https://www.faz.net/-gqe-9tcoe

Mehr als 100 Millionen Nutzer? : Dieser Japaner bastelt an einem Internetriesen

Softbank-CEO Masayoshi Son Bild: AFP

In Japan und Korea bahnt sich die Geburt eines breit angelegten Tech-Konzerns an: Er soll es mit den Größen des Silicon Valleys aufnehmen.

          2 Min.

          In Japan und Korea bahnt sich die Geburt eines breit angelegten Internetkonzerns mit mehr als 100 Millionen Nutzern an. Das Internetportal Yahoo Japan, das vom Technologiekonzern Softbank gestützt wird, verhandelt mit dem Nachrichtendienst Line über eine Fusion. Käme es zum Zusammenschluss, entstünde ein Internetriese für Online-Handel, Werbung und Zahlungsverkehr mit einem Umsatz von rund 11 Milliarden Dollar.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Softbanks Gründer Masayoshi Son versucht mit der Fusion, ein schlagkräftiges Unternehmen zu formen, das es mit amerikanischen und chinesischen Internetgrößen aufnehmen kann. Beide Unternehmen bestätigten an diesem Donnerstag Gespräche, nachdem vorab japanische Medien darüber berichtet hatten. Es gebe aber keine endgültige Entscheidung über eine Fusion, hieß es.

          Line mit 82 Millionen Nutzern ist Japans größter Kurznachrichtendienst und spielt eine Rolle vergleichbar zu Whats App in Deutschland. Auch in Taiwan und in Thailand ist Line weit verbreitet Der Dienst ist bei jüngeren Japanern beliebt und bedient diese Klientel mit kindlichen Figuren wie einem kleinen Bär. Line gehört zu 73 Prozent dem südkoreanischen Internetunternehmen Naver und hat in den vergangenen Jahren in Bereiche wie internetgestützten Zahlungsverkehr und das Bankgeschäft expandiert. Line hat indes Schwierigkeiten, seine Nutzerzahl zu steigern und hat zuletzt Verluste gemacht.

          Schlechte Stimmung zwischen Japan und Südkorea

          Yahoo Japan ist immer noch eine der führenden Suchmaschinen und Internetportale in dem asiatischen Land, anders als das gleichnamige Unternehmen in den Vereinigten Staaten oder in Europa. Allein der Online-Handel von Yahoo Japan hat 29 Millionen Mitglieder. Erst vor zwei Monaten hatte das Unternehmen, das sich vor kurzem in Z Holdings umbenannt hatte, für umgerechnet 3,7 Milliarden Dollar das in Japan als unorthodox geltende Online-Modekaufhaus Zozo übernommen. Softbank Corp., das Mobiltelefonie-Unternehmen der Softbank Group, hält 44 Prozent an Z Holdings.

          Gemessen am Umsatz würde das neue Unternehmen den japanischen Marktführer im Online-Handel, Rakuten, überholen. Der Aktienkurs von Rakuten fiel am Donnerstag um 5 Prozent. Die Kurse der an der möglichen Fusion beteiligten Unternehmen legten zu. Softbank Corp. gewann 1,9 Prozent, Naver in Seoul 13,9 Prozent und Z Holdings 16,9 Prozent. Line wurde in Tokio vom Handel ausgesetzt. Line und Yahoo Japan ergänzen sich in vielen Bereichen. Line hat jene jungen Japaner als Kunden gewonnen, die sich dem Internet über ihr Handy nähern.

          Yahoo Japan dagegen hat eine ältere Kundschaft, die über Computer auf das Internet zugreift. Ein Geschäft mit Fusionspotential, das von beiden Unternehmen beackert wird, sind mobile Zahlungsdienstleistungen. Line Pay hat 37 Millionen Nutzer und PayPay von Softbank sowie Yahoo Japan Feld 19 Millionen Nutzer. Das gemeinsame Unternehmen würde von der finanziellen Schlagkraft des Technologie-Investors Softbank Group profitieren, der mit einem fast 100-Milliarden-Dollar-Fonds die Welt der Technologie-Startups umgekrempelt hat. Wie genau die Fusion umgesetzt wird, ist unklar.

          Eine Option sei die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens von Softbank und Naver, das größter Anteilseigner von Z Holdings würde, berichtete die japanische Wirtschaftszeitung Nikkei. Z Holdings würde dann zur Dachgesellschaft von Yahoo und Line. Hinter dem möglichen Zusammenschluss steht der charismatische Gründer von Softbank, der koreanisch-stämmige Japaner Son. Er liebäugelt schon lange mit Line und demonstriert mit dem Vorhaben, dass er trotz der jüngsten Rückschläge seiner Investitionen in den amerikanischen Büroraumvermieter Wework an Tatendrang nicht verloren hat.

          Die seltenen Fusionsgespräche zwischen einem japanischen und einem südkoreanischen Unternehmen kommen zu einer Zeit, in der die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Ländern im politischen Streit über die Entschädigung von ehemaligen südkoreanischen Zwangsarbeitern stark angespannt sind. Ein Zusammenschluss wäre ein Signal, das private Unternehmen trotz der politischen Querelen gemeinsame Interessen verfolgen könnten.

          Weitere Themen

          Das verborgene Universum

          Kostbarer Boden : Das verborgene Universum

          Boden ist wertvoll, nicht nur als Bauland. Unter unseren Füßen tut sich eine ganz eigene Welt auf, die das Leben über der Erde erst möglich macht.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.