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Mitgründer der Digitalwährung : Was Libra wirklich bringt

  • -Aktualisiert am

Was Libra wirklich bringt, erklären zwei führende Ökonomen des Libra-Projekts in der F.A.Z. Bild: Reuters

Zwei zentrale Libra-Manager verteidigen das Projekt in der F.A.Z.: Facebook sei nur eine Stimmen unter vielen, Verbraucher würden durch die Digitalwährung stärker beteiligt – und die Kosten gesenkt.

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          Vor drei Monaten haben Facebook und eine Gruppe anderer Organisationen aus aller Welt bekannt gegeben, dass sie Libra entwickeln wollen – eine stabile Kryptowährung, die eins zu eins von einer Vielzahl von realen Vermögenswerten abgesichert ist. Sie soll zu einer Plattform für kostengünstige Zahlungen und Finanzdienstleistungen werden. Seit der Bekanntgabe gibt es eine rege Diskussion rund um dieses Projekt, seine Machbarkeit und mögliche Auswirkungen.

          Was jedoch oft vergessen wird, das ist der Grund, aus dem Libra basierend auf einem dezentralen Modell konzipiert wurde. Das Libra-Netzwerk verteilt Governance, Rechte und Verantwortlichkeiten auf viele verschiedene Schultern, voraussichtlich insgesamt 100 Organisationen und Parteien zum Start und danach vermutlich noch weitere. Dieser Ansatz ist ungewöhnlich, denn er bedeutet, dass Facebook – durch seine Tochtergesellschaft Calibra – während der Entwicklung des Libra-Netzwerks nur eine Stimme unter vielen anderen hat. Nichtsdestotrotz führte die Ankündigung zu einer Reihe von negativen Reaktionen und Skepsis einiger Personen und Organisationen, die über die Rolle von digitalen Plattformen in unser aller Leben besorgt sind.

          Offene Technologie

          Das dezentrale Governance-Modell wurde jedoch gerade deswegen für dieses Vorhaben ausgewählt, damit sich möglichst viele verschiedene Unternehmen und Organisationen beteiligen – um so das Innovationspotenzial und die Wahlmöglichkeiten für die Verbraucher zu erhöhen. Ohne das dezentrale Governance-Modell wären Organisationen und einzelne Personen möglicherweise weniger dazu bereit, etwas auf der gleichen Plattform aufzubauen. Dies würde der aktuellen Fragmentierung im Bereich der Zahlungsdienste weiter Vorschub leisten.

          Libra basiert auf einem offenen Technologiestandard. Dieser Standard ähnelt jenen, die sicherstellen, dass Mobiltelefone über verschiedene Betreiber hinweg miteinander kommunizieren können. Offene Technologiestandards fördern eine starke Beteiligung und bieten eine gemeinsame Infrastruktur. Darüber hinaus können sie für Verbraucher von Vorteil sein, da sie Unternehmen und öffentlichen Organisationen ermöglichen, eine Vielzahl an kompatiblen Produkten und Services zu entwickeln. Insbesondere für neue Marktteilnehmer und kleinere Unternehmen sind Standards wertvoll, da sie die Markteintrittsbarrieren senken, teure Doppelarbeit verhindern und allen die Nutzung desselben geistigen Eigentums für geplante Aktivitäten gestatten.

          Geringere Kosten

          Die Entwicklung eines offeneren Ökosystems für Zahlungen und Finanzdienstleistungen soll eine stärkere Beteiligung der Verbraucher ermöglichen, insbesondere jener Verbraucher, die keinerlei oder nur eingeschränkten Zugang zu Finanzdienstleistungen haben. Und schlussendlich soll dies auch eine große Anzahl von Unternehmen dazu bewegen, eine Technologie zu unterstützen, die, wenn sie breitflächig genutzt wird, die Kosten senkt und für alle Vorteile bringt.

          Schon zu Beginn der Konzeption von Libra wurde deutlich, dass die Kontrolle über einen Standard für weltweiten Zahlungsverkehr nicht bei einem einzigen Unternehmen liegen sollte. Aus diesem Grund wurde im Rahmen von internen Tests während jedes einzelnen Entwicklungsschritts sichergestellt, dass das Libra-Protokoll und die Leistungsanreize so gestaltet sind, dass Mitglieder und Nichtmitglieder zu den gleichen Wettbewerbsbedingungen daran teilnehmen können. Es war auch klar, dass Facebook nicht nur die entwickelte Technologie „Open Source“ zur Verfügung stellen, sondern auch die Kontrolle über die Entwicklung von Libra abgeben und das Netzwerk und seine Governance von Marktmechanismen ausgestalten lassen müsste.

          Gesunder Wettbewerb

          Die Assoziation, die Libra leitet, hat die Aufgabe, den sicheren und reibungslosen Betrieb, die Entwicklung von Erweiterungen für das Protokoll und die Interoperabilität zwischen Wallets, Händlern und anderen Anbietern sicherzustellen. Sie wird sich auch um Standards rund um die Nutzeridentität, Überprüfbarkeit sowie Prozesse zur Bekämpfung von Finanzkriminalität kümmern. Diese Zusammenarbeit der Organisationsmitglieder wird für einen gesunden Wettbewerb auf dem nachgelagerten Markt für Wallets, Zahlungen und andere Finanzdienstleistungen sorgen.

          Die Interoperabilität im Libra-Netzwerk – in Kombination mit wesentlich geringeren Wechselkosten im Vergleich zu anderen aktuellen Dienstleistungen – erlaubt es Verbrauchern und Unternehmen, jene Produkte zu wählen, die am besten zu ihren Bedürfnissen passen. Die Verbraucher werden die Wahl haben. Und dies bedeutet, dass Facebooks Wallet Calibra, wie alle anderen auch, im Wettbewerb rund um Themen wie Sicherheit, Datenschutz und Kosten überzeugen muss.

          Es bleibt zu hoffen, dass all dies zu mehr Wettbewerb und Innovation führt. Und dies wiederum wird die Kosten für Finanzdienstleistungen erheblich verringern. Und den Zugang zu ihnen erleichtern.

          Die Autoren

          Christian Catalini ist Mitgründer von Libra und Chef-Ökonom bei Calibra. Aktuell ist er von seiner Tätigkeit als außerordentlicher Professor an der MIT Sloan School of Management für andere Tätigkeiten freigestellt.

          Scott Duke Kominers ist außerordentlicher Professor an der Harvard Business School und Wirtschaftsberater bei Calibra.

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