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Zentrum für Chip-Design : Apple investiert eine Milliarde Euro in Deutschland

Ein geschlossener Apple-Store in München im Februar. Bild: Reuters

Allein in der bayerischen Hauptstadt stellt der iPhone-Hersteller Hunderte neue Mitarbeiter an. Es geht um hochbrisante Themen. Der Standort ist nicht nur für Apple verlockend.

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          Die Bauarbeiten am Postpalast in Münchens Stadtzentrum machen Fortschritte, auch wenn sich der Einzug von Google wohl noch hinziehen könnte. Schon seit Jahren hat sich in Wurfweite des im Jahr 1926 errichteten, denkmalgeschützten Gebäudes eine Start-Up-Szene mit vielen kleinen Technologieunternehmen niedergelassen, nicht selten Ausgründungen aus der TU München.

          Rüdiger Köhn

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          Keine 300 Meter Luftlinie von Münchens Start-Up-Viertel und dem Postpalast entfernt wird nun der amerikanische Tech-Konzern Apple sein europäisches Zentrum für Chip-Design aufbauen – und damit die bayerische Landeshauptstadt zu seinem wichtigsten Standort in Deutschland machen.

          In der an diesem Mittwoch angekündigten Investitionsoffensive des Herstellers von iPhone, iPad und iMac über insgesamt 1 Milliarde Euro in Deutschland in drei Jahren bildet München damit künftig den Nukleus der Aktivitäten hierzulande. Dort sollen die Architekturen und das Design für Halbleiter entwickelt werden, die sich mit den wichtigen drahtlosen Zukunftstechnologien, mit Konnektivität und dem neuen Mobilfunkstandards 5G befassen.

          Beinahe geheim angemietet

          In einer Mitteilung von Apple ist die Rede von Hunderten neuen Arbeitsplätzen. Tatsächlich fasst der im nächsten Jahr fertiggestellte, dreigeschossige Neubau an der Karlstraße auf dem ehemaligen Gelände der Brauerei Spaten ungefähr 1500 Angestellter. Er soll Ende 2022 bezogen werden. Insgesamt beschäftigt Apple in Deutschland 4000 Mitarbeiter in Einzelhandel, Engineering, Vertrieb und Verwaltung.

          Schon heute ist der Apfel-Konzern in München stark vertreten und betreibt dort sein bislang größtes Entwicklungszentrum in Europa. Knapp 1500 Ingenieure aus 40 Ländern arbeiten in verschiedenen Bereichen, darunter an stromsparenden Chips, Anwendungsprozessoren und drahtlose Technologien. Fast geheimnisvoll hatte das Unternehmen vor einigen Jahren im Bereich des Zentralomnibusbahnhofs am Hauptbahnhof Räume angemietet.

          Die neue Nachricht wiegt um so schwerer, weil es erklärte Strategie von Apple ist, seine Produkte immer mehr mit selbst entwickelten Chips auszustatten, um leistungsstarke und produktspezifische Anwendungen anzubieten. Neben dem Ausbau werden die Investitionen in Deutschland auch weitere Aktivitäten in der Forschung und Entwicklung des Unternehmens, nicht nur in München, umfassen.

          Tim Cook ist begeistert

          „Ich könnte nicht gespannter sein auf das, was unsere Ingenieurteams in München noch alles entdecken werden – von der Erforschung neuer Möglichkeiten in der 5G-Technologie bis hin zu einer neuen Generation von Technologien, die noch mehr Leistung, Geschwindigkeit und Konnektivität ermöglichen werden“, ließ Apple-Vorstandsvorsitzender Tim Cook wissen. „München ist seit vier Jahrzehnten ein Zuhause für Apple und wir sind der Stadt und Deutschland dankbar für das gemeinsam Erreichte und freuen uns auf den Weg, der vor uns liegt.“

          Apple-CEO Tim Cook (Archivbild)
          Apple-CEO Tim Cook (Archivbild) : Bild: Reuters

          Für München bedeutet die Nachricht eine weitere enorme Aufwertung als Technologiestandort. Die Landeshauptstadt setzt sich immer stärker von anderen deutschen Regionen ab, was die Entwicklung zukunftsträchtiger Technologien angeht.

          Zwar gilt Berlin immer noch als die Hauptstadt der Unternehmensgründungen in neuen Technologien, doch konzentrieren sich die Aktivitäten stark auf Dienstleistungen in den Bereichen Finanzen, Handel und Konsum. München hat sich – dank früherer Ansiedlungen großer Tech-Unternehmen, vor allem aber wegen der anwenderorientiert ausgeprägten Universitätslandschaft – zu einem High-Tech-Zentrum entwickelt.

          Ritterschlag von Google

          Von Google gab es schon im Oktober 2019 den Ritterschlag. Der amerikanische Suchmaschinen-Konzern kaufte das im Jahr 1926 errichtete Postverteilzentrum mit einer Fläche von rund 41.000 Quadratmetern. Zu den damals in der Landeshauptstadt beschäftigten 1000 Mitarbeitern kommen in den nächsten Jahren weitere 1500 hinzu. Sie werden Produkte rund um den Internetbrowser Chrome, um Datenschutz, Anwendungen wie Google Drive und Apps entwickeln.

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