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Lehre aus dem Fall Huawei : Die Wiederentdeckung der freien Software

  • -Aktualisiert am

Huawei ist auch außerhalb Chinas sehr erfolgreich – bislang. Bild: EPA

Es ist wichtig, wieder mehr über Programme nachzudenken, die nicht von großen Konzernen lizenziert werden – und damit Teil von Machtpolitik werden können. Gerade in Europa.

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          Google verweigert dem chinesischen IT-Konzern Huawei den Zugang zu den proprietären Komponenten des mobilen Betriebssystems Android. Das ist eine Meldung, die ein paar Tage vor der Europawahl nicht nur Huawei-Handykunden interessieren sollte. Es stellt sich vielmehr eine grundsätzliche Frage: Wie abhängig will sich die Welt, in diesem Fall aber eben besonders Europa, von proprietärer Software machen, die unter der Kontrolle von Unternehmen (und damit auch der Regierungen) ferner Länder ist?

          Der Vorfall ist ein weiterer Hinweis darauf, dass sich Politik und Wirtschaft wieder stärker und vor allem ernsthafter mit den Chancen und Möglichkeiten freier Software befassen sollten. Stärker in jedem Fall, als dies nach dem Ende der allgemeinen Open-Source-Begeisterung vor ungefähr 10 bis 15 Jahren geschehen ist.

          Was ist passiert? Huaweis Telefone werden mittelfristig keine Updates mehr für das Android-Betriebssystem erhalten, also nach Ablauf der nun von der amerikanischen Regierung gewährten 90-Tage-Frist. Sie haben dann auch potentiell keinen Zugriff auf die proprietären Google-Anwendungen und -Dienste wie Google Mail und Google Play mehr. Die Handys werden dadurch obendrein unsicherer, denn die Nutzer werden künftig auch wichtige Sicherheitsupdates verpassen.

          Nun ist Android eigentlich ein Programm, das unter einer Lizenz für freie Software genutzt werden darf. Dabei handelt es sich aber zum einen nur um eine Basisversion, zum anderen wird diese mit proprietären Anwendungen und Diensten gebündelt.

          Die EU muss handeln

          Nur freie beziehungsweise Open-Source-Software (Kenner mögen verzeihen, dass die Begriffe hier synonym verwendet werden) ermöglicht die von wirtschaftlichen und politischen Großinteressen unabhängige Kontrolle über Technologie. Der aktuelle Fall hingegen zeigt abermals, dass gerade die EU trotz ihrer grundsätzlich erheblichen Wirtschaftskraft keinen Einfluss auf externe Technologieanbieter hat. Anstatt auf den Eintritt eines zukünftigen europäischen IT-Monopolisten zu warten – oder diesen gar durch fehlgeleitete Industriepolitik herbeisubventionieren zu wollen, sollte daher Open-Source-Software erheblich stärker ins Blickfeld rücken. Aber auch Unternehmen können etwas tun, indem sie so viel freie Software wie möglich in ihren Wertschöpfungsketten einsetzen.

          Worauf auch die „Free Software Foundation Europe“ zu Recht hinweist: Der aktuelle Fall zeigt, dass die Vereinigten Staaten Google zwar zwingen konnten, die Lieferung ihrer proprietären Produkte einzustellen, aber nicht die Lieferung der Komponenten freier Software von Android stoppen konnten.

          Hätte Huawei mehr Ressourcen in Freie-Software-Anwendungen und -Dienste investiert, wäre das Unternehmen nun nicht so hart getroffen. Auch hierüber sollte man nachdenken.

          Und sollte nicht gerade Code für alle kritischen Infrastrukturen unter einer Lizenz für freie Software veröffentlicht werden? Dann würde auch über den Einfluss von Huawei als dominierendem Ausrüster für moderne Mobilfunknetze anders diskutiert werden.

          Das Thema Programmcode ist zudem mit der Frage verbunden, wer wann welche Daten von Nutzern sammelt und darauf entsprechenden Zugriff erlangt. Auch hier muss Europa aufwachen und sich Regeln geben, die Wettbewerb und freie Innovation ermöglichen.

          Zu diesen Regeln muss gehören, dass Unternehmen die Kontrolle über die von ihnen generierten Daten behalten. Es geht darum, dass Eigentümer ihre Daten auch unabhängig von einer bestimmten Software lesen, ändern und löschen können müssen, dass Software überprüfbar und frei veränderbar sein muss. Auch dafür braucht es Open-Source-Software.

          Sonst gibt es keine Nachprüfbarkeit, kein Vertrauen, viel geringere Innovations-Spielräume – oder vielleicht irgendwann sogar überhaupt keine IT-Innovationen aus Europa mehr. Die Gefahr ist da, wenn der Zugang zur entsprechenden Software einfach von Dritten unterbunden wird. Huawei ist genau das gerade passiert.

          Carsten Knop

          Chefredakteur digitale Produkte.

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