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„Postpalast“ gekauft : Google setzt mehr denn je auf München

Der sogenannte „Postpalast“ in München Bild: dpa

Der Internetkonzern Google kauft im Zentrum der Stadt eine große Immobilie. Und stellt 1500 Mitarbeiter ein.

          2 Min.

          Der amerikanische Internetkonzern Google hat sich im Herzen von München mit dem „Postpalast“ eine Immobilienperle gesichert. Statt eines ursprünglich geplanten Luxushotels entstehen auf dem derzeit umgebauten Komplex bald großzügig angelegte und ausgestaltete Räume, in denen Teams Produkte rund um den Webbrowser Chrome, um Datenschutz und um interne IT-Systeme wie die Anwendungen Google Drive und Apps entwickeln sollen.

          Rüdiger Köhn

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          Dazu stellt der amerikanische Suchmaschinen-Gigant 1500 neue Mitarbeiter ein, die zu den bereits 1000 Beschäftigten hinzukommen. Die sind bereits einen Steinwurf entfernt vom „Postpalast“ in einem anderen Gebäude untergebracht, das aus den Nähten zu platzen scheint. Sie werden dort wohl weiter arbeiten. Das denkmalgeschützte einstige Paketzustellamt dient der Erweiterung. Dort fanden zuletzt Konferenzen und Großveranstaltungen statt, und auch der FC Bayern München feierte dort mal seine Meisterschaft.

          Erst im Mai hatte Google angekündigt, in der bayerischen Landeshauptstadt die Zahl der Datenschutz-Mitarbeiter bis Ende 2019 zu verdoppeln. Die Dimension mit dem 41 000 Quadratmeter großen „Postpalast“ deutet auf die Wachstumspläne hin, die Google noch hat. Einen niedrigen dreistelligen Millionenbetrag soll der Erwerb kosten, wird spekuliert.

          Google setzt seine Kauftour fort

          Ein Sprecher von Google bestätigte die Absichten auf Nachfrage, obwohl das Projekt und der Ausbau der Belegschaft offiziell noch gar nicht bekanntgegeben worden ist. Er sagte aber auch, dass der Konzern noch weitere Investitionsschwerpunkte an vier deutschen Standorten plane. München reift in Deutschland zum mit Abstand größten Standort für das Unternehmen mit der bunten Buchstabensuppe im Logo.

          Nach dem letzten Stand sollen in Hamburg 650 Mitarbeiter tätig sein, in Berlin mehr als 200 Mitarbeiter. In Frankfurt gibt es noch einen kleineren Standort. In der Bundeshauptstadt nimmt die Zahl ebenfalls noch deutlich zu, dort sollen noch einige hundert Stellen geschaffen werden. Google will inmitten der Start-up-Szene mit der Entwicklung von Künstlicher Intelligenz ein neues wichtiges Schwerpunktthema auf- und ausbauen. Der Umzug der Google-Hauptstadtrepräsentanz Unter den Linden in Räume des Forums an der Museumsinsel Anfang des Jahres wurde als Bekenntnis zu Berlin interpretiert.

          Doch im Umfeld der vor einem Jahr erfolgten Ankündigung eines Google-Campus für Unternehmensgründungen in einem ehemaligen Umspannwerk in Kreuzberg ging es alles andere als geräuschlos zu. Lange hat es Debatten um die Pläne über eine Ansiedlung im noch von vielen Alternativen bewohnten Stadtteil gegeben, kam es zu regelrechten Anfeindungen, weil sich nach deren Ansicht das Viertel stark verändert und vor allem verteuert hätte. Die Proteste waren so groß, dass die Amerikaner vom Plan eines Co-Working-Space mit Büro-, Konferenz- und Bildungsflächen in dem bereits für etwa 14 Millionen Euro gekauften Gebäude abließen. Stattdessen ziehen soziale Projekte und Organisationen ein.

          Der Berliner Senat unter dem Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD) hatte Mühe, die negativen Vibrationen wieder einzufangen. Google hält indes an seinen Ausbauplänen auch in Berlin fest und hat die Einstellung mehrerer hundert Mitarbeiter angekündigt. Dabei setzt der Konzern seine Kauftour fort. Nun hat er ein weniger verfängliches Bürogebäude namens Johannishof in Berlin-Mitte erworben.

          Derlei atmosphärische Störungen können für die Bayern im Wettbewerb um Standorte nur von Vorteil sein. Wobei: An der Politik, verschiedene Schwerpunktthemen an verschiedenen Standorten anzusiedeln und zu bündeln, wird festgehalten. Berlin beschäftigt sich mit der Cloud, Google Play, Marketing, Politik, Vertrieb, Software-Engineering und Youtube – und mit Google für Start-ups, wie es sie auch in London, Madrid, São Paulo, Seoul, Tel Aviv und Warschau gibt. Die Dimension mit dem teuren Erwerb des „Postpalastes“ deutet jedoch darauf hin, dass Google noch Größeres mit München vorhat. Und der Sprecher des Konzerns ließ auch keinen Zweifel daran, dass die Präsenz dort noch wachsen werde.

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