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Facebook, Microsoft & Co : Digitale Dominanz

Mark Zuckerberg Bild: AP

Drei Milliarden Menschen nutzen Facebook-Dienste, Microsoft macht ein Fünftel mehr Gewinn, Netflix meldet das beste Geschäft aller Zeiten. Eine Lehre der Pandemie steht fest.

          2 Min.

          Die dominanten Digitalkonzerne dokumentieren, wie die Corona-Pandemie rund um den Globus in das Leben der Menschen hineinwirkt. Zahlreiche Unternehmen haben in Windeseile Arbeitsabläufe umgestellt. Wer kann, arbeitet gegenwärtig häufig von Zuhause aus. Eine ausgefeilte Internet-Infrastruktur ermöglicht, dass Mitarbeiter sich dennoch kontinuierlich auch über Ländergrenzen hinweg und ohne Zeitverzögerung austauschen und abstimmen können. Videokonferenz-Dienste melden Rekordnutzerzahlen, teamfähig ist sozusagen, wer „teamsfähig“ ist.

          Während beispielsweise Automobilhersteller vorübergehend Fabriken herunterfahren und etwa in Deutschland Kurzarbeit anmelden für Tausende Angestellte, wächst die Nachfrage nach Angeboten, die Menschen beruflich wie privat in den eigenen vier Wänden nutzen können. Nach dem, was funktioniert in einer Zeit, in der sie Abstand halten müssen und trotzdem nicht allein sein wollen.

          Der amerikanische Internetkonzern Microsoft erzielte in den zurückliegenden drei Monaten mehr als 10 Milliarden Dollar Gewinn – das ist ein Fünftel mehr als während derselben Zeit des vergangenen Jahres. Sein Vorstandsvorsitzender Satya Nadella bringt auf den Punkt, was diese Krise eben auch bewirkt: „Wir haben zwei Jahre digitale Transformation nun innerhalb von zwei Monaten erlebt.“

          Traurige deutsche Diskussion

          Zuvor schon hatte der Streaming-Anbieter Netflix rund um den Globus beinahe 16 Millionen zusätzliche Abonnenten gemeldet - und damit das beste Geschäftsquartal in der Geschichte des Unternehmens überhaupt. Wie viele Menschen miteinander in Kontakt bleiben und sich fortlaufend informieren, zeigt schließlich nun sehr eindrücklich das größte soziale Netzwerk der Welt: Facebook meldet nahezu 3 Milliarden monatliche Nutzer seiner App-Familie, zu der neben Facebook und dem Messenger der Bilderdienst Instagram und Whatsapp gehören. Bemerkenswert daran ist, dass die Zahl der Nutzer überall gewachsen ist, also auch in den Vereinigten Staaten und in Europa, wo gerade die Nutzerzahl der Kern-App lange Zeit stagnierte.

          Die Anleger an der Börse zumindest rücken diesen Zuwachs in den Vordergrund und preisen schon einmal ein Kursplus von 10 Prozent ein. Darin drückt sich offenkundig die Auffassung aus, dass Facebook  darunter leidet, dass Unternehmen gegenwärtig deutlich weniger Anzeigen schalten – sich dies aber wieder ändert, sobald der Höhepunkt der Pandemie überschritten ist.

          Für den Facebook-Gründer und Vorstandsvorsitzenden Mark Zuckerberg steckt in der Krise indes noch eine zweite Chance: Nachdem er in den vergangenen Jahren wie kein anderer Vertreter der Branche in die Kritik geraten war (die Stichworte lauten Falschnachrichten, Hass im Netz, Wahlmanipulation) und sich mehrfach vor Parlamenten rechtfertigen musste, könnte sich die öffentliche Wahrnehmung nicht nur seiner Person und Unternehmung nun abermals ändern. Zumindest scheint der Eindruck zu überwiegen, dass Facebook in dieser Krise beherzt und wirkungsvoll etwa gegen Verschwörungstheorien vorgeht.

          In Europa zeigt sich hingegen einmal mehr, wie sehr der Kontinent zurückliegt, und wie abhängig er ist, wenn es um essentielle digitale Infrastruktur geht. Einen mit Microsoft oder Amazon vergleichbaren Cloud-Anbieter oder Onlinehändler gibt es nicht.

          Und auch in der traurig-jämmerlichen Diskussion um eine Corona-Warn-App in Deutschland zeigt sich, auf wen es letztlich (wieder) maßgeblich ankommt: Auf die Technologie-Unternehmen Google und Apple, die ihre von den allermeisten Menschen genutzten mobilen Betriebssysteme (Android und iOS) so adjustieren müssen, dass die App nachher sinnvoll funktioniert.

          Alexander Armbruster

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

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