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Technik-Wettlauf : Ein Weckruf für die Zukunft Europas

Datenschutz in China: nicht vorhanden

Der Indikativ, der sich anschließt, ist ernüchternd: „Europas Herausforderung ist die ungleiche Geschwindigkeit, mit der KI auf der ganzen Welt entwickelt wird. Orte wie das Silicon Valley zum Beispiel haben einen einzigartigen wirtschaftlichen Rahmen, der disruptive Innovationen mit starken kommerziellen Anwendungen unterstützen soll. Es ist auch ein Ort, an dem die essentielle Zutat für KI, nämlich die Daten, leichter verfügbar ist. Dies ist auch in China der Fall, wo das regulatorische Umfeld in Bezug auf den Datenschutz oder die Kontrolle personenbezogener Daten wenig bietet und große öffentliche und private Investitionen weiterhin in die KI-Entwicklung fließen“, heißt es in dem Papier, das die Forscher im Original auf Englisch vorgelegt haben.

Zudem: 93 Prozent der chinesischen Kunden sind bereit, Standortdaten mit ihrem Autohersteller zu teilen, verglichen mit nur 65 Prozent der Deutschen und 72 Prozent der Amerikaner. Das ist ein großer Pluspunkt für China.  „Während China weiterhin eine Chance für europäische Unternehmen darstellt, die im Ausland investieren und expandieren wollen, wird es auch zunehmend zu einem ernstzunehmenden Konkurrenten, wenn chinesische Firmen fortschrittlichere KI-Technologien implementieren und mit größeren zusammenarbeiten können“, schreibt der Think-Tank. Chinas Bemühungen auf der Unternehmensseite spiegelten sich in der Wissenschaft wider, wo chinesische Forscher derzeit mehr Zeitschriftenartikel zum Thema Deep Learning veröffentlichen als ihre amerikanischen oder europäischen Kollegen. 

Es schließt sich die nächste Ohrfeige für die Politik an: Während die europäische Wissenschafts- und Forschungsbasis vergleichsweise stark sei, leidet sie nach Ansicht des EU-Think-Tanks unter der seit langem bestehenden Unfähigkeit, vielversprechende Erfindungen zu echten Innovationen zu machen, was zu einem Mangel an auf der ganzen Welt  erfolgreichen, ansehnlichen digitalen Unternehmen führe. Auch beim Blick auf die Zahl der Patentanträge hinkt Europa den Vereinigten Staaten und China hinterher. Während sich die Zahl der in Indien eingereichten IKT-Patente zwischen 2002 und 2015 mehr als verdoppelte und in China um 50 Prozent stieg, gingen die durchschnittlichen Einreichungen in der EU (28 Mitgliedsstaaten) in derselben Zeitspanne sogar zurück.

Im Jahr 2016 steckten externe Investoren zwischen 900 Millionen und 1,3 Milliarden Euro in europäische Unternehmen. Aber sie investierten zwischen 1,2 und 2 Milliarden Euro in asiatische und 4 bis 6,4 Milliarden Euro in nordamerikanische Unternehmen. Und obwohl einige große europäische Unternehmen in KI investieren (ABB, Bosch, BMW, Siemens), waren die internen Unternehmensinvestitionen 2016 in Europa ebenfalls deutlich niedriger.

Ein Billionen-Effekt für das Wachstum

Warum ist das ein Problem? Schätzungen zufolge werden schon  in diesem Jahr 20 Prozent aller globalen Geschäftsinhalte maschinell erstellt, und bis zum Jahr 2020 werden KI-Bots 85 Prozent aller Kundendienst-Interaktionen übernehmen. Die wirtschaftlichen Auswirkungen von KI werden erheblich sein und viele Chancen für die Länder und Unternehmen eröffnen, die sich der KI verschrieben haben.

Denn KI könnte bis zum Jahr 2030 rund 12,8 Billionen Euro zur Weltwirtschaft beitragen, was einem Anstieg von 14 Prozent gegenüber dem heutigen globalen BIP entspricht. Es wird erwartet, dass 7,4 Billionen Euro von der Nachfrage nach neuen Produkten stammen könnten, während 5,4 Billionen Euro durch höhere Marktproduktivität generiert werden könnten. Die Forscher vermuten, dass die KI die Produktivität bis 2035 um bis zu 40 Prozent steigern könnte.

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