hierzulande auftauchen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Zwei der Angeklagten mit ihren Verteidigern im Dresdener Juwelenraub-Prozess

          Prozess um Juwelenraub : Keinen Deal um jeden Preis

          Wandelt sich der Prozess um den Diebstahl aus dem Grünen Gewölbe zum Basar? Das Gericht sollte auf seinen Forderungen bestehen oder die Abmachungen mit den Angeklagten aufkündigen.
          Am verlagseigenen Imbiss: der Katapult-Chefredakteur Benjamin Fredrich (35) trat am Dienstagabend von seinen Ämtern zurück.

          „Katapult“-Chef tritt zurück : „Ich bin offensichtlich gescheitert“

          Benjamin Fredrich, der Gründer des „Katapult“-Magazins, tritt nach Vorwürfen zu seinem Ukraine-Engagement unerwartet zurück. Recherchen von „Übermedien“ hatten zuvor Probleme in der „Katapult Ukraine“-Redaktion und Beschwerden von Ex-Mitarbeitern aufgedeckt.
          Tun was für ihr Land: Rekrutinnen und Rekruten des Panzergrenadierbataillons 371 am 22. September 2022 beim Gelöbnisappell in Pockau-Lengefeld.

          Debatte über Wehrpflicht : Nur wählen und Steuern zahlen?

          Um eine Demokratie aufrechtzuerhalten, braucht es das Engagement der Bürger. In Schweden wurde die Wiedereinführung der Wehrpflicht zum Erfolgsmodell. Ein Blick über die Grenze.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.