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Qualifyze : Mario Götze investiert in Frankfurter Start-up

Mario Götze, hier noch im Dress von Borussia Dortmund, sucht einen neuen Club. Ein Start-up hat er schon gefunden. Bild: dpa

Mario Götze hat Deutschland 2014 zum WM-Titel geschossen. Jetzt wird der 28-Jährige zum Investor in der Digitalbranche.

          2 Min.

          Wo Mario Götze (28) in der kommenden Saison seine Fußballstiefel schnüren wird, ist noch nicht raus. Erfahren hat die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung dagegen schon, wo der Schütze, der im Finale der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 das entscheidende Tor gegen Argentinien schoss, zumindest einen Teil seines in bislang elf Spielzeiten als Profikicker verdienten Vermögens anlegt. Der offensive Mittelfeldspieler, zuletzt bei Borussia Dortmund unter Vertrag und derzeit noch auf der Suche nach einem neuen Verein, steigt als neuer Investor beim Frankfurter Start-up Qualifyze ein.

          Sebastian Balzter
          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die vor drei Jahren gegründete Tech-Firma versorgt Unternehmen aus der Pharmabranche mit Auskünften über die Qualität ihrer Lieferanten. Wegen der hohen regulatorischen Ansprüche an die Sicherheit von Arzneimitteln ist das in der Branche eine gefragte Dienstleistung. Jedenfalls verweist David Schneider, der 32 Jahre alte Gründer von Qualifyze, schon heute auf mehr als 150 Kunden und ein stetig wachsendes Netz sogenannter Auditoren, die im Auftrag des Start-ups aus Deutschland die Herstellungsbedingungen und Qualitätssicherungsverfahren von Pharmazulieferern aus aller Welt in Augenschein nehmen.

          David Schneider (links) und Florian Hildebrand, Gründer und Geschäftsführer von Qualifyze
          David Schneider (links) und Florian Hildebrand, Gründer und Geschäftsführer von Qualifyze : Bild: Qualifyze

          Das Geschäftsmodell nimmt Anleihen bei klassischen Auskunfteien wie der Schufa, aber auch bei Online-Bewertungsplattformen wie der des Unterkunftsvermittlers Airbnb. Die Berichte der Qualitätsinspektoren werden zwar gewöhnlich erst einmal im Auftrag eines einzelnen Kunden erstellt, gegen Gebühr aber auch weiteren Interessenten überlassen. Hat ein Arzneimittelhersteller einen Zulieferer schon auf eigene Rechnung unter die Lupe genommen, kann ein Teil der Kosten dafür wieder hereinkommen, wenn sich für die dabei gesammelten Informationen bei Qualifyze weitere zahlungsbereite Firmen interessieren.

          „Es ist unsere Pflicht, hier etwas zu tun“

          Es versteht sich von selbst, dass die Daten mit einer Software aufbereitet werden und dass für die Vermittlungsdienste eine Provision anfällt. Im Idealfall der schönen neuen Digitalwelt profitieren davon alle, weil die Lieferanten seltener störenden Besuch von ihren Kunden bekommen, diese sich aber trotzdem auf die Einhaltung der Qualitätsstandards verlassen können.

          Steigender Nutzen bei sinkenden Kosten, das ist das Versprechen, dem neben Mario Götze nun auch erfahrene Wagniskapitalgeber wie die Berliner Investmentfirma Rheingau Founders ihr Vertrauen schenken. In drei Jahren, kündigt Schneiders Co-CEO Florian Hildebrand (30) an, soll das derzeit noch unter der Sammeladresse eines Frankfurter Co-Working-Space residierende Unternehmen Gewinn erzielen – und einen zweistelligen Millionenbetrag im Jahr umsetzen.

          Wie Mario Götze für seine Geldanlage ausgerechnet auf dieses Start-up gestoßen ist? Andere Fußballprofis bleiben als Investoren deutlich näher an ihrem eigenen Fachgebiet. Ex-Nationaltorhüter Oliver Kahn (51) beispielsweise hat sich auf Torwarthandschuhe und eine App fürs Torwarttraining („Goalplay“) verlegt. „Als Profisportler und Vater liegt mir das Thema Gesundheit natürlich sehr am Herzen“, lässt Götze zu seiner Entscheidung wissen. Die Audit-Plattform lege einen Grundstein zur Bewältigung vieler aktueller Herausforderungen. Ein besserer Überblick über die Lieferketten mache die Versorgung mit Arzneimitteln robuster. „Covid-19 hat viele Schwachstellen gezeigt. Es ist unsere Pflicht, hier etwas zu tun.“

          Aber die inhaltlichen Argumente waren es womöglich nicht allein, die Götze zum Einstieg veranlasst haben. Auch persönliche Sympathie mag eine Rolle gespielt haben: Florian Hildebrand, einer der beiden Qualifyze-Chefs, hat nicht nur eine Vergangenheit beim Duisburger Stahlhändler Klöckner & Co. als Assistent von Vorstandschef Gisbert Rühl (61), der als Digitalisierungsvorkämpfer bekannt geworden ist. Er ist auch in Dortmund aufgewachsen, nach eigener Auskunft bekennender Borussia-Fan – und er ging einst auf dieselbe Schule wie Mario Götzes älterer Bruder.

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