https://www.faz.net/-gqe-98p1c

Macrons düstere Prognose : „Wacht auf. Sie sind zu groß“

  • Aktualisiert am

„Sie zahlen nicht alle Steuern, die sie zahlen sollten“

Ihre möglicherweise zu große Marktmacht ist nach Ansicht Macrons aber nicht das einzige Problem, mit dem sich „Big Tech“ auseinandersetzen muss. Ein weiteres sei eine „territoriale Angelegenheit aufgrund der Tatsache, dass sie total digitale Spieler“ seien. Sie wirbelten traditionelle Branchen durcheinander. „In mancher Hinsicht kann das gut sein, weil sie auch neue Lösungen bereitstellen.“ Allerdings müssten infolgedessen Menschen weitergebildet oder umgebildet werden. „Die Unternehmen werden dafür nicht zahlen, die Regierungen werden das tun“, so Macron. „Heute zahlen die GAFA (diese Abkürzung steht für Google, Apple, Facebook und Amazon) nicht alle Steuern in Europa, die sie zahlen sollten.“

Als dritte Herausforderung für die großen Technologieunternehmen (und ihn) nannte Macron schließlich den Datenschutz. Darüber müssten die Menschen souverän entscheiden können. „Frankreich und Europa haben ihre eigenen Vorstellungen in dieser Hinsicht“, sagte der Präsident: „Ich möchte Datenschutz in dieser oder jener Art und Weise. Es gibt nicht dieselben Regeln in den Vereinigten Staaten. Wenn ich über die amerikanischen Wettbewerber spreche, lautet die Frage: Wie kann ich den Franzosen garantieren, dass die amerikanischen Unternehmen unsere Regulierung respektieren werden?“

Die Einschätzung, dass der Druck auf die Technologie-Branche wächst, macht derweil nicht nur in der Politik die Runde, sondern auch unter Anlegern an den Finanzmärkten. „Diese fetten Kälber sind reif dafür, von den Regierungen überall gerupft zu werden“, sagte der britische Milliardär und Finanzinvestor Jim Mellon gerade dem amerikanischen Finanzsender CNBC und meinte damit vor allem das soziale Netzwerk Facebook, aber auch Google. Mit Blick auf Facebook fügte er hinzu: „Wenn ich Mark Zuckerberg wäre, würde ich erwarten, dass sich mein Aktienkurs in den kommenden Jahren halbiert.“ Und er ergänzte noch: „Wir werden eine Dezimierung besonders von Facebook erleben.“

Verschiedene Kartellbehörden untersuchen derzeit die Marktmacht von Facebook und Google, der amerikanische Präsident Donald Trump schießt öffentlich in nie dagewesener Weise gegen den Onlinehändler Amazon, strengere Datenschutzgesetze treten demnächst in Europa in Kraft. Experten haben diesem Szenario längst den Begriff „Techlash“ gegeben – eine Wortkreation, die einen breiten Rückschlag für die Technologiebranche, für Facebook, Google und Co. beschreibt.

Sogar die konservative amerikanische Denkfabrik American Enterprise Institute organisierte im November eine Diskussionsrunde zur Frage, ob zum Beispiel Facebook, Google oder Amazon aufgespalten werden sollten. Luigi Zingales, ein Ökonom an der Chicago Booth School, der nicht für seine Vorliebe für Staatseingriffe bekannt ist, argumentierte dafür, dass der Staat reguliert oder diesen Unternehmen das wenigstens androht. Andrew McAfee, Wissenschaftler am MIT in Boston, hielt dagegen mit dem Argument, dass beispielsweise Microsoft den Aufstieg Googles oder Apples nicht habe kommen sehen, weil die Entscheider schlicht die wachsende Bedeutung der Internetsuche und des Mobilen unterschätzten – und nicht, weil der Staat zuvor gegen Microsoft aktiv geworden sei.

Weitere Themen

Topmeldungen

Donald Trump bei seiner Videobotschaft an die UN-Vollversammlung

Corona-Pandemie : Trump vor UN: China zur Rechenschaft ziehen

Amerikas Präsident wirft Peking zum Auftakt der UN-Generaldebatte vor, die Welt falsch über die Ausbreitung des Coronavirus informiert zu haben. UN-Generalsekretär Guterres warnt vor einem Kalten Krieg zwischen beiden Staaten.

Neue Stadtteile : Deutschland baut XXL

In den Metropolen fehlen zehntausende Wohnungen. Gegen den Mangel soll Neubau helfen, überall entstehen neue Stadtteile. Wir stellen die größten Projekte vor.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.