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Weg zur Klimaneutralität : Wie grün kann Wasserstoff die Industrie machen?

  • -Aktualisiert am

Der Stahlkonzern Salzgitter hat erst kürzlich den Auftrag an Siemens vergeben, auf dem Firmengelände Windanlagen zu bauen. Bild: dpa

Lange war Wasserstoff eine Nischentechnologie. Das ändert sich gerade. Für große Unternehmen ist sie eine Chance auf dem Weg zur Klimaneutralität. Deswegen investieren sie hier verstärkt – schon aus Kostengründen.

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          Es ist ein simples Experiment, das jedem Chemielehrer die Aufmerksamkeit eines jeden noch so gelangweilten Schülers garantiert. Einen Luftballon mit gasförmigem Wasserstoff explodieren zu lassen – am besten vor einer Tafel, damit man den Wasserfleck, der dabei entsteht, gut erkennen kann. Aufmerksamkeit bekommt der Wasserstoff inzwischen auch von Politik und Industrie. Denn es ist dieser Wasserfleck, der großes Potential verspricht: Verbrennt Wasserstoff, entsteht Wasserdampf. Kein klimaschädliches Kohlenstoffdioxid, kein Feinstaub, keine anderen Gase, die unsere Atmosphäre aufheizen. Energie ohne Emissionen, das ist ein Traum, der technologisch schon längst möglich wäre. Lange galt Wasserstoff als Nischentechnologie. Das ändert sich gerade. Für die Schwerindustrie ist das eine Chance auf dem Weg zur Klimaneutralität.

          Allein die Stahlindustrie ist für mehr als acht Prozent der deutschen CO2-Emissionen verantwortlich. Doch die Gewinnmargen der Branche sind gering, die Konkurrenz aus dem Ausland unerbittlich, und viele Unternehmen stehen bereits kurz vor der Pleite. Große Investitionen in klimaschonende Produktionsprozesse sind vor diesem Hintergrund kaum möglich. Auf der anderen Seite jedoch haben sich die Preise für CO2-Zertifikate im europäischen Emissionszertifikatehandel in nur zwei Jahren mehr als versechsfacht. Für die Unternehmen wird der Ausstoß von klimaschädlichen Gasen also immer teurer. Das verändert die Investitionsbreitschaft. Die Ersten wagen sich deshalb vor.

          „Sind stolz darauf, Vorreiter zu sein“

          Der Stahlkonzern Salzgitter etwa hat vor wenigen Wochen den Auftrag an Siemens vergeben, auf dem Firmengelände Windanlagen zu bauen. Aus dem so erzeugten grünen Strom wird per Elektrolyse grüner Wasserstoff produziert. Statt Koks wird dieser bei der Spaltung von Erz in Eisenschwamm genutzt, der wiederum im Ofen zu flüssigem Eisen verschmilzt. Als Abfallprodukt wird kein schädliches Kohlenstoffdioxid übrig bleiben, sondern Wasser. Heinz Jörg Fuhrmann, Vorstandsvorsitzender der Salzgitter AG, zeigt sich zufrieden: „Wir sind stolz darauf, Vorreiter der industriellen Nutzung von Wasserstoff in der Stahlindustrie zu sein.“ Bislang ist die Anlage jedoch noch nicht in Betrieb.

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          Auch der strauchelnde Stahlriese Thyssen-Krupp versuchte sich im November erfolgreich an einem Wasserstoff- Test. Bei laufendem Betrieb wurde das Koks in einem Hochofen bei Duisburg zeitweise durch Wasserstoff ersetzt. Wohl vor allem aus Kostengründen hat sich der Essener Konzern das Ziel gesetzt, bis 2030 ein Drittel weniger Treibhausgasemissionen zu verursachen. Bis 2050 will man klimaneutral Stahl herstellen. Auch der Stuttgarter Autobauer Daimler will dem Wasserstoff eine Chance geben. Für den Schwerlastverkehr wird emsig am Brennstoffzellenantrieb geforscht. „Es ist wichtig, einen Transformationspfad zu überlegen, denn von heute auf morgen geht es nicht“, glaubt Geert Tjarks von der Nationalen Organisation Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (Now), die die deutsche Regierung in Sachen neue Technologien berät. „Hier spielt der zahlungskräftige Verkehrssektor eine große Rolle als Wegebner für andere Sektoren.“

          Nach Angaben von Tjarks ist Wasserstoff „schon heute eines des größten industriellen Produkte, die wir auf der Welt haben“. Bis der Wasserstoff als Energieträger jedoch wahr- und ernst genommen wurde, mussten Jahre vergehen. Die Europawahl im vergangenen Mai mit ihrem deutlichen Ruck in Richtung grün hat einen entscheidenden Anteil daran, dass die deutsche Regierung ihren Fokus nicht mehr nur auf die grüne Stromversorgung richtet, sondern inzwischen auch von einer grünen Energieversorgung spricht.

          Heutzutage verursacht die Produktion von Wasserstoff in etwa so viel Kohlenstoffdioxid im Jahr wie Deutschland insgesamt – rund zwei Prozent der weltweiten Emissionen. Bei der Verbrennung mag er zwar klimaneutral sein, in der Herstellung jedoch kommen fossile Brennstoffe zum Einsatz. Die Rede ist vom sogenannten grauen Wasserstoff, der vor allem für die Ammoniakproduktion in der Düngemittel-Industrie eingesetzt wird. Die Zukunft aber ist grün. Der Wasserstoff der Zukunft soll mit Hilfe erneuerbarer Energien hergestellt werden.

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