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Alexander Armbruster (ala.)

Künstliche Intelligenz : Ethik ersetzt keine erfolgreichen Produkte

Frank-Walter Steinmeier will die Digitalisierung erforschen. Bild: dpa

Auch der Bundespräsident legt leider nahe, Deutschlands digitale Herausforderung sei vornehmlich eine ethische. Dabei hapert es eher woanders.

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          Technischer Vorsprung bedeutet Macht, Einfluss und Erfolg. Zu erkennen ist dies derzeit besonders eindrücklich an der eskalierenden Auseinandersetzung zwischen den Vereinigten Staaten und China. Der amerikanische Außenminister Mike Pompeo versucht, immer mehr Länder von seiner Initiative für ein „sauberes Internet“ zu überzeugen – und meint mit „sauber“ vor allem frei von chinesischem Einfluss.

          Sein Präsident geht gegen fernöstliche Software und Hardware vor, gegen Dienste wie Tiktok oder Netzwerkbauteile von Huawei. Wie aufgeheizt die Stimmung mitunter ist, gab der Senator Ben Sasse unlängst unumwunden zu: „Moderne Kriege werden mit Halbleitern geführt.“

          In diese zunehmend gruselige Großwetterlage hinein startet Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier nun ein interdisziplinäres Forschungsprojekt, in dem es darum gehen soll, die ethischen Grundlagen der Digitalisierung zu reflektieren. Einerseits ist sehr erfreulich, dass er das Thema damit quasi ganz oben im Staate ansiedelt.

          Auch spricht Steinmeier viele wichtige Konflikte an, die immer wieder aufs Neue geklärt werden müssen. Wächst der mittlerweile an das Internet angebundene Teil der Menschheit zu einer globalen Netzgemeinde zusammen, die vornehmlich friedfertig zum Wohle aller eigene und kollektive Ideen und Erfahrungen austauscht – ist die Vision, die Vordenker vom Web-Erfinder Tim Berners-Lee bis zum Facebook-Gründer Mark Zuckerberg vorstellten, also mehr als eine naive Hoffnung? Oder bleiben wir, wie Steinmeier fragt, auch online „Amerikaner, Chinesen, Europäer“?

          Und Natürlich beschleunigt die Corona-Pandemie die Digitalisierung und stellen sich die damit verbundenen Fragen noch drängender als zuvor ohnehin schon, wie der Präsident treffend anmerkt.

          Andererseits legen leider auch Steinmeiers Einlassungen nahe, Deutschlands digitale Herausforderung sei vornehmlich eine ethische. Tatsächlich ist das Problem hierzulande in diesem Bereich nach wie vor hauptsächlich ein kommerzielles: Deutsche (und europäische) Unternehmen entwickeln zu wenige auf Künstlicher Intelligenz und Big Data basierende Applikationen, die mit den Spitzenprodukten amerikanischer und asiatischer Anbieter konkurrieren können, die Zigmillionen Menschen rund um den Globus nutzen wollen.

          Indes gründet sich auch unser künftiger Wohlstand wesentlich darauf, am Markt überlegen zu sein und nicht im Umfang der Datenschutzregeln. Auch in der Internetökonomie gilt: Der ethische Diskurs, so erhellend er sein mag, ersetzt keine erfolgreichen Produkte.

          Alexander Armbruster
          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

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