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Microsoft-Mitgründer Allen : Computergenie im Schatten von Bill Gates

Microsoft-Mitgründer Paul Allen Bild: AP

Paul Allen hat den Softwaregiganten Microsoft mitgegründet. Später machte er sich als Wohltäter und Eigentümer von Sportteams einen Namen. Jetzt ist er an Krebs gestorben.

          3 Min.

          Paul Allen hat Technologiegeschichte geschrieben. Im Jahr 1975 hat er zusammen mit Bill Gates, einem Freund aus Schulzeiten in Seattle, den Softwarespezialisten Microsoft gegründet. Der Name, eine Kombination aus „Microcomputer“ und „Software“, kam von ihm, die ursprüngliche Schreibweise war „Micro-Soft“. Gates und er verfolgten die Vision, dass irgendwann in jedem Haushalt ein Computer stehen würde.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Das Gespann schaffte den Durchbruch, als es 1980 vom Technologiekonzern IBM den Auftrag bekam, dessen Personalcomputer mit einem Betriebssystem auszustatten. Von da an begann der Aufstieg zum dominierenden Softwarekonzern der Welt. In seinem Lebenslauf auf seiner Internetseite wird Allen als „Ideenmann und originaler Technologe hinter Microsoft“ beschrieben. Gleichwohl stand er immer im Schatten von Gates – er hat das Management des Unternehmens schon 1983 verlassen. Bis 2000 war er Microsoft noch als Mitglied des Verwaltungsrats verbunden.

          Jetzt ist Allen im Alter von 65 Jahren gestorben. Seine Familie und seine Investmentgesellschaft Vulcan gaben bekannt, dass er den Folgen eines Non-Hodgkin-Lymphoms erlegen ist. Der Zeitpunkt kam überraschend. Allen hatte erst vor zwei Wochen per Twitter mitgeteilt, dass bei ihm diese Art des Lymphdrüsenkrebses, mit der 2009 schon einmal zu kämpfen hatte, wieder diagnostiziert worden sei. Er sagte aber, er habe mit einer Behandlung begonnen, und seine Ärzte seien optimistisch, dass dies zu einem „guten Ergebnis“ führen werde.

          Ein Pionier, der die Welt verändert hat

          Allens Tod löste Bestürzung in der Technologiebranche aus. Tim Cook, der Vorstandsvorsitzende des Microsoft-Wettbewerbers Apple, twitterte: „Unsere Industrie hat einen Pionier verloren, und unsere Welt eine Kraft für das Gute.“ Sundar Pichai, der Vorstandschef des Internetkonzerns Google, nannte Allen ebenfalls einen „Pionier“ und lobte ihn für seine „immensen Beiträge für die Welt“. Der heutige Microsoft-Vorstandschef Satya Nadella sagte, Allen habe Unverzichtbares für das Unternehmen und darüber hinaus geleistet. Er habe „auf seine eigene ruhige und beharrliche Art“ die Welt verändert. „Ich habe so viel von ihm gelernt.“

          Allen hat sich nach seiner aktiven Zeit bei Microsoft keineswegs zur Ruhe gesetzt, sondern sich auf einer ganzen Reihe von Feldern engagiert. Er hat zum Beispiel mehr als zwei Milliarden Dollar für karitative Zwecke ausgegeben und sich dem „Giving Pledge“ von Bill Gates angeschlossen, womit das Versprechen verbunden war, die Hälfte seines Vermögens zu spenden. Er hat kulturelle Institutionen wie das Museum of Pop Culture in Seattle gegründet, außerdem mehrere Forschungsinstitute mit Schwerpunkten wie Gehirnforschung oder künstliche Intelligenz. Er hat sich als Eigentümer von Sportteams einen Namen gemacht, etwa der Basketballmannschaft Portland Trail Blazers oder dem Football-Team Seattle Seahawks, das 2014 den Super Bowl gewann. Er war auch Miteigentümer der Fußballmannschaft Seattle Sounders.

          Über seine Gesellschaft Vulcan hat er auch in eine Vielzahl verschiedener Unternehmen investiert. Nicht alle Engagements waren erfolgreich, was an seinem Wohlstand aber offenbar nicht viel änderte. Auf der jüngsten „Forbes“-Liste der reichsten Menschen der Welt wurde er mit einem Vermögen von 21,7 Milliarden Dollar auf Rang 44 geführt.

          Unklares Verhältnis zwischen Allen und Gates

          Es ist viel darüber diskutiert worden, wie das Verhältnis von Allen und Gates wirklich war. Allen selbst hat im Jahr 2011 eine Autobiographie veröffentlicht, die Gates nicht sonderlich gut aussehen ließ. Bis dahin wurde Allens Abschied bei Microsoft oft mit seiner ersten Krebsdiagnose im Jahr 1982 in Verbindung gebracht. Das Buch erweckte indessen den Eindruck, Allen habe Microsoft demoralisiert verlassen. Allen warf seinem Mitgründer vor, ihn um die verdiente Anerkennung seiner Leistung bei Microsoft gebracht zu haben. Er beschrieb eine Episode, als er wenige Monate nach seiner Diagnose eine Unterhaltung zwischen Gates und dem späteren Microsoft-Vorstandschef Steve Ballmer mitgehört habe, in der die beiden Männer über seine nachlassende Produktivität geklagt und eine Verwässerung seines Anteils am Unternehmen diskutiert hätten.

          Gates nannte Allen in einer Stellungnahme am Montag „einen meiner ältesten und besten Freunde“, und er sagte, die Personalcomputerbranche würde ohne ihn nicht existieren. Was Allen für die Technologiebranche und mit seinen wohltätigen Aktivitäten getan habe, werde Generationen überdauern. „Ich werde ihn schrecklich vermissen.“

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