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Activision-Übernahme : Microsoft und die Kampfansage an Sony

Xbox (im Bild) oder doch weiter Playstation? Die Spieler werden es entscheiden. Bild: dpa

Microsoft kauft den Spielentwickler Activision Blizzard. Investoren fliehen aus der Sony-Aktie – der Konzern verliert 20 Milliarden Dollar an Marktwert. Der Grund ist die Playstation.

          3 Min.

          69 Milliarden Dollar gibt der Microsoft -Konzern für den Kauf des Spielentwicklers Activision Blizzard aus. 20 Milliarden Dollar beträgt derweil der Schaden, den das amerikanische Unternehmen damit seinem wichtigsten Konkurrenten im Markt für Videospiele und Videospielkonsolen, Sony, zugefügt hat. Denn der Aktienkurs des japanischen Elektronik- und Unterhaltungsunternehmens gab am Mittwoch an der Börse in Tokio um 12,8 Prozent nach. Die Börsenkapitalisierung Sonys sank an einem Tag um 20 Milliarden Dollar.

          Patrick Welter
          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.
          Bastian Benrath
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Investoren reagierten auf die Ankündigung von Microsoft mit Verkaufsaufträgen, weil Microsoft mit einem Schlag im Spielangebot für seine Xbox und seine Online-Dienste „quantitativ und qualitativ gleichgezogen oder zumindest aufgeholt“ hat. So formuliert es Serkan Toto vom in Tokio ansässigen Beratungsunternehmen Kantan Games, das auf den Markt für Videospiele spezialisiert ist. Microsofts Zukauf in dieser finanziellen Größenordnung sei eine Revolution am Spielemarkt, sagt Toto. Den Kursverfall für die Sony- Aktie hält er dennoch für übertrieben: „Investoren in die Spielindustrie reagieren oft sehr emotionalisiert.“ Sony selbst gab am Mittwoch auf Anfrage keinen Kommentar ab.

          Microsoft könnte der Playstation Spiele entziehen

          Activision Blizzard bietet ein Bündel von Spielen an, vor allem aber das Spiel „Call of Duty“, in dem der Spieler als Soldat auf historischen Schlachtfeldern zum Beispiel des Zweiten Weltkriegs militärische Aufgaben erfüllt. Immer muss er sich seinen Weg freischießen. Mehr als 100 Millionen Menschen fanden nach Zahlen von Activision Blizzard im vergangenen Jahr Vergnügen daran.

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          Bislang sind die Spiele von Activision auf der Playstation von Sony und auf der Xbox von Microsoft verfügbar. Die Analyse eines großen Schadens für Sony beruht auf der Annahme, dass Microsoft die Spiele von Activision Blizzard künftig exklusiv auf der Xbox und dem Onlinedienst Xbox Game Pass anbieten werde. Das kann, muss sich aber nicht rechnen. Ohne Exklusivität könnten künftig auch Spieler auf Sonys Playstation Geld in Microsofts Kasse bringen. Doch es gibt einen Präzedenzfall. Nachdem Microsoft 2020 für 7,5 Milliarden Dollar das Spielstudio Zenimax/Bethesda gekauft hatte, ließ Microsoft dort eine Reihe von Spielen nur für die eigenen Plattformen entwickeln. Microsoft hält sich bislang zu Plänen für Activision Blizzard bedeckt und erklärt, man wolle so viele Spieler wie möglich erreichen.

          Sonys Geschäft mit Videospielen sei anfällig für den Entzug von Spielen, kommentiert Yu Okazaki vom Wertpapierhaus Nomura Securities in einer Analyse. Mehr als 80 Prozent der von Sony verkauften Spieletitel stammten von Fremdanbietern. Das Geschäft mit Videospielen für Spielkonsolen oder als Online-Angebot trug in den ersten sechs Monaten des aktuellen Geschäftsjahres 27 Prozent zum Umsatz und zum operativen Gewinn bei.

          Generell ist Microsofts Kauf von Activision eine Kampfansage an Sony. Seit zwei Jahrzehnten konkurrieren die beiden Unternehmen im Markt für Videospielkonsolen. Sony hat dabei meist die Nase vorn, auch bei den aktuellen Modellen. Von November 2020 bis November 2021 verkaufte Sony mit knapp 14 Millionen Exemplaren der Playstation 5 gut 4 Millionen Einheiten mehr als Microsoft mit seinen Xbox-Modellen. Sony zählt mehr als 47 Millionen Abonnenten seines Online-Dienstes PlayStation Plus. Microsoft hat 25 Millionen Kunden im Dienst Game Pass.

          Einer der wichtigsten Gründe für Sonys vorherrschende Marktstellung ist, dass der Elektronikkonzern über Jahre exklusive Spieletitel für seine Playstation produzierte und durch zugekaufte Studios entwickeln ließ. Zuletzt griff Sony dafür beschleunigt in seine Kasse. Allein im vergangenen Jahr kaufte der Konzern fünf Spielstudios und nennt jetzt 16 Studios sein eigen. Im Vergleich zu Microsoft gab Sony in den Worten des Marktbeobachters Toto nur „Kleckerbeträge“ aus. Der Zukauf von Insomniac Games 2019 etwa habe Sony 300 Millionen Dollar gekostet.

          Sony ist schon im Metaversum

          Mit der Strategie eines organischen Wachstums des Angebots exklusiver Spiele werde Sony gegen die Kampfansage Microsofts nicht standhalten können, vermutet Toto. Er erwartet, dass nun auch die Japaner auf größere Zukäufe setzen werden. Das sei umso dringlicher, weil der Markt für Spielentwickler sich in den vergangenen Jahren stark konsolidiert habe. Die Zeit dränge, auch weil Amazon oder der Google-Mutterkonzern Alphabet an Spielstudios interessiert sein könnten. Die Aktienkurse mehrerer Unternehmen der Videospielbranche legten am Mittwoch zu.

          Doch Sonys Reaktion auf Microsoft könnte in eine ganz andere Richtung gehen. Das japanische Unternehmen konkurriert zwar mit Microsoft im Markt für Videospiele, verfolgt generell aber eine breitere Strategie als der amerikanische Konzern. Im Bereich Unterhaltung vereint Sony Videospiele, Trickfilme (Anime), ein eigenes Filmstudio, Musiklabels und einen der größten Kataloge an Musikrechten. Das Unternehmen, das mit dem Farbfernseher und Walkman groß wurde, hat sich weit diversifiziert. Chef Kenichiro Yoshida beschwört die Verbindung von Technologie mit Unterhaltung und nicht nur mit Videospielen.

          Okazaki von Nomura Securities erwartet, dass Sony mit seinem einzigartigen Produktportfolio zu einer sehr eigenen Wachstumsstrategie käme. Erstmals produziert Sony derzeit einen Film, der auf dem Abenteuer-Videospiel „Uncharted“ beruht. Eine solche Kombination in der Vermarktung von Videospiel und anderen Medien kann Microsoft mit seiner Xbox alleine nicht bieten. Toto von Kantan Games denkt an spezielle Film- oder Musikangebote auf der Playstation, um die Vielfalt der Produkte von Sony besser gemeinsam zu verwerten. Sony habe die Möglichkeiten der Integration der Playstation mit seinem Unterhaltungsangebot bisher nur sehr defensiv genutzt, sagt er.

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