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Activision-Deal : US-Kartellbehörde blockiert Mega-Übernahme durch Microsoft

Ein Mann läuft an einem Microsoft-Store in Manhattan vorbei. (Symbolbild) Bild: Reuters

Es ist die spektakulärste Kartellklage seit Joe Bidens Antritt: Die Wettbewerbsbehörde FTC will die größte Akquisition in der Geschichte des Softwarekonzerns blockieren.

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          Es ist die spektakulärste Kartellklage seit dem Antritt von Joe Biden als US-Präsident: Die Wettbewerbsbehörde FTC hat am Donnerstag mitgeteilt, die im Januar diesen Jahres vereinbarte Übernahme des Videospieleherstellers Activision durch den Softwarekonzern Microsoft blockieren zu wollen. Microsoft will 69 Milliarden Dollar für Activision zahlen, es wäre die mit Abstand teuerste Akquisition des Konzerns in seiner Geschichte.

          Roland Lindner
          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Activision ist einer der größten Videospielehersteller der Welt und für Titel wie „Call of Duty“, „World of Warcraft“ oder „Candy Crush“ bekannt. Mit der Kontrolle über solche Titel hätte Microsoft „sowohl die Mittel als auch das Motiv, um dem Wettbewerb zu schaden“, und dies wäre auch schlecht für Verbraucher, argumentiert die FTC.

          Microsoft zeigte sich umgehend entschlossen, den Kampf mit den Kartellwächtern auszufechten, auch vor Gericht. Brad Smith, der Präsident des Konzerns, sagte: „Wir haben daran geglaubt, dem Frieden eine Chance zu geben, aber wir haben komplettes Vertrauen in unsere Position und freuen uns auf die Gelegenheit, sie vor Gericht zu präsentieren.“

          Auch EU-Kommission hat Untersuchung angekündigt

          Es war von Anfang an erwartet worden, dass der Mega-Übernahme eine strenge kartellrechtliche Prüfung bevorsteht. Auch die EU-Kommission hat im November eine eingehende Untersuchung des Vorhabens angekündigt und sich bis zum kommenden März Zeit gegeben, um über eine etwaige Klage zu entscheiden.

          Die FTC ist nun die erste Behörde, die tatsächlich eine Klage einreicht. Sie äußerte die Sorge, Microsoft könnte Activision von rivalisierenden Spieleplattformen fernhalten. Der Konzern habe das in der Vergangenheit schon getan, zum Beispiel nach der Übernahme des Spieleherstellers Bethesda Softworks im vergangenen Jahr. Er könnte auch anderweitig die Konditionen oder Preise für den Zugang von Wettbewerbern zu Activision-Spielen ändern oder die Qualität dieser Spiele für Wettbewerber verschlechtern. Activision bietet seine Titel bisher auf verschiedenen Plattformen an, etwa Konsolen von Sony und Nintendo.

          Die Kartellklage gegen Microsoft ist das bisher deutlichste Signal für einen verschärften Kurs der amerikanischen Wettbewerbsbehörden unter Joe Biden. Der Präsident hat kurz nach seinem Antritt im vergangenen Jahr ein Dekret herausgegeben, in dem er die Behörden anwies, stärker gegen marktdominierende Unternehmen vorzugehen. Er hat auch wichtige Kartellpositionen in seiner Regierung mit prominenten Kritikern der großen Technologiekonzerne besetzt.

          Kartellmacht der Tech-Giganten im Fokus

          Allen voran ist Lina Khan, die gerade 33 Jahre alte Vorsitzende der FTC, die nun für die Klage gegen Microsoft verantwortlich ist. Khan hat sich einst als Studentin weit über ihre Universität hinaus mit einem Aufsatz einen Namen gemacht, in dem sie dem Onlinehändler Amazon vorwarf, seine Monopolstellung auszunutzen. Später half sie dem Kongress in Washington in der Erstellung einer umfangreichen Analyse der Kartellmacht der Tech-Giganten, die zur Grundlage mehrerer Gesetzentwürfe wurde. Diese Entwürfe haben es bisher aber noch nicht durch den Kongress geschafft.

          Khan hat auch schon mit anderen Manövern aufhorchen lassen. Beispielsweise reichte die FTC in diesem Jahr eine Kartellklage ein, um ein Übernahmevorhaben des Facebook-Mutterkonzerns Meta zu verhindern. Es handelte sich dabei um Within, den Anbieter einer Fitness-App, die mit Virtual-Reality-Technologie arbeitet. Ungewöhnlich an der Kartellklage war, dass dies ganz im Gegensatz zum Activision-Kauf durch Microsoft eine sehr kleine Übernahme wäre, nicht einmal der Preis wurde veröffentlicht. Die Überlegung der FTC ist, dass Within unter dem Dach von Meta zu einem Giganten heranreifen und damit den Internetkonzern noch dominanter machen könnte. In diesem Fall begann am Donnerstag ein Gerichtsprozess in Kalifornien.

          Microsoft zeigt Bereitschaft für Zugeständnisse

          Microsoft war um die Jahrtausendwende herum schon einmal Gegenstand eines spektakulären Kartellverfahrens. Damals ging es nicht um eine Übernahme, sondern um den Vorwurf des Missbrauchs von Marktmacht, und zwischenzeitlich stand sogar eine Zerschlagung des Konzerns zur Debatte.

          In der jüngeren Vergangenheit standen allerdings andere amerikanische Tech-Giganten stärker im Visier der Kartellbehörden. Beispielsweise wurden noch unter Bidens Vorgänger Donald Trump Kartellklagen gegen Facebook und Google eingereicht. Auch gegen Apple und Amazon laufen kartellrechtliche Ermittlungen, die allerdings noch nicht zu Klagen geführt haben.

          Microsoft hat sich im Werben um das Wohlwollen der Kartellwächter in den vergangenen Tagen noch bereit zu Zugeständnissen gezeigt. Der Konzern schloss zum Beispiel eine Vereinbarung, die dem Wettbewerber Nintendo zehn Jahre lang Zugang zu Activisions Top-Spiel „Call of Duty“ gewähren soll. Microsoft-Präsident Smith twitterte, sein Konzern sei auch jederzeit bereit, ein Zehn-Jahres-Abkommen mit dem japanischen Wettbewerber Sony zu schließen, wenn er denn darüber verhandeln wolle.

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