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Nicht ganz interne Schalte : Musk verrät Twitter-Mitarbeitern Pläne für Übernahme

  • Aktualisiert am

Elon Musk will Twitter übernehmen. Vielleicht. Bild: Susan Walsh/AP/dpa

Es sollte eine interne Videokonferenz sein, doch alle Details drangen sofort nach außen. Elon Musk würde weniger Tweets aussortieren, auf Musik setzen und Home-Office nur noch besonderen Mitarbeitern anbieten. Ob er wirklich Eigentümer werden will, ist aber weiter offen.

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          Tech-Milliardär Elon Musk würde nach einer Twitter-Übernahme auch bei der Produktentwicklung des Dienstes mitmischen. Er gehe davon aus, dass die Mitarbeiter auf seine Vorschläge zu Funktionen hören würden, sagte Musk bei einer Videokonferenz mit Twitter-Beschäftigten. Unter den Produktideen, die Musk dabei am Donnerstag nannte, war zum Beispiel, für die heute kostenlose Verifizierung der Nutzer Geld zu nehmen. Auch bekräftigte er die Absicht, gegen automatisierte Bot-Accounts anzukämpfen.

          Musk erzählte, wie er einst ein schlechtes Produkt auf Grundlage von Werbung dafür bei der Videoplattform YouTube gekauft und bei einer Websuche festgestellt habe, dass es sich um einen Betrug gehandelt habe. So etwas wolle er bei Twitter verhindern.

          Auch „empörende“ Tweets zulassen

          Der Tesla-Chef bekräftigte seine Haltung, dass auf Twitter auch die Verbreitung radikaler Positionen erlaubt sein müsse. Er selbst befürworte moderate politische Positionen, sagte Musk demnach. Doch er bekräftigte zugleich, dass es Nutzern erlaubt werden sollte auch „ziemlich empörende“ Dinge zu veröffentlichen, Twitter könne aber die Verbreitung solcher Tweets drosseln. Er räumte ein, dass Nutzer Twitter verlassen könnten, wenn sie angegriffen würden oder sich unwohl auf der Plattform fühlten.

          Musk hatte zuvor bereits angekündigt, als Twitter-Eigentümer die Sperre gegen den früheren US-Präsidenten Donald Trump aufheben zu wollen. Seine Kritik, Twitter schränke zu stark die Redefreiheit ein, hatte auch Sorgen ausgelöst, unter seiner Regie könnten mehr Falschinformationen oder Beleidigungen auf der Plattform bleiben.

          Er strebe „mindestens eine Milliarde Menschen auf Twitter“ an, sagte Musk. Damit hängte er die Latte hoch: Aktuell hat Twitter rund 230 Millionen täglich aktive Nutzer, denen der Dienst Werbung anzeigen kann, weil sie auf die hauseigene App oder die Web-Version zurückgreifen. In einem möglichen Hinweis auf die künftige Ausrichtung lobte Musk die chinesische Video-App Tiktok dafür, dass sie für Nutzer Clips heraussuche, die unterhaltsam seien.

          Aussagen sofort durchgestochen

          Die Unterhaltung mit Musk am Donnerstag war zwar nur für die Belegschaft gedacht – Twitter-Mitarbeiter teilten Informationen daraus jedoch so freigiebig, dass mehrere große US-Medien Liveblogs aufsetzen konnten.

          Musk bereitete die Twitter-Belegschaft auf mögliche Jobkürzungen vor. Twitter müsste finanziell gesund sein – und im Moment lägen die Kosten über den Erlösen, betonte er. Wer einen bedeutenden Beitrag leiste, habe jedoch nichts zu befürchten. Wertvolle Mitarbeiter kämen laut Musk auch eher infrage dafür, weiter von Zuhause aus arbeiten zu dürfen. Der Online-Dienst hatte den Beschäftigten zuvor zugesagt, dass sie auch nach dem Ende der Pandemie nicht zurück in die Büros gezwungen würden. Doch Musk schrieb gerade erst bei von ihm geführten Firmen – dem Elektroautobauer Tesla und dem Raumfahrtunternehmen SpaceX – eine allgemeine Präsenzpflicht vor.

          Übernahme weiter fraglich

          Weiter ist unklar, ob Musk am Ende Twitter-Eigentümer wird. Er einigte sich mit dem Twitter-Verwaltungsrat zwar auf eine Übernahme, ist aber auf die Zustimmung der Mehrheit der Anteilseigner angewiesen. Zugleich erklärte er den Deal für ausgesetzt, weil er Zweifel an den Angaben zur Zahl der Fake-Accounts habe. Twitter konterte, Musk könne die Vereinbarung nicht einseitig auf Eis legen und zeigte sich entschlossen, sie durchzusetzen.

          Während Musk den Anteilseignern 54,20 Dollar pro Aktie bietet, ging die Aktie am Donnerstag nach einem Abschlag von rund 1,7 Prozent bei 37,36 Dollar aus dem US-Handel. Musk hat also einen Anreiz, den Preis nachzuverhandeln, während viele bisherige Anteilseigner ein Interesse haben, bei seinem aktuellen Angebot zu verkaufen. Der Auftritt vor den Mitarbeitern wurde als Zeichen dafür gewertet, dass Musk weiter grundsätzlich am Kauf von Twitter interessiert ist. Direkt äußerte er sich in der Unterhaltung nicht dazu.

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