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Twitch : Das nächste Youtube

  • -Aktualisiert am

Viele Youtuber nutzen gerne die Vorteile, die die Livestream-Plattform Twitch ihnen bietet. Bild: AFP

Internet-Stars nehmen sich immer weniger Zeit für Youtube. Stattdessen übertragen sie ihr Leben live auf einer anderen Plattform: Twitch. Das bringt ihnen Millionen.

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          Mehr als 2,5 Millionen Abonnenten hat der Youtuber Nicolas Lazaridis, der einen der größeren deutschen Youtube-Kanäle namens „inscope 21“ betreibt – und eigentlich verspricht er ihnen jeden Mittwoch und jeden Sonntag ein neues Video. Doch im ganzen Juli kam nur eines. Und das war nicht mal zehn Minuten lang. Macht Lazaridis Urlaub? Nein. Seinen Humor verbreitet er immer noch – nur eben auf einer anderen Website. Sie heißt Twitch. Dort hat Lazaridis im Juli 60 Stunden lang gesendet, auch wenn ihm dort im Moment nur 600.000 Menschen folgen. Auf Youtube hat Lazaridis inzwischen einen prominenten Link zu seinen Videos auf Twitch hinterlassen.

          Lazaridis ist längst nicht der Einzige, der das so macht. So mancher bekannte Youtuber schickt weniger Videos auf Youtube als früher. Mancher steckt mehr Zeit in Instagram, aber viele nutzen eben auch Twitch. Lazaridis, Justin Fuchs, Marcel Eris alias Montana Black – die Liste ist lang.

          Dabei ist Twitch gar keine sonderlich neue Plattform. Schon 2011 ging sie online und wurde groß mit Live-Übertragungen von Videospielen. Inzwischen ist Twitch die größte Live-Streaming-Plattform der Welt. Youtuber werden dort zu Live-Streamern, das bedeutet, dass Fans ihren Idolen dabei zusehen können, wie sie in Echtzeit alles Mögliche tun – sie spielen längst nicht mehr nur Videospiele, sondern surfen durchs Internet, kaufen online ein oder essen zu Abend. Tausende gucken zu. Für sie ist es ein bisschen so, als wären sie bei ihrem Idol zu Hause.

          Plattform lockt mit Authentizität

          Das kommt bei den Zuschauern gut an. Während die Welt darüber diskutiert, ob die chinesische Kurzvideo-App Tiktok zwischen die Fronten eines neuen Machtkampfs von China und den Vereinigten Staaten gerät, gewinnt Twitch das Engagement der Internet-Stars. Millionen von Nutzern gucken stundenlang Twitch. Einer Umfrage des „Global Web Index“ zufolge nutzten um den Jahreswechsel zwölf Prozent der Deutschen zwischen 16 und 64 Jahren Twitch, Tiktok dagegen nur 8 Prozent. All das ist noch weit von der Reichweite der großen sozialen Netzwerke wie Facebook oder auch Youtube entfernt – doch Tiktok und Twitch wachsen schneller.

          Verglichen mit den ausgefeilt geplanten und oft stundenlang produzierten Kurzvideos auf Tiktok, verspricht Twitch den Zuschauern mehr Authentizität. Sie können über einen Live-Chat Nachrichten schreiben. Im Idealfall reagiert der Streamer darauf, und es entsteht ein Dialog. Sowieso muss der Social-Media-Star zumindest ein bisschen Kontrolle abgeben, sobald er den Live-Stream startet. Bei mehreren Stunden Streaming-Zeit kann viel passieren; dass die Mutter beispielsweise ins Zimmer kommt, um den Sohn zu ermahnen, oder nach dem Essen fragt, ist hier keine Seltenheit. Für die Stars schafft Twitch den Anschein eines transparenten Mikrokosmos, den ihre Fans mitverfolgen und dabei die Persönlichkeit ihrer Idole zu spüren bekommen.

          Allein im ersten Quartal dieses Jahres haben die Twitch-Nutzer nach einer Auswertung von Streaminglabs über drei Milliarden Stunden verschiedenen Live-Kanälen zugesehen. Amazon hat das Potential von Twitch schon 2014 erkannt und den Dienst für eine Milliarde Dollar gekauft.

          Auch von Extremisten genutzt

          Die Konkurrenz wurde hellhörig. Ende 2019 warb Mixer, Microsofts Streaming-Plattform, den größten damaligen Twitch-Streamer für einen Exklusivvertrag ab. Dafür soll er von Microsoft zwischen 20 und 30 Millionen Dollar erhalten haben. Das hat wenig geholfen, Mixer erreicht gerade einmal einen Marktanteil von zwei Prozent. Gerade hat Microsoft Mixer endgültig geschlossen. Google stellt mittlerweile die Live-Übertragungs-Möglichkeiten bei Youtube in den Vordergrund, und Facebook probiert es mit „Facebook Gaming“.

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