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Treffen mit Merkel : „Wir sind gerne bereit, euch Daten zu geben“

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Bild: Reuters

Schulterschluss zwischen China und Deutschland: Sieben Auto-Abkommen wurden während des großen Gipfels schon vereinbart. Drei Themen stehen im Mittelpunkt.

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          Das Treffen von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit dem chinesischen Ministerpräsidenten Li Keqiang wird zu einem deutsch-chinesischen Autogipfel. Nach der Vereinbarung zum Bau einer Autobatteriefabrik in Thüringen am Montag gaben Merkel und Keqiang heute in Berlin bekannt, dass sie die Zusammenarbeit bei autonomen Fahrzeugen vertiefen möchten. „Wir hoffen, dass der heutige Tag ein guter Tag ist“, sagte Merkel am Dienstag nach einer Begegnung mit Keqiang auf dem früheren Flughafen Tempelhof in Berlin. Es gehe um eine offene, transparente Kooperation. Die beiden Regierungschefs ließen sich in Tempelhof von Topmanagern der Autobranche autonome Autos vorführen.

          Merkel sagte, es gehe nichts darüber, einmal praktisch zu sehen, was möglich sei. Li Keqiang sprach von einem wichtigen Projekt. China werde sich dafür offen zeigen gegenüber der deutschen Industrie. Dies müsse auch umgekehrt gelten. China werde die erforderlichen Daten zur Verfügung stellen, damit gemeinsam Autos entwickelt würden, die dann auf Straßen fahren könnten, sagte der Politiker laut Übersetzung.

          China sagt Daten zu

          Li Keqiang sagte den deutschen Autokonzernen dabei die Sicherheit ihrer Daten und Technologien bei der gemeinsamen Entwicklung des autonomen Fahrens zu. Sein Land wolle die Technologie zusammen mit deutschen Herstellern entwickeln. „Deutschland möchte weitere Märkte erschließen, gerade in China“, sagte Li: „Wir sind gerne bereit, Daten zur Verfügung zu stellen.“

          Seine Regierung schaffe zudem die Rahmenbedingungen, damit gemeinsam entwickelte fahrerlose Autos auf Chinas Straßen unterwegs sein dürfen. „Wir wollen Win-Win-Situationen erzeugen“, fügte Li mit Blick auf die Ängste deutscher Unternehmen und der Bundesregierung vor einem Technologieverlust hinzu. Der Diebstahl geistigen Eigentums würde „schonungslos geahndet“, versicherte der chinesische Regierungschef am zweiten Tag seines Deutschland-Besuchs.

          China gilt mit seiner Bevölkerung von mehr als 1,3 Milliarden Menschen und den umfangreichen Datensammlungen großer IT-Firmen und der Regierung als idealer Standort, um autonomes Fahren und Künstliche Intelligenz zu entwickeln. Deshalb bemühen sich deutsche Firmen dort um eine Zulassung. Die Regierung in Peking setzt dabei den Zugang zu den „Big Data“ als Lockmittel für ausländische Unternehmen ein.

          Insgesamt sieben Auto-Abkommen

          Am Rande des Treffens unterzeichneten Vertreter der deutschen sowie chinesischen Autoindustrie insgesamt sieben Abkommen. Dabei geht es etwa um eine technische Kooperation bei der Entwicklung selbstfahrender Autos. BMW und der chinesische Autobauer Great Wall besiegelten ihr Gemeinschaftsunternehmen für den Bau eines neuen Elektro-Mini in China.

          Mutti lächelt, Bubbi spurt: Merkel überwacht die Unterschriften-Zeremonie von BMW.
          Mutti lächelt, Bubbi spurt: Merkel überwacht die Unterschriften-Zeremonie von BMW. : Bild: dpa

          Die Münchener unterzeichneten am Dienstag eine entsprechende Vereinbarung mit Great Wall Motor. Die Gründung des Gemeinschaftsunternehmens stehe noch unter dem Vorbehalt behördlicher Genehmigung. Angesiedelt werden soll es in der Provinz Jiangsu nördlich von Schanghai. Das neue Unternehmen soll auch für Great Wall elektrische Fahrzeuge herstellen.

          BMW hatte bereits im Februar mit Great Wall die Absicht bekundet, den vollelektrischen Mini auch in China bauen zu wollen. Bisher werden Minis nur in England und beim Auftragsfertiger Nedcar in den Niederlanden gefertigt. 2019 soll der erste rein durch Batterie betriebene Mini im britischen Stammwerk in Oxford vom Band laufen.

          China ist auch für die Kleinwagenmarke von BMW ein bedeutender Markt, vor allem aber gilt China wegen Zulassungsbeschränkungen für Verbrennungsmotoren als der Leitmarkt für Elektromobilität. Ab dem Jahr 2019 müssen Hersteller im Land zudem bestimmte Quoten für den Anteil elektrischer Antriebe erfüllen, was dem Markt für Elektroautos zusätzlichen Schub geben dürfte.

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