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Technik-Wettlauf : Ein Weckruf für die Zukunft Europas

Roboter des Antriebstechnikunternehmen HIWIN aus Taiwan schwenken Lichtschwerter auf der Hannover Messe 2018. Bild: dpa

Die Bilanz der Vordenker der Europäischen Kommission zum Stand der Künstlichen Intelligenz in der EU fällt ernüchternd aus. China und Amerika haben demnach überholt. Eine Chance gibt es aber noch.

          8 Min.

          Manchmal ist lesen besser als reden. Denn über Künstliche Intelligenz reden schon viele: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf der Hannover Messe zum Beispiel. Und am 25. April auch die Europäische Kommission, wenn sie eine Strategie zum Umgang mit der Künstlichen Intelligenz (KI) vorlegen will. Aber schon vor ein paar Wochen hat die Denkfabrik (der „Think Tank“) der Europäischen Kommission ein Papier veröffentlicht, das in der breiten Öffentlichkeit völlig unbeachtet geblieben ist – obwohl es ein lauter Weckruf an alle europäischen Politiker ist, von der Kanzlerin bis hin zur Kommission. Ob es gelesen wurde, darf bezweifelt werden. Aber vielleicht ist es für die Erkenntnisse des „European Political Strategy Centre“ (EPSC) zur Künstlichen Intelligenz dennoch nicht zu spät.

          Schon die Bestandsaufnahme der Forscher fällt erschreckend aus. Nur 4 Prozent aller Daten, die auf der Welt verarbeitet werden, werden in der EU gespeichert. Nur 25 Prozent der großen Unternehmen in der EU und sogar nur 10 Prozent der für die Wirtschaft noch viel wichtigeren kleinen und mittelgroßen Unternehmen (KMU) in der EU nutzten im vergangenen Jahr Big-Data-Analysen, heißt es in dem Papier. Und trotz der offensichtlichen Nachfrage nach technologischen Fähigkeiten hat ein erheblicher Teil der EU-Bevölkerung, nämlich 37 Prozent der europäischen Arbeitskräfte, noch nicht einmal grundlegende digitale Fähigkeiten. Die Europäische Kommission prognostiziert eine Lücke von 750.000 offenen Stellen bis zum Jahr 2020 zwischen Nachfrage und Angebot von IKT-Fachleuten. In den meisten EU-Mitgliedstaaten machen Datenwissenschaftler weit weniger als 1 Prozent der Gesamtbeschäftigung aus.

          In Europa mangelt es zwar nicht an Forschungszentren für Künstliche Intelligenz. Universitäten bleiben jedoch oft in einem Vakuum, ohne Verbindungen zu anderen Forschungseinrichtungen, ohne nennenswerte Unterstützung durch öffentliche Mittel und in unsystematischen Beziehungen zu Unternehmen. Die KI-Labors der europäischen Universitäten verfügen nicht über die Ressourcen, um sich zu vergrößern und zu vernetzten Kraftwerken zu werden, die in der Lage sind, an ambitionierten groß angelegten Forschungsprojekten oder kommerziellen Anwendungen zu arbeiten.

          Der „AI-Multiplikatoreffekt“

          Und während große Unternehmen zwar in der Lage sind, KI-Technologien zu nutzen, um ihre eigenen Systeme zu verbessern (Sprache, Gesichtserkennung, persönliche Assistenten, Bot-zu-Bot-Kommunikation), sehen sich kleinere Unternehmen mit erheblichen Einschränkungen konfrontiert. Darunter der Mangel an qualifiziertem Personal und höheren Investitionskosten, Schwierigkeiten bei der Bewertung der wirtschaftlichen Erträge oder einfach Zweifel an der möglichen Integration von KI in das Unternehmen.

          Darüber hinaus hätte Europa zwar das Potential, das Rückgrat seiner Wirtschaft – seine hochproduktive Fertigungs- und Industriebasis, die derzeit rund 23 Prozent des BIP ausmacht – zu nutzen, um im Internet der Dinge (IoT) und in der Künstlichen Intelligenz voranzukommen. Dann aber folgt sogleich eine erhebliche Einschränkung durch die Vordenker der EU: „Ein Großteil dieses Sektors ist jedoch heute noch weitgehend in einer analogen Welt tätig“, schreiben sie.

          Was dann kommt, sind eine Menge Konjunktive: Würde ein Verbundsystem von Maschinen und von KI-gestützten Technologien aufgebaut, würden europäische Unternehmen einen „AI-Multiplikatoreffekt“ erzielen. Sie würden nicht nur effizienter, sondern auch in der Lage sein, riesige Mengen maschinengenerierter Daten als Nebenprodukt des Betriebs zu erfassen und zu analysieren. 

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