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Umstrittene App : Microsoft bestätigt Verhandlungen über Tiktok

Die Logos von Tiktok und dem chinesischen Mutterkonzern Bytedance Bild: Reuters

Microsoft will die aus China stammende, bei Jugendliche beliebte Smartphone-App übernehmen. Vorstandschef Satya Nadella hat mit Donald Trump gesprochen. Und setzt sich eine Frist bis September.

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          Die mögliche Übernahme der beliebten Smartphone-App Tiktok durch den Softwarekonzern Microsoft konkretisiert sich. Microsoft hat am Sonntagabend Gespräche über den Kauf der Tiktok-Aktivitäten in den Vereinigten Staaten und einigen anderen Ländern bestätigt. In einer Mitteilung hieß es, Vorstandsvorsitzender Satya Nadella habe mit dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump über eine solche Transaktion gesprochen. Microsoft wolle die Gespräche mit dem chinesischen Tiktok-Mutterkonzern Bytedance forcieren. Das Unternehmen setzte sich dabei eine Frist bis zum 15. September, um diese Gespräche zu einem Abschluss zu bringen. In dieser Zeit wolle es den Dialog mit der amerikanischen Regierung und auch mit Trump persönlich fortsetzen.

          Roland Lindner
          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Eine Übernahme von Tiktok durch Microsoft wäre ein Paukenschlag. Der Softwarekonzern würde damit aus dem Stand zu einem ernsthaften Wettbewerber für das soziale Netzwerk Facebook und die zu Google gehörende Videoseite Youtube. Die Gespräche mit Microsoft wurden publik, nachdem Tiktok in den vergangenen Wochen wegen seiner Verbindungen zu China zunehmend zum Spielball der Politik geworden ist. Trump und andere Vertreter der Regierung haben Sorgen um Datenschutzpraktiken und etwaige Zensur geäußert. Am Freitag kündigte Trump an, Tiktok in den Vereinigten Staaten verbieten zu wollen.

          Unter Beobachtung

          Finanzminister Steven Mnuchin bestätigte in der vergangenen Woche Woche erstmals, das gefürchtete „Committee on Foreign Investment in the United States“ (CFIUS), das Übernahmen unter dem Gesichtspunkt der nationalen Sicherheit bewertet, beschäftige sich im Nachhinein mit dem Kauf der App Musical.ly durch Bytedance im Jahr 2017. Musical.ly wurde danach mit Tiktok verschmolzen. Das CFIUS-Gremium hat schon eine ganze Reihe von Akquisitionen vereitelt und auch Unternehmen gezwungen, Zukäufe wieder rückgängig zu machen.

          Microsoft teilte am Sonntag mit, die Gespräche erstreckten sich auf die Aktivitäten von Tiktok in den Vereinigten Staaten, Kanada, Australien und Neuseeland. Dort würde der Konzern Eigentümer der App sein und sie betreiben. Das Europa-Geschäft wäre somit unberührt von der Transaktion. Microsoft sagte weiter, es sei denkbar, dass andere amerikanische Investoren als Minderheitseigentümer an Bord geholt würden.

          Daten sollen in Amerika liegen

          Der Konzern versprach weiter, im Fall des Zustandekommens der Transaktion sicherzustellen, dass alle persönlichen Daten amerikanischer Nutzer in die Vereinigten Staaten übertragen werden und dort bleiben. Jegliche Daten, die derzeit außerhalb Amerikas gespeichert seien, würden dort gelöscht. Microsoft wies weiter darauf hin, die Gespräche seien „vorläufig“, und es könne nicht versichert werden, dass eine Transaktion zustandekommt.

          Microsoft ist eigentlich kein offensichtlicher Käufer für Tiktok. Der Konzern ist vor allem für Bürosoftware und Cloud Computing bekannt, und hier hat Nadella in den vergangenen Jahren auch die strategischen Schwerpunkte gesetzt. Großübernahmen sind ihm freilich nicht fremd, 2016 hat er das Karrierenetzwerk Linkedin gekauft und dafür 26 Milliarden Dollar bezahlt. Microsoft hat auch einige endverbrauchernahe Geschäfte, darunter insbesondere die Videospielekonsole Xbox.

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