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Hightech-Summit in München : Söder: Technologie-Wettstreit „intensiver als je zuvor“

Die bayerische Lichtgestalt Franz Josef Strauß nimmt in München jetzt die Form eines Roboters an. Bild: dpa

Der globale Wettstreit um die Technologie spitzt sich zu, glaubt Bayerns Ministerpräsident Markus Söder. Großes Lob für seine Politik erhält er von einem Robotik-Wissenschaftler. Und Siemens-Chef Kaeser will nicht über Klimaproteste reden.

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          Der bayerische Ministerpräsident und CSU-Vorsitzende Markus Söder drängt Deutschland dazu, mehr Geld in neue Technologien wie die Künstliche Intelligenz, das Quanten-Computing oder die Raumfahrt zu stecken. „Die Zukunft unserer Generation kann nur mit Forschung und Wissenschaft gelingen“, sagte er auf dem Hightech Summit in München. Der Wettbewerb in diesem Bereich sei heute „intensiver als je zuvor“.

          Alexander Armbruster

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          Söder mahnte mit Blick auf die Auseinandersetzung zwischen den Vereinigten Staaten und China, neben der natürlichen Konkurrenz in diesem Bereich komme heute als zusätzliche Herausforderung das Streben nach technischer Dominanz in einer Art und Weise hinzu, in der auch die Forschung teils in andere Interessen eingeordnet werde. Herausragende eigene Fähigkeiten seien nötig, um internationale Regeln mitbestimmen zu können, sagte er in Bezug gerade auf die Künstliche Intelligenz, in der es in den vergangenen Jahren aufgrund der immer schnelleren Rechner und immens gestiegenen verfügbaren Datenmengen technische wie kommerzielle Durchbrüche gab. Nur wer in der „Daten-Opec der Welt“ dabei sei, könne auch künftig über Standards mitbestimmen und eigene Produkte etablieren.

          Söder brachte unlängst ein 2 Milliarden Euro umfassendes Technik-Programm (Hightech Agenda Bayern) auf den Weg. Dazu zählen unter anderem 1000 neue Professuren in technischen Bereichen und 13.000 neue Studienplätze über Bayern verteilt. Von den ebenfalls avisierten 100 neuen KI-Professuren hat Bayern schon 50 vergeben, erklärte der Ministerpräsident unlängst im Gespräch mit der F.A.Z.

          Kaeser will Erfindergeist

          „Was gerade in Bayern passiert, haben wir bislang weder irgendwo sonst in Deutschland noch in Europa gesehen“, sagte der an der TU München forschende international anerkannte Robotik-Fachmann Sami Haddadin. Er selbst hatte vor wenigen Jahren die Wahl, an die Stanford-Universität an der amerikanischen Westküste zu wechseln, sich dann aber für München entschieden. Der deutsche Schwerpunkt in der KI könne die Industrie und der Mittelstand sein. Haddadin mahnte zugleich, unbedingt in Netzwerken zu planen – Bayern und auch Deutschland insgesamt seien international zu klein, um allein eine tragende Rolle zu spielen.

          Söder mit einer 3D-Figur von sich selbst

          Der Siemens-Vorstandsvorsitzende Joe Kaeser bekräftigte, wie wichtig echte neue Ideen und Erfindergeist gerade für ein Land von der Größe der Bundesrepublik seien. Mit Blick auf die Anstrengungen zumal in China sagte er, „wir haben nicht 1,4 Milliarden Menschen, mit denen wir jeden Tag skalieren üben“ könnten. Deutschland und besonders Bayern sei nach wie vor ein begehrenswerter Standort. Dabei verwies Kaeser ausdrücklich auch auf das soziale Gefüge. Im Silicon Valley etwa sei die Obdachlosenrate deutlicher höher und dabei zeige sich auch, wie Technologie viele Menschen ausgrenzen könne.

          Mehr Geld für Spitzenkräfte

          Bezogen auf die andauernden Klimaproteste fügte er wiederum hinzu, dass er auf dem Hightech Summit auch einmal über die Zukunft des Landes reden wolle. Auch der bayerische Ministerpräsident übte indirekt Kritik an den Protesten und Teilen der Klimadebatte insgesamt. „Jedes Land der Welt fördert seine wichtigsten Industrien, wir ziehen mit einer Hassliebe zu Felde“, bemängelte er den öffentlichen Diskurs über die deutsche Automobilbranche.

          Jürgen Schmidhuber, der in den neunziger Jahren einen grundlegenden KI-Lern-Algorithmus erdachte, beklagte gegenüber der F.A.Z., dass die Verdienstmöglichkeiten für Spitzenforscher in Deutschland nach wie vor zu gering seien – verglichen nicht nur mit Spitzenuniversitäten in anderen Teilen der Welt, sondern auch mit dem, was etwa führende Tech-Konzerne wie Google oder Facebook bieten. Das bayerische Programm sei ambitioniert gemessen daran, was im Rest Deutschlands geschehe. Die mit der bayerischen Wirtschaftskraft vergleichbare chinesische Metropole Schanghai investiere hingegen beispielsweise in einer anderen Kategorie.

          „Wir müssen selbst stark sein, damit die Besten mit uns kooperieren wollen“, sagte seinerseits der Präsident der TU München, Thomas Hofmann. „Deutschland muss mehr tun, nicht nur in punkto Summe sondern auch Geschwindigkeit“, mahnte schließlich Söder. Angela Merkel habe ihm zu der Initiative gratuliert, sagte er und fügte mit einem Augenzwinkern hinzu: „Und glauben Sie mir, die Kanzlerin lobt Bayern nur, wenn sie muss.“

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