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Softwarekonzern : Microsoft setzt sich Klimaziele

„Dies ist das Jahrzehnt, um mit Dringlichkeit zu handeln, für Microsoft und für uns alle,“ sagte Satya Nadella Bild: dpa

Der Softwarekonzern will bis 2030 „CO2-negativ“ sein – und künftig auch von seinen Lieferanten verlangen, klimafreundlicher zu werden.

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          Microsoft hat sich in einer wachsenden Zahl von Unternehmen eingereiht, die sich öffentlichkeitswirksam Klimaziele setzen. Vorstandsvorsitzender Satya Nadella kündigte am Donnerstag bei einer Veranstaltung in der Zentrale in der Nähe von Seattle an, bis 2030 wolle der Softwarekonzern „CO2-negativ“ werden. Das bedeutet nach seiner Darstellung, er wolle mehr Kohlendioxid aus der Atmosphäre entfernen als er selbst produziert. Diese Emissionen sollen bis 2030 sowohl im eigenen Haus als auch in der gesamten Lieferkette um mehr als die Hälfte gesenkt werden. Bis zum Jahr 2050 nimmt sich der Konzern vor, alle Emissionen zu kompensieren, die er seit seiner Gründung 1975 verursacht hat, ob nun in direkter Form oder durch den Verbrauch von Strom.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          „Dies ist das Jahrzehnt, um mit Dringlichkeit zu handeln, für Microsoft und für uns alle,“ sagte Nadella. Das Unternehmen rechnet damit, in diesem Jahr für die Emission von 16 Millionen Tonnen Kohlendioxid verantwortlich zu sein. Davon entfällt ein großer Teil auf indirekte Emissionen, also zum Beispiel den Stromverbrauch beim Betrieb von Rechenzentren oder bei der Nutzung der Videospielekonsole Xbox. Um die Emissionen zu reduzieren, will Microsoft unter anderem bis 2025 all seine Gebäude und Rechenzentren zu 100 Prozent auf erneuerbare Energien umrüsten. Daneben soll die Flotte von Autos in Niederlassungen von Microsoft bis 2030 vollständig elektrisch sein.

          Ein wesentlicher Teil des jetzt vorgestellten Klimaplans ist es, beim Entfernen von Kohlendioxid aus der Atmosphäre zu helfen, um CO2-negativ werden zu können. Dazu will Microsoft unter anderem einen mit einer Milliarde Dollar dotierten Fonds auflegen, der in entsprechende Technologien investiert. Als Beispiel nannte der Konzern Verfahren zur Gewinnung von Kohlendioxid aus der Luft (Direct Air Capture). Microsoft kündigte weiter an, die Reduzierung von CO2-Emissionen vom kommenden Jahr an zu einem „expliziten Aspekt“ beim Einkauf von Lieferanten machen zu wollen. Das Unternehmen wolle außerdem seinen Lieferanten und Kunden Technologie zur Verfügung stellen, um ihre Klimabilanz zu verbessern.

          Mehr Treibhausgasemissionen als die zivile Luftfahrt

          Neben Microsoft haben auch andere Technologiekonzerne in jüngster Zeit Klimaziele ausgegeben. Der Online-Händler Amazon.com zum Beispiel hat vor einigen Monaten verkündet, seine „globale Infrastruktur“ bis 2030 mit erneuerbarer Energie betreiben zu wollen. Bis 2040 wolle das Unternehmen klimaneutral sein. Der Elektronikkonzern Apple nutzt nach eigenen Angaben schon heute für seine Büros, Läden und Rechenzentren ausschließlich erneuerbare Energiequellen. Er arbeitet außerdem daran, seine Lieferanten auf klimafreundliche Energie umzustellen. Fast die Hälfte des CO2-Fußabdrucks des Unternehmens entfällt auf den Stromverbrauch bei der Fertigung seiner Geräte, die wiederum überwiegend in der Hand von Auftragsherstellern liegt.

          Die Technologiebranche spielt in der Klimadiskussion eine wachsende Rolle. Nach Angaben der französischen Umweltforschungsgruppe „Shift Project“ stehen digitale Technologien wegen des mit ihnen verbundenen hohen Energieverbrauchs für vier Prozent aller Treibhausgasemissionen, mehr als die zivile Luftfahrt. Darin enthalten ist sowohl die Produktion von elektronischen Geräten als auch deren Nutzung sowie der Betrieb von Rechenzentren und Netzwerkinfrastruktur. Bis 2025 könnte der Anteil an den Emissionen nach Angaben der Gruppe sogar auf acht Prozent wachsen. Gerade Videodienste wie Netflix und Kommunikationsplattformen wie der zu Microsoft gehörende Dienst Skype verbrauchten viel Energie.

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