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Bryter automatisiert Jura : Deutsches Softwarehaus jetzt 400 Millionen Dollar wert

Bryter-Chef Michael Grupp Bild: dpa

Das deutsche KI-Unternehmen Bryter wächst rasant. Von amerikanischen Investoren, darunter illustre Namen, bekommt das Softwarehaus jetzt weitere 66 Millionen Dollar. Der Gründer ist euphorisch: „Es gibt keine Grenze erst mal.“

          2 Min.

          Das deutsche KI-Unternehmen Bryter hat von Investoren 66 Millionen Dollar (knapp 60 Millionen Euro) erhalten. Das teilte das Softwarehaus der F.A.Z. vorab mit. Bryter ist in Berlin und Frankfurt ansässig und hat zudem Büros in London und New York. Das Unternehmen, das 2018 gegründet wurde und heute 130 Mitarbeiter hat, betreibt eine KI-Plattform, mit der vor allem Konzerne Abläufe automatisieren, die sonst von juristischen Abteilungen übernommen werden.

          Gustav Theile
          Wirtschaftskorrespondent in Stuttgart.

          Nach F.A.Z.-Informationen erreicht das Unternehmen eine aktuelle Bewertung von etwa 400 Millionen Dollar (350 Millionen Euro) und peilt jetzt den Aufstieg in die Liga der Einhörner an. So heißen jene Start-ups, die mindestens mit einer Milliarde bewertet werden.

          „Wenn ein Unternehmen eine Vertraulichkeitsvereinbarung nach chinesischem Recht braucht, kann er das mit unserer App automatisieren“, beschreibt Michael Grupp, Geschäftsführer des Unternehmens und einer der drei Ko-Gründer, einen abwegigeren Fall. Oder wenn große Einzelhandelsketten regelmäßig prüfen müssten, ob in ihren Filialen Sicherheitsauflagen zu erneuern seien, lasse sich das über seine Plattform automatisieren. Dabei seien jedoch keine Programmierkenntnisse vonnöten. „Lego für Juristen“ hat Grupp den Ansatz schon kurz nach Gründung im Sommer 2018 in der F.A.Z. genannt. „Die Plattform soll so einfach sein, dass jemand, der keine Ahnung von Programmieren hat, das bauen kann.“

          Grupp denkt groß: „Wir wollen einen globalen Softwareanbieter schaffen und so groß werden, wie es geht.“ Der Umsatz soll jedes Jahr mindestens verdoppelt werden. In den kommenden zwei Jahren will er sich auf die Expansion in Amerika konzentrieren, dorthin sollen auch die Einnahmen aus der Finanzierungsrunde fließen. „Wir können einen großen Player im amerikanischen Markt bauen“, ist Grupp überzeugt. Prinzipiell hält er jedes Unternehmen, das mehr als 500 Millionen Euro Umsatz macht, für einen potentiellen Kunden.

          Viele Großkonzerne als Kunden

          Der Gründer klingt im Gespräch meist euphorisch: „Wir entwickeln eine Software, die jede Firma braucht und für die es so richtig keine Wettbewerber gibt.“ Konkurrenten sieht er allenfalls in den IT-Abteilungen von Unternehmen und spezialisierten Anbietern, die etwa nur automatische Datenschutz-Prüfungen anbieten.

          Die Bryter-Gründer: Micha-Manuel Bues, Michael Grupp, Michael Hübl (v.l.)
          Die Bryter-Gründer: Micha-Manuel Bues, Michael Grupp, Michael Hübl (v.l.) : Bild: Bryter

          Schon jetzt zählen viele Wirtschaftskanzleien, die die Produkte in der Beratung anderer Unternehmen einsetzen, sowie diverse Konzerne zu den insgesamt etwa 100 Kunden des Softwarehauses: darunter die Fastfood-Kette McDonald’s, der Telekomanbieter Telefónica, die Wirtschaftsprüfer PWC, KPMG und Deloitte, aber auch der im M-Dax notierte Maschinenbauer Gea.

          Angeführt wird die Finanzierungsrunde vom New Yorker Investment-Unternehmen Tiger Global, das zu den illustreren Adressen der Start-up-Welt zählt. Gründer ist der Milliardär Chase Coleman, dessen Vermögen Forbes auf mehr als 10 Milliarden Dollar schätzt. Amerikanische Branchenmagazine beschreiben ihn als „Hedgefonds-Legende“. „Bryter hat alle Charakteristika eines erstklassigen Softwareunternehmens“, wird Tiger-Global-Partner John Curtius in der Pressemitteilung zitiert. Das Produkt sei hochwertig, das Feedback der Kunden positiv, und das Gründerteam mache einen hervorragenden Job. Auch das Investmenthaus Accel, das zu den größten Start-up-Investoren Amerikas zählt, investiert weiter in Bryter. Accel war schon an einer ersten Finanzierungsrunde in Höhe von 16 Millionen Dollar im vergangenen Sommer beteiligt. Insgesamt hat das Unternehmen damit 90 Millionen Dollar eingesammelt.

          Einen Börsengang strebt Bryter-Gründer Grupp nicht an. Und doch klingt er so, als würde man bald wieder von ihm hören: „Bisher ist alles nach Plan gelaufen und ein bisschen besser. Das macht Spaß. Es gibt keine Grenze erst mal“, sagt er in gewohnter Zuversicht.

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