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Hitzige Datenschutzdebatte : Apple legt umstrittene Kinderschutzfunktion auf Eis

Apple-Chef Tim Cook Bild: AFP

Der iPhone-Konzern wollte mit einem neuen Software-Update der Verbreitung von Kinderpornographie entgegenwirken. Nach einer heftigen Datenschutzdebatte vollzieht er eine Kehrtwende.

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          Apple hat mit einer umstrittenen neuen Kinderschutzfunktion eine Kehrtwende gemacht und will sie offenbar nicht in ihrer ursprünglich geplanten Form herausbringen: Der amerikanische Elektronikkonzern teilte am Freitag mit, er wolle sich in den nächsten Monaten zusätzliche Zeit nehmen und „Verbesserungen machen“, bevor sie veröffentlicht wird. Er begründete das mit „Feedback“ von Kunden, Forschern und Interessengruppen.

          Roland Lindner
          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Apple hat vor fast genau einem Monat als Teil eines kommenden Software-Updates für iPhones mehrere neue Funktionen rund um Kinderschutz vorgestellt, und eine von ihnen, mit der die Verbreitung von Kinderpornografie gestoppt werden sollte, sorgte dabei sofort für eine hitzige Datenschutzdebatte. Die Technologie soll nach den damals verkündeten Plänen Bildmaterial, das Missbrauch von Kindern zeigt, auf Apple-Geräten selbst erkennen können. Dazu sollen Inhalte auf den Geräten mit einer Datenbank bekannter Missbrauchsfotos der amerikanischen Kinderschutzorganisation National Center for Missing and Exploited Children abgeglichen werden.

          Die Software soll dann aktiv werden, wenn ein Nutzer versucht, Fotos auf Apples Online-Plattform iCloud hochzuladen. Wird eine bestimmte Zahl der fraglichen Missbrauchsbilder auf einem Gerät gefunden, sollen Apple-Mitarbeiter eingreifen und sich die Fotos ansehen. Wenn sie bestätigen, dass es sich um Kindermissbrauch handelt, soll das an die Kinderschutzorganisation gemeldet werden, und das Konto des Nutzers soll gesperrt werden.

          Kinderschutzorganisationen begrüßten die geplante Software. Allerdings meldeten sich umgehend Kritiker zu Wort und argumentierten, Apple habe damit eine Überwachungstechnologie geschaffen, die für andere Zwecke missbraucht werden könnte, zum Beispiel von autoritären Regimen.

          Apple hat die geplanten Neuerungen trotz der Kritik zunächst noch mit Vehemenz verteidigt und darauf hingewiesen, der gewählte Ansatz gewährleiste die Privatsphäre seiner Nutzer. Zudem seien einige Datenschutzvorkehrungen getroffen worden, etwa indem die Fotos nur über eine Art Zahlencode identifiziert werden. Offenbar sah sich der Konzern nun aber doch gezwungen, seine Position zu ändern. Die Kontroverse war für Apple eine besonders große Bedrohung, weil das Unternehmen in den vergangenen Jahren Privatsphäre zu einem seiner wichtigsten Verkaufsargumente gemacht hat.

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