https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/digitec/mercedes-baut-eine-fabrik-fuer-robotaxis-15459522.html

Fertigung der Zukunft : Mercedes baut eine Fabrik für Robotaxis

Heute war Grundsteinlegung der „Factory 56“ in Sindelfingen. Bild: Daimler AG

Die „Factory 56“ ist das Herzstück einer Milliarden-Investition am Standort Sindelfingen. Nicht nur die Autos werden autonom, auch in der Produktion wird sich einiges ändern.

          2 Min.

          Die ersten Robotaxis der Welt werden in Sindelfingen in Serie gebaut, dort, wo Mercedes bisher die S-Klasse montiert. Mit der Fabrik, die dafür entsteht, genannt „Factory 56“, werde eine Zeitenwende für die Automobilproduktion eingeläutet, sagte Mercedes-Bereichsvorstand Markus Schäfer anlässlich der Grundsteinlegung: „Sie wird digitaler als jede Fertigungsstätte vorher, flexibel und grün.“ Robotaxis sind vollkommen autonom fahrende Autos, die über Internet-Plattformen individuelle Mobilität ermöglichen – und im Rennen darum sieht sich Daimler gemeinsam mit dem Entwicklungspartner Bosch ganz weit vorne. Die ersten Fahrzeuge werde man demnächst auf den Straßen sehen, wurde jüngst angekündigt. Wichtigster Konkurrent auf diesem Feld ist die Google-Schwestergesellschaft Waymo.

          Susanne Preuß
          Wirtschaftskorrespondentin in Hamburg.

          Schon wegen dieses Wettrennens muss auch die passende Fabrik schnell fertig werden. „Anfang der nächsten Dekade“, so heißt es, werde die Factory 56 in Betrieb gehen. Dem Investitionsvolumen nach sei der Daimler-Standort Sindelfingen die drittgrößte Baustelle in Deutschland, sagte Werksleiter Michael Bauer vor den Gästen der Grundsteinlegung und versprach: „Wir werden im Kostenziel und im Terminziel unser Projekt zum Abschluss bringen.“

          Unter dem Titel „Zukunftsbild 2020“ investiert Daimler in den Jahren 2015 bis 2020 insgesamt 2,1 Milliarden Euro. Ein wesentlicher Teil davon entfalle auf die Factory 56. Mehr als die Hälfte der Konzern-Investitionen werde in Deutschland getätigt, erklärte der Daimler-Vorstandsvorsitzende Dieter Zetsche jüngst – während nur noch rund ein Zehntel des Umsatzes hier erzielt werde. Der Daimler-Konzern investierte insgesamt im vergangenen Jahr 6,7 Milliarden Euro in Sachanlagen und 8,7 Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung.

          „Keine Gabelstapler werden mehr fahren“

          Die Factory 56 sei zu hundert Prozent digital geplant worden, berichtete Mercedes-Bereichsvorstand Schäfer, und in der Produktion werde dann die komplette Wertschöpfungskette digital abgebildet. Auf diese Weise sei die Produktion auch voll flexibel. Keineswegs ist die Fabrik auf Robotaxis beschränkt. Vielmehr werden auf den gleichen Produktionsanlagen auch herkömmliche Mercedes-Autos produziert sowie ein vollelektrisches Fahrzeug der neuen Marke EQ. Auch unter ökologischen Aspekten sei die Fabrik ein Fortschritt, berichtete Schäfer. So sei beispielsweise der CO2-Ausstoß verglichen mit der bisherigen S-Klasse-Fertigung um 75 Prozent geringer.

          „Durch die Factory 56 werden keine Gabelstapler mehr fahren“, stellte Schäfer in Aussicht. Der Arbeitsalltag der Mitarbeiter werde durch digitale Helfer wie Smart Watches oder Augmented Reality erleichtert. „Es bleibt aber dabei: ein Mercedes wird von Menschen gebaut“, betonte er: „Wir werden die Automatisierung teilweise sogar reduzieren.“ Als Beispiel nannte er die Kalibrierung des Headup-Displays (der Darstellung der Instrumentenanzeigen auf der Frontscheibe). Während dafür bisher komplizierte Maschinen eingesetzt würden, sei das künftig die Arbeit eines Mitarbeiters, der dazu Kamera und Tablet einsetze.

          Im Endausbau sollen in der Factory 56 etwa 1000 Mitarbeiter tätig sein – das sind wenige, verglichen mit den heute 25000 Beschäftigten im gesamten Sindelfinger Mercedes-Werk. Mit dem für jeden Standort entwickelten Zukunftsbild 2020 hat Daimler in Verhandlungen mit der Belegschaft die jeweiligen Strategien entwickelt, um möglichst viele Arbeitsplätze halten zu können.

          Als „wesentlichen Baustein für eine gute Zukunft des Automobilstandortes Baden-Württemberg“ bezeichnete die Wirtschaftsministerin von Baden-Württemberg, Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU), die „Factory 56“ – weil damit zwei entscheidende Megatrends bedient würden, die Digitalisierung der Produktion und die Fahrzeugmodelle der Zukunft: „Nur wenn die Hersteller auf beiden Feldern den richtigen Weg gehen, wird Baden-Württemberg seinen Ruf als Premiumstandort der Industrie auf lange Sicht verteidigen und den Wohlstand im Land sichern können.“

          Aufgabe des Staates sei es, diesen Weg zu flankieren, indem die Innovationskraft der Wirtschaft unterstützt werde. Einen Baustein dazu liefere die für den Koalitionsvertrag in Berlin ausgehandelte steuerliche Absetzbarkeit der Forschungsförderung. Das sei im europäischen Ausland heute schon üblich und daher gerade für kleine und mittlere Unternehmen wichtig.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Hoffnungsvolle Begegnung: Der ukrainische Vatikanbotschafter Andrij Jurasch am Samstag mit Papst Franziskus in Rom

          Möglicher Besuch in Kiew : Versteht Franziskus die Ukrainer nicht?

          Es verdichten sich die Hinweise, dass der Papst demnächst in die Ukraine reist. Bis dahin müssen aber noch einige Fallstricke beiseite geräumt werden. Sie berühren Grundprinzipien vatikanischer Außenpolitik.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.