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Musikrechte & ihre Wahrnehmung : Ein falscher Klick kann teuer sein

Nicht leicht, den Überblick zu behalten: An Travis Scotts Song „Sicko Mode“ haben insgesamt 30 Songwriter mitgeschrieben. Bild: AFP

Durch das Streaming und andere digitale Dienste verdient die Musikindustrie Milliarden. Doch die Rechtewahrnehmung hat ihre Tücken. Die große Zahl an Songwritern, die heute oft an potentiellen Hits schreiben, ist nur eine davon.

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          Streamingdienste wie Spotify , Deezer , Tidal oder Apple und Amazon Music zahlen viele Hunderte Millionen an die diversen Rechteinhaber der auf ihren Plattformen verfügbaren Musik aus. Mitunter kommt das Geld aber nur zum Teil bei den Akteuren an, denen es zusteht. Mitte Februar des vergangenen Jahres beispielsweise überwiesen diverse Streamingdienste und andere digitale Musikanbieter in den USA exakt 424 384 787 Dollar an eine neu eingerichtete Verwertungsgesellschaft.

          Benjamin Fischer
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Diese stolze Summe setzte sich aus alten und nicht zugeordneten Lizenzzahlungen aus der Wahrnehmung der sogenannten „mechanischen“ Vervielfältigungsrechte zusammen. Über diese werden Komponisten und Songwriter beim digitalen oder physischen Verkauf sowie Streams eines Werkes beteiligt. Das „Mechanical Licensing Collective“ (MLC) als Gesellschaft wiederum hat die Aufgabe, für diese bislang nicht zuordenbaren Zahlungen die entsprechenden Urheber zu finden.

          Keine Rechnung, keine Ausschüttung

          Der Fall offenbarte eine amerikanische Besonderheit im komplexen Netz der Rechtewahrnehmung. In anderen Ländern gibt es eine solche Gesellschaft schon lange. Oder es existiert – wie in Deutschland die Gema – eine, die sowohl die mechanischen Rechte als auch die „performing rights“ abdeckt, die bei der öffentlichen Aufführung eines Werks relevant sind.

          In den USA gab es zuvor nur Gesellschaften für die Aufführungsrechte wie ASCAP oder BMI. Das bedeutet natürlich nicht, dass aus der Wahrnehmung der mechanischen Rechte gar kein Geld an Songwriter und Verlage ausgezahlt wurde. „Einige Milliarden Dollar sind in diesem Zeitraum sicher geflossen“, sagt Thomas Theune, Direktor Sendung und Online bei der Gema.

          Vor Gründung der MLC seien teils Agenturen beauftragt worden, um die Gelder einzuholen, und viele Rechteinhaber – allen voran die Verlage der Branchenriesen Universal , Sony und Warner Music – hätten es selbst in die Hand genommen. „Nur dort, wo eben keine Rechnung gestellt werden konnte, zum Beispiel weil Werke nicht eindeutig identifiziert werden konnten oder die Beteiligungsverhältnisse an Musikwerken zum Zeitpunkt der Rechnungsstellung nicht klar waren, konnten Vergütungen zum Teil nicht geclaimt werden.“

          So zahlen Spotify & Co aus

          Wie die noch junge US-Gesellschaft nimmt die Gema in Deutschland bei Weitem nicht alle Urheberrechte gegenüber den Streamingdiensten wahr. Mit den Rechten der eigenen Mitglieder und jenen, die über Gegenseitigkeitsverträge mit ausländischen Verwertungsgesellschaften übertragen wurden, liege der Anteil bei „deutlich unter 50 Prozent“, so Theune.

          Grundsätzlich schütten Streamingdienste wie Spotify und Co rund zwei Drittel ihres Umsatzes an Rechteinhaber aus. Etwas mehr als 50 Prozent der gesammelten Einnahmen fallen auf die Seite der Aufnahme, werden an Labels oder Vertriebe und über diese an Interpreten ausgezahlt. Verlage und Songwriter erhalten entsprechend einen deutlich kleineren Anteil, von dem auch eine Beteiligung für die Verwertungsgesellschaften abfällt.

          Kompliziertes Verlagsgeschäft

          Über das Verteilungsverhältnis zwischen der Aufnahme auf der einen und Text sowie Komposition auf der anderen Seite und wie angemessen dies in einem weitestgehend digitalen Markt noch ist, wird in der Branche rege diskutiert. Theune merkt an, dass aus dem „Music-on-Demand-Bereich“, zu dem auch Video­streams und Downloads zählen, zwar mittlerweile im Jahr „deutlich mehr als 100 Millionen Euro“ über die Gema verteilt werden.

          Doch diese Summe stehe „in keinem Verhältnis“ zu den Gesamteinnahmen, die die Musikindustrie über das Streaming generiere. Zum Vergleich: Mit Musikaufnahmen wurden hierzulande 1,96 Milliarden Euro umgesetzt – 68,3 Prozent steuerte das Audiostreaming bei.

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