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Clubhouse-Investor Andreessen : Der heimliche König des Silicon Valley

Marc Andreessen hat bereits viele Internetgiganten mitfinanziert. Bild: © 2016 Bloomberg Finance LP

Der Hype um die Social-Media App Clubhouse ist in Deutschland angekommen. Dahinter steckt Marc Andreessen, der schon viele Internetkonzerne finanziert hat. Die Plauder-App ist sein neuester Streich.

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          Er hat es mal wieder geschafft. Wenn halb Deutschland darüber redet, dass sich Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow in der neuen App Clubhouse blamiert hat, dann ist das ein Erfolgsbeweis für einen ganz anderen Mann, 15 Jahre jünger und 9000 Kilometer entfernt: für Marc Andreessen, den heimlichen König des Silicon Valley. Twitter, Skype und Instagram, die Spieleschmiede Zynga und Slack, die Kommunikationsplattform für Kollegen – praktisch immer, wenn es im amerikanischen Internet spannend wird, haben Marc Andreessen und seine Firma ihre Finger drin. In den Verwaltungsräten beaufsichtigte er Ebay und Hewlett-Packard Enterprise. Den Facebook-Gründer Mark Zuckerberg überzeugte er, sein Unternehmen nicht an Yahoo zu verkaufen, sondern es selbst groß zu machen.

          Patrick Bernau
          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Er war ja auch einer der Ersten im World Wide Web. Andreessen ist noch keine 50 Jahre alt, aber er verdient sein Geld mit dem Netz praktisch, seit es das Web gibt. Als Student erfand er an der Universität von Illinois 1993 den ersten modernen Webbrowser namens Mosaic. Mit dem machte er sich kurze Zeit später im Silicon Valley selbständig. Nur weil die Universität nicht wollte, dass er den Namen in sein Privatunternehmen übernimmt, erfand er einen neuen Browser: Netscape. Seine Schöpfung wurde in den Neunzigern das verbreitetste Programm, um ins Internet zu kommen. Doch dann entdeckte Microsoft das Netz. Andreessen schaffte es noch, das Unternehmen Netscape für mehr als vier Milliarden Dollar an AOL zu verkaufen. Das Programm selbst war da schon für die nichtkommerzielle Weiterentwicklung freigegeben. Aus diesem Projekt erwuchs Firefox, mit dem heute immer noch rund 10 Prozent der Deutschen ins Internet gehen.

          Auch Andreessens nächste eigene Firma wurde zum Milliardenunternehmen. Es war ein Internetdienstleister für Unternehmen. Schließlich begann Andreessen zusammen mit seinem Geschäftspartner Ben Horowitz, in Start-ups zu investieren. Andreessen kennt praktisch jeden in der amerikanischen Internet-Welt, auch weil er ein witziger Gesprächspartner und hervorragender Unterhalter ist– und damit wie geschaffen für seinen jüngsten Hit: die Plauder-App Clubhouse, die sein Unternehmen mitfinanziert hat.

          Zwischen Bar-Small-Talk und Podiumsdiskussion

          Clubhouse ist eine Smartphone-App, deren Nutzer sich zum Gespräch treffen können, ohne Video, nur per Ton. Es ist wie eine Kombination aus Twitter und Telefonkonferenz. Mal sitzen nur zwei oder drei Leute in einem Gesprächsraum, mal sind es 5000, von denen allerdings nur eine Handvoll das Mikrofon anmachen darf. Es entstehen Bar-Small-Talk unter Freunden und ausgewachsene Podiumsdiskussionen, mit fließendem Übergang. Bis heute beteiligt sich auch Andreessen praktisch täglich an den Gesprächen, auch wenn in der Investmentgesellschaft eigentlich ein anderer Kollege für Clubhouse zuständig ist.

          Keine Frage: Die App kam zur richtigen Zeit, während des Lockdowns, wo sich niemand persönlich in der Kneipe trifft und Podiumsdiskussionen so nicht stattfinden, aber viele Leute einsam mit einer Menge Zeit zu Hause rumsitzen. In Deutschland begann der Hype Mitte Januar, als zwei Podcaster die App einführten und sie sich schnell in gleich zwei elitären Gruppen verbreitete: unter den Technikbegeisterten einerseits, in der Berliner Welt von Politikern und ihren Mitarbeitern, Lobbyisten und Journalisten andererseits.

          Endlich hatten diese beiden Blasen mal wieder einen unkomplizierten Treffpunkt, den man sogar ungeduscht im Schlafanzug besuchen konnte und in dem sie weitgehend unter sich waren: Erstens gibt es die App bisher nur für das teure iPhone, zweitens braucht jeder neue Teilnehmer die Einladung eines vorhandenen – eine überwindbare Hürde –, und drittens haben viele andere die neue App noch nicht für sich entdeckt. Es dauerte nur eine starke Woche, dann hatten sich Twitter-Größen und Instagram-Influencer ihre Position im neuen Netzwerk gesichert und dafür gesorgt, dass sie durch frühe Präsenz auch mit den größten Follower-Zahlen in das neue Netzwerk starten.

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